Aufbahrungshalle St. Martin in Linz

Stahlbeton mit Kalkglätteputz

Der Friedhof St. Martin ist mit einer Fläche von rund 600.000 m² die größte Ruhestätte in Linz. Er liegt in der Gemeinde Traun, südwestlich der Linzer Innenstadt. Für die Neugestaltung der Aufbahrungshallen und der Service-Zonen wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den das Linzer Architekturbüro Heidl für sich entscheiden konnte. Eine wichtige Anforderung bestand darin, Bestattungen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften ermöglichen zu können. Diese Herausforderung nahmen die Architekten an und konzentrierten sich bei ihrer Gestaltung auf die Empfindungen und Bedürfnisse der Trauernden unabhängig von deren Religion.

Harmonisches Zusammenspiel von weißem Stahlbeton und Natur
Auf dem Wege zur Aufbewahrungshalle passieren die Besucher einen Birkenhain
Eingang zum Friedhof

Sie schufen einen Flachbau und organisierten die Zugänge zum Friedhof neu. Besucher und Trauergäste betreten St. Martin jetzt durch ein erweitertes Tor, das den Eingangsbereich eindeutig definiert. Einen angrenzenden Birkenhain und einen ebenfalls neuen Glockenturm passierend gelangen sie zu einem von begrünten Erdwällen umsäumten Hof und dann in eine Vorhalle. Schnörkellos, offen und hell gestaltet soll sie den auf die Bestattung wartenden Trauernden ein Gefühl der Ruhe und Leichtigkeit vermitteln. Gleichzeitig bietet die Halle Schutz vor Witterung und fremden Blicken. Auf einem schwebend erscheinenden Podest können Kränze abgelegt werden.

Hinter zwei metallbeschlagenen Schiebetüren verbirgt sich der Hauptraum der Anlage: die 25 Meter lange und sechs Meter hohe, lichtdurchflutete Aufbahrungshalle. Zur Ostseite öffnet sie sich mit einer Glaswand zu einem introvertierten, bekiesten Innenhof, der mit nur einem einzigen Baum bepflanzt ist. Auf der dem Hof abgewandten Seite befinden sich nebeneinanderliegend die fünf Aufbahrungsnischen, in denen die Trauernden beim Verstorbenen verweilen können. Die Nischen werden von einer acht Meter hohen, weiß gebeizten Eichenholzlamellenwand begrenzt, die sich partiell öffnen lässt. Tageslicht fällt durch Oberlichter herein, das je nach Einfallswinkel unterschiedliche Stimmungen erzeugt. Beim Verlassen der Aufbahrungshalle gelangt man in die bereits vor dem Umbau vorhandene Verabschiedungshalle, die harmonisch in die gesamte Anlage eingebunden wurde. Hier finden die Trauerzeremonien statt.

Das Gebäudeensemble des Friedhofs umfasst außerdem einen Urnenfriedhof, Verabschiedungsräume für Muslime und einen Bereich für rituelle Waschungen mit vorgelagerten Versammlungshöfen und Torbauten, der dem mosaischen Ritus gerecht werden soll.

Beton
Alle tragenden Wände und Flachdächer wurden in Stahlbeton, teilweise auch in Stahlbetonskelettbauweise ausgeführt. Von außen wurden die 30 cm dicken Betonwände mit 15 cm Wärmedämmung ausgestattet. Diese erhielt eine 3 cm dicke Putzschicht und wurde anschließend weiß gestrichen. Im Inneren wurde auf die Stahlbetonwände Kalkglätteputz aufgetragen – eine vielfältig einsetzbare, haftverbesserte mineralische Trockenmörtelmischung, die vor allem zum Herstellen von glatten Oberflächen in Innenräumen eingesetzt wird. Farblich sind alle Oberflächen in einem einheitlichen Naturweiß gestaltet.

In einigen Teilen des Außenbereiches, wie z.B. im Innenhof, wurde Magerbeton gegossen, um Unebenheiten in der Geländeoberfläche auszugleichen und eine ebene Fläche zu schaffen.

Bautafel

Architekten: Heidl Architekten, Linz
Projektbeteiligte: Barbara Bacher, Linz (Freiraumgestaltung); Aigner und Friedhuber, Linz (Tragwerksplanung); Metallbau Pöttinger, Taufkirchen (Türgestaltung)
Bauherr: Linz Service, Linz
Fertigstellung: 2008
Standort: Wiener Bundesstraße 101, 4050 Traun
Bildnachweis: Josef Pausch, Linz

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Glatte Betonoberflächen entstehen durch eine nicht saugende Schalhaut. Beispiel: Mercedes-Benz -Museum in Stuttgart von Ben van Berkel und Carolin Bos (UN Studio)

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