Atelier Gardens, Haus 1 in Berlin
Ressourcenschonende Sanierung eines alten Bürogebäudes
Schon von weitem fällt der leuchtend gelbe Kubus an der Oberlandstraße in Berlin-Tempelhof ins Auge: Mit der Umgestaltung eines zuvor kaum genutzten Bürogebäudes erhielt das Gelände der Berliner Union Film Ateliers (BUFA) im November 2023 einen prägnanten Eingangsbau, der auf sechs Etagen Platz für Arbeits-, Gemeinschafts- und Mehrzweckflächen bietet. Verantwortlich für das farbenfrohe Bauwerk mit imposanter Zickzack-Treppe zeichnen die Planungsbüros MVRDV und Hirschmüller Schindele Architekten.
Historisches Filmgelände wird zu Kreativ-Campus
Das rund sechs Hektar große Areal südlich des Tempelhofer Feldes in Berlin diente seit der Fertigstellung des ersten Studios im Jahr 1912 der Film- und Fernsehproduktion. Nun erweitert die BUFA ihre Zielgruppe: Neben der Filmbranche sollen hier künftig auch alternative Organisationen und Vereine tätig sein können, die sich sozialen, ökologischen oder kreativen Zwecken verschrieben haben. Um diesen neuen Nutzer*innen den notwendigen Platz zu schaffen, wird das räumliche Angebot der BUFA im Rahmen des Projekts Atelier Gardens, wie der Campus inzwischen genannt wird, seit etwa fünf Jahren sukzessive erweitert und umgestaltet. Der regenerative Masterplan für das über hundert Jahre alte Filmgelände sieht eine behutsame Transformation des Industriestandortes zu einem zukunftsfähigen Film- und Medienzentrum vor, in dem Gemeinschaft und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen sollen.
Neues Wahrzeichen der Atelier Gardens
Neben dem 2022 fertiggestellten Studio 1 wurde mit dem Eingangsbau Haus 1 bereits das zweite Projekt von MVRDV auf dem Filmstudioareal realisiert. Das sanierte Bestandsgebäude aus den 1990er-Jahren prägt mit seiner leuchtenden Farbgebung und der ausladenden Freitreppe die neue visuelle Identität des Ensembles und soll die Phase der Transformation des historischen Areals in den umliegenden Stadtraum tragen.
Nahtlose Übergänge im Erdgeschoss
Das Gebäude umfasst eine Gesamtnutzfläche von 1.747 Quadratmetern. Auf der Südseite des Erdgeschosses befindet sich der Eingangsbereich mit Concierge-Service; auf der Nordseite lädt eine geräumige Café-Bar zum Verweilen ein. Diese ist als Co-Working-Space konzipiert und bietet ein kulinarisches Angebot aus nachhaltiger, lokaler Produktion. Drei Glas-Faltwände an der Fassade der Cafeteria schaffen nahtlose Übergänge zum Campus-Garten. Sie lassen sich mit zweimal drei und einmal sechs aneinandergereihten Elementen auf einer Länge von 2,80 bzw. 4,20 Metern öffnen. Der mittig positionierte Erschließungskern mit Treppenhaus und Fahrstuhl gewährleistet den Zugang zu den oberen fünf Geschossen.
Dachterrasse und Dachgarten mit Panoramablick
Über dem Erdgeschoss verteilen sich auf vier Etagen anmietbare Büroflächen. Die offenen Grundrisse ermöglichen eine flexible Nutzung und erleichtern Anpassungen an sich ändernde Anforderungen. Das bislang ungenutzte Flachdach gestalteten die Planenden durch eine thermisch geschlossene Pavillonkonstruktion aus Brettsperrholz mit Dachterrasse und angrenzendem Dachgarten zum Staffelgeschoss um. Die aufwendig begrünte Erholungsfläche bietet nicht nur einen Ort zum Entspannen mit weitem Blick auf das Tempelhofer Feld und die Berliner Skyline, sondern fördert auch die Biodiversität und das Mikroklima. Besucher*innen erreichen die Dachlandschaft sowohl über den inneren Erschließungskern als auch über die markante gelbe Außentreppe, die sich im Zickzack ihren Weg nach oben bahnt.
Maximale Transparenz
Dank einer Glasfassade aus raumhohen Schiebefenstern ist der Fernblick auch im Inneren des Dachpavillons erlebbar. Schmale Fensterprofile mit Abmessungen von 34 Millimetern ermöglichen Glasanteile von bis zu 98 Prozent und lassen die großen Fensterelemente leicht wirken. Der Übergang zwischen Innen- und Außenraum erfolgt über projektspezifische Öffnungsvarianten der sechsteiligen Anlage des Herstellers Solarlux: Bei Variante 1 lassen sich die beiden äußeren Schiebeelemente auf einer dreispurigen, barrierefreien Bodenschiene vor den beiden mittigen Fensterflügeln parken. Bei Variante 2 werden die inneren Schiebefenster vor die äußeren Elemente geschoben, um die volle Öffnungsweite zu erzielen. Wie bei den Glas-Faltwänden im Erdgeschoss sind auch die Rahmen und Profile der Schiebefenster in dem charakteristischen gelben Farbton des Gebäudes matt pulverbeschichtet.
Ressourcenschonende Sanierung
Bei der Sanierung von Haus 1 lag der Fokus auf einer ausgewogenen Kombination von Ästhetik und Nachhaltigkeit. Den Planenden war es daher wichtig, möglichst viele Teile der bestehenden Struktur zu erhalten und biobasierte Baustoffe sowie Materialien mit hohem Recyclinganteil zu verwenden. Die Sanitäranlagen erhielten wassersparende WCs und sollen zukünftig mit Regenwasser aus einer geplanten Regenwassersammelanlage gespült werden. Um den Energieverbrauch für Gebäudekühlung und Strom zu minimieren, wurde außenliegender, beweglicher Sonnenschutz installiert und die gesamte Beleuchtung auf energieeffiziente LED-Systeme umgerüstet. -sms
Bautafel
Architektur: MVRDV Architekten, Rotterdam; Hirschmüller Schindele Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Drees & Sommer, Berlin (Tragwerksplanung und Fassadenplanung); Harris Bugg Studio, Exeter, Großbritannien (Landschaftsarchitektur); HATI, Berlin (Sanitär und Regenwasser); Brandschutz Plus+ Eberl-Pacan Brandschutzplaner, Berlin (Brandschutz); Transsolar Energietechnik, Stuttgart (Energieplanung); Büro Happold, Berlin (Gebäudetechnik); Metallbau Weinmann, Friedrichsdorf (Metallbau); Zimmerei & Dachdeckerei Quappe, Blankenfelde-Mahlow (Dachplanung); Deltalight, Übach-Palenberg (Lichtplanung); Ingenieurbüro Axel C. Rahn, Berlin (Bauphysik); Solarlux, Melle (Hersteller: Schiebefenster Cero III, Glas-Faltwand-System Ecoline)
Bauherr*innen: Fabrix, London
Standort: Oberlandstraße 26-35, 12099 Berlin
Fertigstellung: 2023
Bildnachweis: Schnepp Renou, Berlin; Lukas Drobny, Berlin (Fotos); MVRDV Architekten, Rotterdam (Pläne)
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