Atelier Médicis in Paris

Vorhang auf für Kunst und Kultur

In den letzten Jahren hat sich Clichy-sous-Bois als Anziehungspunkt für Kunst- und Kulturschaffende etabliert. Die Kleinstadt, etwa 15 Kilometer östlich des Pariser Zentrums gelegen, verdankt dies insbesondere den Ateliers Médicis. Mit dem 2016 ins Leben gerufenen Programm möchte das französische Kulturministerium junge Kreative und Künstler*innen in den Banlieues unterstützen. Seit 2022 dient ein modern und technoid anmutende Neubau des Pariser Architekturbüros Studio Muoto als zentrale Infrastruktur. Das dreigeschossige Gebäude vereint Ateliers, Ausstellungs-, Proben- und Aufführungsräume unter einem Dach.

In der Mitte des Erdgeschosses bietet ein dreigeschossiger Hauptraum Platz für unterschiedliche Nutzungen.
Zwei großzügig dimensionierte Funktionsriegel mit vielseitig nutzbaren Mehrzweckräumen flankieren die Längsseiten des Hauptraums.
Ein umlaufender Korridor trennt die Schicht mit den Mehrzweckräumen von der Glasfassade.

Lokale Zusammenarbeit

Jährlich werden im Rahmen der Initiative Kunstschaffende verschiedener Disziplinen zu Aufenthalten von einer Woche bis zu einem Jahr eingeladen, um gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung künstlerische Projekte zu konzipieren und umzusetzen. Nachdem jahrelang ein Provisorium genutzt wurde, veranlasste das Kulturministerium den Bau eines Gebäudes, das den Gästen angemessene Räumlichkeiten sowie technische Ausrüstung bietet und die Bedeutung des künstlerischen Schaffens signalisiert.

Blackbox im Zwiebel-Look

Der flache Quader liegt an der Allée Françoise Nguyen und der Allée Romain Rolland und verfügt über Haupteingänge an der Ost- und Westfassade. Die vollständig verglaste, streng gerasterte Fassade verleiht dem Bauwerk ein modern-industrielles Äußeres und setzt sich von der Umgebung deutlich ab. Sie ist Resultat der scheinbar widersprüchlichen Anforderungen, die sich aus den Nutzungen ergeben: Einerseits wurden für Dreharbeiten, Ausstellungen und Aufnahmestudios viele dunkle Räume benötigt, andererseits sollte sich das Gebäude zur Stadt hin öffnen. Der Hauptraum – Blackbox genannt – sollte ein großer Proben- und Aufführungssaal sein, zugleich mussten Bühnen für Straßenkunst und informellere Kunstformen her.

Die Entwerfer*innen lösten den Konflikt, in dem sie die Blackbox in die Mitte stellten und sie mit den anderen Räumen umgaben – ähnlich den Schichten einer Zwiebel. In dem Hauptsaal können Ausstellungen und Aufführungen stattfinden, aber auch Workshops und Seminare. Bewegliche Trennwände sowie auf- und abbaubare Tribünen erlauben diese Flexibilität – sogar mehrere Nutzungen gleichzeitig sind möglich. Mit hochwertiger Bühnentechnik ausgestattet, erstreckt sich die Blackbox über drei Geschosse hinweg.

Bewegungsflächen mit Wintergarten-Effekt

Zwei großzügig dimensionierte Schichten mit vielseitig nutzbaren Mehrzweckräumen flankieren die Längsseiten des Hauptraums auf allen Etagen. Integriert sind hier auch vier Erschließungskerne mit Fahrstühlen. Zur Fassade hin folgt eine weitere, umlaufende Raumschicht: Die breiten Korridore entlang der Glasfassade bieten zusätzlichen Platz für künstlerisches Schaffen und sollen darüber hinaus die Raumtemperatur regulieren. Wie belüftete Wintergärten sorgen sie im Winter für Wärme und im Sommer für Kühlung. Zusätzliche Arbeits-, Ausstellungs- und Bühnenflächen bietet die großzügige Dachfläche des Gebäudes.

Textiler und innenliegender Sonnenschutz

Um die Sonneneinstrahlung und die Innentemperaturen in dem Glaskörper regulieren zu können, sind alle vier Fassaden mit übergroßen, silbrig-weißen Vorhängen ausgestattet. Sie reichen an zwei Gebäudeseiten über alle drei Geschosse und an den anderen beiden über zwei oder ein Geschoss. Die schimmernden und nahezu blickdichten Gewebe können flexibel zur Seite geschoben oder über Gurte nach oben gerafft werden. Dadurch bieten sie nicht nur Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung und Hitze, sondern versinnbildlichen auch das Treiben im Gebäude, etwa von Theateraufführungen, für die Menschen im umliegenden Stadtraum. -sms

Bautafel

Architektur: Studio Muoto, Paris; Titan, Nantes
Projektbeteiligte: Les Eclaireurs (Beleuchtung und Technik); Bollinger & Grohmann (Bauingenieurwese); Sempervirens, Paris (Landschaftsarchitektur); Ducks scéno, Villeurbanne (Museografie, Szenografie), Peutz (Technik und Beratung), Fabrice Bougon (Kostenkalkulation, Budgetkontrolle)
Bauherr*in: Ministerium für Kultur, Ateliers Médicis
Fertigstellung: 2022
Standort: 4 allée Françoise Nguyen, 93390, Clichy-sous-Bois, Frankreich
Bildnachweis: Oliver Campagne, Paris (Fotos); Studio Muoto, Paris (Pläne)

Fachwissen zum Thema

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Horizontale Sonnensegel zur Verschattung von Außenflächen.

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Textilien

Textiler Sonnenschutz

Außen liegende Textilien müssen schwerentflammbar und witterungsbeständig sein.

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Materialien

Textilien und Membranen

Vorhänge sind vielseitig einsetzbar, im Innen- wie Außenbereich.

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Textilien

Vorhänge

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