Ausbildungszentrum Trumpf in Ditzingen

Polygonale Form in Holz-Hybridbauweise

Der Hauptsitz der Firma Trumpf, die auf eine über hundertjährige Firmengeschichte zurückblicken kann, befindet sich in Ditzingen nordwestlich von Stuttgart, direkt an der Autobahn A81. Das Berliner Architekturbüro Barkow Leibinger hat schon mehrfach Gebäude für das Unternehmen geplant. So auch das 2008 eröffnete Betriebsrestaurant im Osten des ausgedehnten Areals, in dessen direkter Nachbarschaft 2023 ein Ausbildungszentrum hinzugekommen ist. Beide Gebäude kennzeichnet eine polygonale Form, und sie sind in nachhaltiger Holz-Hybridbauweise konzipiert. 

Luftbild mit Blick auf das Firmengelände mit Betriebsrestaurant und Ausbildungszentrum
Die Grundrissfigur des Ausbildungszentrums entspricht einem Sechseck.
Mit großformatigen Verglasungen öffnet es sich zum Campus.

Eingangssituation und Anbindung

Als Ankunfts- und Begegnungsraum dient ein neuer Vorplatz, der den nördlichen Eingang des Ausbildungszentrums mit dem Dienstleistungszentrum verbindet. Zu dem höher gelegenen Betriebsrestaurant führt ein terrassierter Garten. Dieser landschaftlich gestaltete Außenbereich ist mit einem überdachten Pausenareal verbunden.

Herzstück des zweigeschossigen, teilweise unterkellerten Ausbildungszentrums ist ein Auditorium mit großzügigen Sitzstufen. Es erstreckt sich über beide Geschosse und wird für Veranstaltungen, Präsentationen und Schulungen genutzt. Der Neubau umfasst außerdem Schulungsräume, Besprechungszonen, Sozialbereiche sowie Werkstätten und Maschinenhallen für die praktische Ausbildung. Bis zu 100 Auszubildende erwerben hier Kenntnisse im Werkzeugmaschinenbau. 

Lichtdurchflutete Lernatmosphäre

Über Glasfassaden öffnet sich das Gebäude zur umgebenden Parklandschaft, sodass eine lichtdurchflutete Lernatmosphäre entsteht. Der zentrale Hörsaal lässt sich mittels textiler Vorhänge abschirmen, bleibt jedoch durch unterschiedlich gestaltete Fensteröffnungen visuell mit der Umgebung verbunden. Durch ein kristallin geformtes Zenitlicht, das mit einem textilen Blendschutz versehen ist, gelangt Tageslicht tief ins Gebäude. 

Organisation und Raumhöhen

An das im Grundriss hexagonale Auditorium sind sechs Raumzellen angegliedert, deren Höhe je nach Funktion variiert. Während die Werkstätten doppelte Geschosshöhe haben, bleiben die Schulungsbereiche und der Eingangsbereich eingeschossig. Das Foyer fungiert als Verteiler und ist für Ausstellungen nutzbar. Eine angrenzende Teeküche mit eigenem Zugang ins Freie dient als Rückzugsort für die Auszubildenden während der Pausen. Für Veranstaltungen mit größerem Publikum steht ein Garderobenbereich zur Verfügung. 

Die Seminarräume im Obergeschoss sind flexibel bespielbar; sie lassen sich modular verbinden und durch textile Raumtrenner zonieren. Neben klassischen Schulungsbereichen gib es auch einen Musikraum. Im Untergeschoss befinden sich Umkleideräume für die Auszubildenden und ein Zugang zum Tunnelnetz des Campus. Diese Verbindung ermöglicht witterungsgeschützte Wege zu den benachbarten Büro- und Produktionsgebäuden. 

Konstruktion und Materialien

Das Untergeschoss ist aus Stahlbeton errichtet. Die tragenden Elemente des Ausbildungszentrums wie Stützen, Unterzüge und Dachträger bestehen aus Brettschichtholz, während die Außenwände in Holztafelbauweise sowie abschnittsweise als Fachwerk ausgeführt sind. Die Decken der zweigeschossigen Raummodule sind als Holz-Beton-Verbundsystem realisiert. Die Tribüne im Auditorium ist aus vorgefertigten Brettsperrholzelementen erstellt, die Sitzstufen sind als Eichenparkett ausgeführt. Die unbehandelten Holzoberflächen erzeugen eine warme Atmosphäre und fördern ein angenehmes Lernumfeld.

Tragwerk in Holz

Die radial zu dem zentralen Oberlicht verlaufenden Dachträger lagern auf Innenstützen und Außenwänden; in das Auditorium kragen sie weit aus. Die inneren Stützen sind ringförmig um den Raum angeordnet und dienen als Drehpunkte für die jeweils unterschiedlichen Balkenwinkel, die durch die fächerartige Geometrie der Dachkonstruktion entstehen.

Das zentrale Oberlicht hat nicht allein gestalterische Funktion und führt Tageslicht ins Gebäude; während der Bauphase war es als Kranstandort strategisch günstig, um die großformatigen Holzbauelemente zu montieren. Sämtliche Holzbauteile wurden durch das ausführende Unternehmen vorgefertigt und binnen kurzer Zeit vor Ort montiert.

Gründach mit Photovoltaik

Auf dem begrünten Dach sorgt eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 150 Kilowattpeak (kWp) für eine jährliche Stromproduktion von rund 150.000 Kilowattstunden. Das entspricht rund 40 Prozent des Gesamtstromverbrauchs des Gebäudes. Die extensive Dachbegrünung übernimmt mehrere Funktionen: Sie speichert Regenwasser, trägt zur Kühlung der Solarmodule bei und verbessert das Mikroklima. Für den Neubau wurde eine zuvor versiegelte, als Parkplatz genutzte Fläche entsiegelt und in die umgebende Parklandschaft mit hohen Gräsern integriert.

Bautafel

Architektur: Barkow Leibinger, Berlin
Projektbeteiligte: Holzbau Amann, Weilheim-Bannholz (Holzbau); Kucharzak Fassaden Engineering, Berlin (Fassadenplanung); Drees & Sommer, Stuttgart (Bauleitung, Haustechnik); capattistaubach, Berlin (Landschaftsarchitektur); Licht Licht Studio Dinnebier, Berlin (Lichtplanung); P&H Hönes, Pforzheim (Elektroplanung); Horstmann + Berger, Altensteig (Bauphysik); Peter Stanek, Berlin (Brandschutz); Breinlinger Ingenieure,Tuttlingen (Tiefbauplanung); sbp schlaich bergermann partner, Berlin (Tragwerksplanung)
Bauherr/in: Trumpf, Ditzingen
Fertigstellung: 2023
Standort: Schuckertstraße 30, 71254 Ditzingen
Bildnachweis: Simon Menges & Nino Tugushi, Berlin; Laurian Ghinitoiu, Berlin

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