Atelier für Architekturfotografie in Stadt Blankenberg
Panoramablick über die Siegaue
Der Name Hans Georg Esch ist in der Architekturwelt seit Jahrzehnten bekannt. Der deutsche Fotograf und Filmemacher dokumentiert Bauwerke auf der ganzen Welt – von ikonischen Hochhäusern über sakrale Bauten bis hin zu Innenausstattung und Designobjekten. In Stadt Blankenberg, rund 50 Autominuten südöstlich von Köln, richtet sich Eschs Linse auf ein Bauwerk, das ihm besonders nahesteht: sein eigenes Atelier für Architekturfotografie, entworfen vom Kölner Büro Nebel Pössl Architekten. Durch seine Materialität, die gezielt gesetzten Fensteröffnungen mit Blickbezügen zur umliegenden Natur sowie das an die Topografie angepasste Gebäudevolumen fügt sich der Neubau behutsam in die gewachsene Dorfstruktur ein.
Grundstück mit Hanglage
Hoch über dem Naturschutzgebiet der Siegaue gelegen, eröffnen sich im Ort eindrucksvolle Ausblicke über die weitläufige, naturbelassene Flusslandschaft der Sieg. Der Hennefer Stadtteil zeichnet sich durch seine geschichtsträchtige Bausubstanz aus. Eine Burgruine, Teile der mittelalterlichen Befestigung sowie erhaltene Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert prägen das Ortsbild. Entlang der Attenberger Straße, wo das neue Atelier für Architekturfotografie entstand, reiht sich ebenfalls eine Folge historischer Wohn- und Hofgebäude. Das schmale, am Hang gelegene Grundstück erwies sich dabei als Glücksfall: Es grenzt unmittelbar an das frühere Atelier des Fotografen – ein mittlerweile zu kleines Fachwerkhaus.
Die Kamera als Leitmotiv
Der Entwurf des Ateliergebäudes basiert auf dem Wunsch des Bauherrn, die im Inneren entstehende Fotokunst auch in der Architektur sichtbar werden zu lassen. Dieses Konzept zeigt sich in der Gliederung des Baukörpers, der sich in drei gestaffelten Abschnitten hangabwärts entwickelt und in seiner Silhouette an eine historische Balgenkamera erinnert. An der Nordfassade, dem breitesten und höchsten Punkt des Gebäudes, öffnet sich das Atelier mit einer zweigeschossigen Glasfront zur Talseite. In Anlehnung an ein Objektiv rahmt das großflächige Panoramafenster den Blick in die Landschaft und integriert die Umgebung visuell in den Innenraum.
Fassadengestaltung und Energiekonzept
Charakteristisch für den Neubau ist das massive Bruchsteinmauerwerk aus bergischer Grauwacke, das ihm eine robuste Präsenz verleiht und zugleich einen klaren Bezug zur regionalen Bauweise herstellt. In die geschlossene Gebäudehülle sind gezielt horizontale und vertikale Fensteröffnungen unterschiedlicher Größe eingeschnitten. Mit ihren Eichenholzrahmen setzen sie warme Akzente zwischen den grau-bräunlichen Natursteinen, strukturieren die Fassade und leiten das Tageslicht kontrolliert in die Innenräume. Die tiefen Laibungen erinnern an Öffnungen historischer Burganlagen.
Eine zusätzliche Verbindung zum Ort schafft das intensiv begrünte Dach. Es greift die Vegetation der Umgebung auf, führt die Landschaft auf architektonischer Ebene fort und trägt sie über drei Gebäudeabschnitte und das vorgelagerte Carport in den Ort hinein. Neben dem gestalterischen Aspekt trägt die Begrünung zur Verbesserung des Mikroklimas bei und unterstützt das nachhaltige Energiekonzept des Bauwerks. Dieses umfasst die Nutzung von Geothermie über eine Wärmepumpe, eine Aufdach-Photovoltaikanlage, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sowie die Sammlung und Verwendung von Regenwasser.
Ebenenspiel im Innenraum
Die Innenraumgestaltung folgt einem offenen Raumkonzept in Split-Level-Bauweise. Der Open-Office-Bereich erstreckt sich über mehrere, leicht versetzte Ebenen und schafft so räumliche Vielfalt bei gleichzeitiger visueller Verbindung. Bereits im Eingangsbereich auf Ebene 0 ergeben sich Sichtbezüge sowohl zur tieferliegenden Arbeitsebene als auch zum über eine Treppe erreichbaren, höher gelegenen Arbeitszimmer des Fotografen. Treppenstufen, Fußboden und Möblierung sind wie die Fensterrahmen aus Eichenholz gefertigt und schaffen eine warme und freundliche Atmosphäre.
Maximale Transparenz
Durch die zweigeschossige Panoramafassade kann das Tageslicht ungehindert in den Innenraum einströmen und diesen gleichmäßig ausleuchten. Zum Einsatz kamen Schiebefenster der Linie cero III von Solarlux. Das filigrane System ist 70 Zentimeter in das Gebäude zurückversetzt und nimmt damit auch an dieser Stelle Bezug auf die traditionelle Bauweise der Region. Aufgrund der Nordausrichtung der Glasfassade war kein zusätzlicher Sonnenschutz erforderlich. Das hochwärmegedämmte Aluminiumsystem mit Dreifachverglasung verfügt über einen umlaufenden Flügelrahmen von lediglich 34 Millimetern Breite. Die schlanken Profile ermöglichen einen Glasanteil von bis zu 98 Prozent.
Großformatige Verglasung mit leichtgängiger Lauftechnik
Grundsätzlich sind bei der cero-Baureihe Elementgrößen mit Flügelhöhen bis zu 6,5 Meter und Flügelbreiten bis zu 5 Meter realisierbar. Die maximale Elementfläche ist jedoch auf 15 m² begrenzt. Im Gartengeschoss erreicht die Schiebefensteranlage eine Breite von etwa 5,70 Metern und eine Höhe von rund 3,30 Metern. Auf einer dreispurigen, flächenbündig in den Boden eingelassenen Lauf- und Führungsschiene können zwei Fensterflügel nach links bewegt und vor einem Festelement geparkt werden. Obwohl jedes Element bei einer Größe von etwa 1,90 x 3,20 Metern rund 400 kg wiegt, lässt sich die Anlage dank der präzisen Edelstahl-Laufwagen- und Schienentechnik leichtgängig und verschleißarm bedienen. Für erhöhten Einbruchschutz sorgt die zusätzliche Ausstattung nach Widerstandsklasse RC3 in Verbindung mit einer Verschlussüberwachung.
Gläserne Brüstungen im Obergeschoss
Auch im Obergeschoss kommt ein cero-Schiebefenster mit drei Elementen derselben Abmessung zum Einsatz. Das mittig angeordnete Festelement ermöglicht es, die beiden seitlichen Flügel nach innen zu verschieben und dort zu parken. Der Einbruchschutz wird hier durch die Ausstattungsvariante RC3N mit Verschlussüberwachung gewährleistet.
Als Absturzsicherung vor den großflächigen Öffnungen lieferte und montierte Solarlux das Ganzglas-System Onlevel Skyforce Side mit flachem, nahezu unsichtbarem Kantenschutz. Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass die Brüstungsgläser aus Verbundsicherheitsglas seitlich lediglich von zwei schmalen Einfassprofilen gehalten werden. Sie liegen in der Rahmenebene der cero-Schiebefenster, sodass die Bautiefe der Fensteranlage unverändert bleibt und die Transparenz der Fassade vollständig erhalten wird.
Bautafel
Architektur: Nebel Pössl Architekten, Köln
Projektbeteiligte: Thomas Nebel, Erich Pössl, Bork Schiffer, Carmen Weichenhain (Projektteam); Tragwerk Ingenieure, Rösrath (Bauleitung); Solarlux, Melle (Hersteller: Schiebefenster cero III)
Bauherr*in: Hedwig Esch, Hennef-Stadt Blankenberg
Fertigstellung: 2023
Standort: Attenberger Straße 1, 53773 Hennef-Stadt Blankenberg
Bildnachweis: HGEsch Photography; Solarlux, Melle (Fotos); Nebel Pössl Architekten, Köln (Pläne)
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