Auf der Suche nach Behaglichkeit

Slowenischer Pavillon auf der 18. Architektur-Biennale in Venedig

Nicht jedes Land verfügt über einen eigenen, imposanten Pavillon in den Giardini. Viele kleinere Länder stellen während der Architekturbiennale in Venedig im Arsenale aus und zeigen, dass selbst mit wenig Raum inhaltlich vielschichtige Beiträge möglich sind. Auch Slowenien, zwischen Alpen und Adria gelegen, ist hier vertreten. In der Ausstellung +/- 1 °C: In Search of Well-Tempered Architecture geht es um die Frage, mit welchen Mitteln behagliche Innenräume in vernakulären Architekturen geschaffen werden. Welche Lehren können aus den Beobachtungen gezogen werden für eine ökologisch verträglichere Gebäudeplanung und -nutzung? Gestaltet wurde die Schau von einem Quintett: Maša Mertelj und Matic Vrabič (Mertelj Vrabič Arhitekti), Eva Gusel sowie Anja Vidic und Jure Grohar (Vidic Grohar Arhitekti).

Für die Ausstellung wurden 50 europäische Architekturbüros und Gestalter*innen eingeladen, Beispiele vernakulärer Architektur einzureichen.
Die Kurator*innen identifizierten fünf räumlich-architektonische Strategien, die zur Dämmung und Klimatisierung von Gebäuden beitragen.
Diese Strategien werden auch in der Ausstellungsarchitektur angedeutet.

Energieeffizienz nur ein Add-on?

Energieeffizienz – so die Kritik der Kurator*innen – erscheint heutzutage wie losgelöst vom Gebäudeentwurf: Heizungsanlagen, Lüftungsgeräte und Dämmplatten lassen sich ein- und wieder ausbauen. Sie sollen für mehr Behaglichkeit sorgen. Zugleich werden die mit ihnen verbundenen rechtlichen Anforderungen und architektonischen Ansprüche von nicht wenigen Planer*innen als restriktiv empfunden. Wie könnten Alternativen dazu aussehen? Das slowenische Team schlägt einen Blick in die Vergangenheit vor: 50 Architekturbüros und Gestalter*innen wurden eingeladen, historische Beispiele ausfindig zu machen, in denen Energieeffizienz eben kein „Add-on“ ist, sondern integraler Bestandteil technologiearmer und dennoch energieeffizienter Gebäude.

Vorbild vernakuläre Architektur

In der Ausstellung zu sehen sind entsprechend 50 Beispiele aus klimatisch und ressourcenmäßig unterschiedlichen Regionen Europas, kategorisiert als vernakuläre Architektur. Der im deutschsprachigen Raum fast ausschließlich in Fachkreisen gebrauchte Begriff wird von den slowenischen Kurator*innen so verstanden: Ihnen geht es um Gebäude, die entstanden, als Strom und Wärmeenergie rare Güter waren. Dadurch bestimmten die klimatischen Bedingungen, die lokalen Ressourcen und die zur Verfügung stehenden Techniken des Heizens, Kühlens und Dämmens zwangsläufig die architektonische Form, aber auch die Nutzung von Gebäuden mit. Dass sich die Beispiele oft in ländlichen Räumen befinden bzw. befanden, ist angesichts der mit ihnen verbundenen Lebensweisen vielleicht nicht ganz zufällig.

Techniken mit wenig Technik

Wie natürliche Energieressourcen nutzbar gemacht wurden und wie die knappen fossilen Brennstoffe rationiert wurden, wird anschaulich anhand der fünf räumlichen Konfigurationen, die die Kurator*innen identifiziert haben: der Raum im Raum, der Hotspot, die Zwischenzone, der Kokon und die räumliche Verdichtung. Ansätze davon sind in der Ausstellungsarchitektur aus Ziegeln, Filz und Holzrahmen zu erahnen. Text- und Bildtafeln sowie Steckbriefe der ausgewählten Bauwerke erläutern die Prinzipien im Detail.

Die vorgestellten Beispiele zeigen ebenso, dass Öfen, schützende Laubengänge und dämmende Luftschichten keine monofunktionalen Elemente des Klimamanagements sind, sondern nutzbare Räume, in denen die Menschen (und Tiere) im Haus zusammenkommen. Die Beobachtungen gehen sogar noch weiter: Architektonische, räumliche Mittel, mit denen zwischen Außen- und Innenklima vermittelt wird, organisieren die Art und Weise, wie diese Gebäude bewohnt werden – Klima, Architektur und Nutzung sind also eng verknüpft und offenbar bereits im Entwurf zusammengedacht worden.

Publikation in Arbeit

Wer sich von den Potenzialen der 50 Beispiele selbst ein Bild machen möchte, der hat dazu noch bis zum 26. November 2023 Gelegenheit, bei einem Besuch der 18. Architekturbiennale in Venedig. Alle, die nicht vor Ort sein können, werden sich über die Publikation zur Ausstellung freuen, deren Veröffentlichung auf der Webseite des slowenischen Museums für Architektur und Design bekannt gegeben wird (siehe Surftipps).

Fachwissen zum Thema

Welcher Effizienzklasse ein Gebäude zugeordnet ist, ist in seinem Energieausweis ersichtlich.

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Dämmstoffe können dazu beitragen, Energieverluste zu reduzieren.

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Elemente des energiesparenden Bauens

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