Aquabox in Stuttgart
Drei Standorte, ein mobiles Hallenbad
Städte und Kommunen müssen dem Sanierungsbedarf ihrer Hallenbäder aus den letzten Jahrzehnten begegnen. Während mancherorts Schwimmbäder über Jahre hinweg ihren Betrieb einstellen, kann die kürzlich eröffnete Aquabox in Stuttgart nacheinander in mehreren Stadtteilen zum Einsatz kommen und den Badebetrieb für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit aufrechterhalten. Das Konzept für das Projekt in Holzmodulbauweise entwickelte Pool out of the BOX; sie übernahmen auch die Realisierung als Gesamtunternehmerin. Die Architektur stammt vom Stuttgarter Büro 4a Architekten und für den Holz- und Modulbau zeichnen Blumer Lehmann verantwortlich. Seit dem Frühjahr 2026 ist das Schwimmbad eines von 37 offiziellen IBA-Projekten – der Internationalen Bauausstellung, die 2027 in Stuttgart stattfindet.
Die Besonderheit des Projekts liegt in der Holzbauweise, im Rückbau und der Wiederverwendung des Hallenbads. Es ist von Anfang an für gleich mehrere Standorte konzipiert: Während Vorgängerbauten saniert oder neu gebaut werden, kommt es als temporärer Ersatzbau in Stuttgart-Zuffenhausen und Möhringen zum Einsatz, bis es in Untertürkheim seinen dauerhaften Zielstandort findet und so den Bedarf an innerstädtischen Wasserflächen schließt.
Zwischen funktionalem Anspruch und Wohlfühl-Atmosphäre
Das rechteckige Gebäude erstreckt sich über zwei Geschosse, bestehend aus 46 Holzmodulen und ergänzenden Bauteilen in Elementbauweise, die unterschiedliche Funktionen aufnehmen. Im Erdgeschoss liegen die Technikzentrale und Räume für Personal. Besucher*innen gelangen über den Eingangsbereich ins Obergeschoss. Hier befinden sich die Kasse, Umkleiden, Sanitärbereiche und das 25-Meter lange Schwimmbecken mit fünf Bahnen und einem Teilhubboden, der unterschiedliche Wassertiefen ermöglicht. Die Badehalle ist offen und lichtdurchflutet gestaltet: Eine Vielzahl an quadratischen Öffnungen gewährt Ausblicke ins Grüne. Zusätzliches Licht fällt von oben ein. Sichtbare Holzoberflächen verleihen der Halle Wärme und verweisen zugleich auf die Konstruktion des Gebäudes.
Kurze Wege, klar gegliederte Raumfolgen und kräftige Farben erleichtern die Orientierung. Das von außen erkennbare Orange im Eingangsbereich setzt sich im Inneren an der Treppe fort. Grün-, Blau- und Orangetöne begleiten die Besucher*innen durch Umkleidebereiche und Badehalle. Akustisch wirksame Deckenelemente greifen die Farbigkeit auf, beleben den Raum und verbessern zugleich die Raumakustik.
Fügungsprinzip und konstruktive Details
Neben hohen konstruktiven und atmosphärischen Ansprüchen galt es, die räumlichen, funktionalen, technischen und bauphysikalischen Anforderungen, wie hohe Luftfeuchtigkeit und die chlorhaltige Atmosphäre eines Hallenbadbaus, zu berücksichtigen und im Sinne des modularen Holzbaus zu entwickeln. Die komplexen Anforderungen mussten zudem mit Vorfertigung, Rückbaubarkeit und Wiederaufbau in einem durchgängigen System verbunden werden. Gerade an den Übergängen zwischen den Modulen waren Geschick und Einfallsreichtum gefragt, da diese dauerhaft luft- und wasserdicht funktionieren, gleichzeitig aber lösbar sein müssen, um einen späteren Rückbau reibungslos zu ermöglichen. Das Fügeprinzip bleibt unmittelbar nachvollziehbar: Fugen und unterschiedliche Grautöne der Holzbekleidung sind sichtbar und zeichnen das Modulraster an der Fassade nach.
Die Holzmodule entstanden im deutschen Werk des Holzbauspezialisten Blumer Lehmann als vorgefertigte Raumeinheiten. Neben tragenden Bauteilen wurden bereits Teile der technischen Installationen integriert, bevor die Module auf die Baustelle transportiert und montiert wurden. Der hohe Vorfertigungsgrad reduzierte die Bauzeit auf neun Monate.
Zusätzlich zur Modulbauweise für die Funktionsbereiche wurde die eigentliche Badehalle als modularer Elementbau ausgeführt. Großformatige Brettschichtholzträger mit Spannweiten von mehr als 19 Metern bilden die Tragstruktur des Hallendachs. Dachelemente aus Brettsperrholz mit Akustikverkleidung sowie vorgefertigte Wandbauteile werden auf der Baustelle montiert und mit den Modulen verbunden.
Auf Holzkonstruktion schwimmen
Das Herzstück – das 25 Meter lange Edelstahlbecken – besteht aus vorgefertigten Segmenten, die auf der Baustelle zusammengeschweißt wurden. Im gefüllten Zustand wiegt das Becken rund 770 Tonnen. Um diese Lasten sicher aufzunehmen, entwickelte das Team eine spezielle Tragkonstruktion aus Brettsperrholzelementen. Wandartige CLT-Träger bilden ein räumliches Tragwerk, das die enormen Kräfte kontrolliert in die Gründung ableitet – eine spätere Demontage musste auch hier mitgedacht werden.
Darüber hinaus erforderte die Gebäudetechnik besondere Lösungen:
Lüftungsanlagen, Filtertechnik, Heizungssysteme und
großdimensionierte Wasserleitungen mussten innerhalb der
vorgegebenen Modulabmessungen untergebracht werden. Die
Verbindungen zwischen den Modulen wurden so entwickelt, dass selbst
Rohrleitungen mit großen Durchmessern auf der Baustelle schnell und
präzise gekoppelt werden können. -st
Bautafel
Architektur: 4a Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: POOL out of the BOX, Heidenheim (Konzept, Generalunternehmerin); Blumer Lehmann, Gossau/CH (Holz- und Modulbau); Kannewischer, Baden-Baden (TGA-Planung); Zeller Bäderbau, Heidenheim (Edelstahlbecken); Wassertechnik Wertheim (Badewassertechnik); A. Lehmann Elektro, Gossau/CH (Elektrotechnik); Georg Fehl & Sohn, Freiensteinau (HLS)
Bauherr*in: Stadt Stuttgart, Eigenbetrieb Stuttgarter Bäder
Standort: Stuttgart-Zuffenhausen; geplant: Möhringen und Untertürkheim
Fertigstellung: 2026
Bildnachweis: David Matthiessen; Blumer Lehmann, Yannik Michael; PottB, Tom Bloch; PootB, Joachim Maier; 4a Architekten; IBA'27, Niels Schubert (Fotos); 4a Architekten (Pläne)
BauNetz Architekt*innen
Bauwerke zum Thema
BauNetz Wissen Wasserkreislauf sponsored by:
ACO GmbH
Am Ahlmannkai
24782 Büdelsdorf
Tel. +49 4331 354-700
www.aco.de