Am Grünen Bogen in Hannover

Neue Typologie für das Stadtquartier Kronsrode

Im Südosten der Stadt Hannover wird derzeit das größte Neubaugebiet Niedersachsens fertiggestellt. Das Stadtquartier trägt den Namen Kronsrode und ist eine Erweiterung des Stadtteils Bemerode, der mehrheitlich von Zeilen- und Reihenhäusern und einer landschaftlichen Umgebung geprägt ist. Das 53 Hektar große Gebiet ist in 37 Baufelder unterteilt, auf denen rund 4.000 Wohneinheiten entstehen. Für das Baufeld B4 zeichnet das ortsansässige Architekturbüro Jabusch und Schneider verantwortlich, das 2019 den Wettbewerb für sich entscheiden konnte. Sein Entwurf Am Grünen Bogen vereint verschiedene Gebäudetypologien und nimmt auf diese Weise die markante Form des Grundstücks wieder auf.

Mit ihrem Entwurf für das Baufeld B4 rundet Jabusch und Schneider das neue Quartier ab und setzt eine klare Zäsur zur landschaftlichen Umgebung.
Während der bogenförmige Baukörper das Grundstück südöstlich mit einer klaren Kante abschließt, lösen die nordwestlich anliegenden Stadthäuser die Bebauung auf.
Am Bogen-Haus betonen farblich abgesetzte Mauerwerksbänder die Horizontale der langen Gebäudefigur, die an Wohnbauprojekte aus den 1920er- und 30er-Jahren im Stil der Neue Sachlichkeit erinnert.

74 Jahre Planungsgeschichte

Für die Realisierung des Quartiers stellten die Stadt- und Landschaftsplaner WEST 8, das Architekturbüro ASTOC und die Verkehrsplaner SHP Ingenieure gemeinsam mit der Stadt Hannover ein Gestaltungshandbuch zusammen, in dem Parameter für die Planung definiert wurden. Bereits in den 1950er-Jahren gab es erste Pläne zur Bebauung des etwa sechs Kilometer langen Kronsbergs am südöstlichen Rande der Stadt; vier Jahrzehnte später wurden dieselben Pläne von Grund auf überarbeitet und im Rahmen der EXPO 2000 im nördlichen Teil des mehrteiligen Stadtentwicklungsgebiets umgesetzt. Der Bebauungsplan für den südlichen Bereich des Gebiets entstand achtzehn Jahre später. Die Fertigstellung des Stadtquartiers soll im Jahr 2024 erfolgen.


Geometrie und das Baufeld B4

Der Entwurf von Jabusch und Schneider antwortet auf die gebogene Form des Baufeldes, welches den Abschluss zur landschaftlichen Umgebung bildet. Ein durchgehender, ebenfalls gebogener Baukörper betont den Abschluss und definiert somit den Blockrand. Die Gebäudeform orientiert sich dabei an der vorgegeben städtebaulichen Grundfigur aus der Bebauungsplanung. Das Baufeld wurde in drei Bauabschnitte geteilt, die mit verschiedenen Gebäude- und Wohntypen bespielt werden. Neben dem viergeschossigen „Bogen“, der insgesamt 91 Wohneinheiten und eine Tiefgarage umfasst, entstehen 30 weitere Wohneinheiten sowie eine Kindertagesstätte im „Winkel-Haus“; hinzu kommen zwölf Stadthäuser. Diese Gebäudetypen wurden durch den Bauträger und die Stadt Hannover festgelegt und sowohl als Soziale- sowie Eigentumswohnungen geplant. Die Anforderungen an die Planung der geförderten Wohnungen beschränkten sich dabei auf die Erfüllung des Anteils von 27 Prozent und die Einhaltung der maximalen Wohnungsgrößen für sozialen Wohnungsbau.

Unterschiedliche Gebäudefiguren bilden eine Einheit

Während der Bogen das Grundstück südöstlich mit einer klaren Kante abschließt, sorgen die nordwestlich anliegenden Stadthäuser für die Auflösung der Bebauung. Der Winkel bildet den südwestlichen Abschluss, der in einem schrägen Blockrand mündet und so den Weg in die gemeinsame Mitte eröffnet. Trotz ihrer unterschiedlichen Typologien vereint die einheitliche Fassadengestaltung aus vorgesetzten Vollklinker-Fertigteilen in Rot-, Grau-, Braun- und Beigetönen das Ensemble. Am Bogen-Haus betonen farblich abgesetzte Mauerwerksbänder die Horizontale der langen Gebäudefigur, die an Wohnbauprojekte aus den 1920er- und 30er-Jahren im Stil der Neue Sachlichkeit erinnert.

Die gesäumte Grünfläche im Zentrum des Grundstücks schafft gemeinsame Aufenthaltsräume und Platz für den integrierten Kindergarten. Ihre organische Gestaltung lässt eine dynamische Mitte mit öffentlichen und privateren Flächen entstehen. Auch die Dächer der Neubauten wurden mit extensiven Grünflächen versehen.

Kalksandstein-Plansteine für Gerade und Bogen

Bei der Konstruktion entschieden sich Verantwortlichen für großformatige Plansteine aus Kalksandstein mit einer Höhe von 498 mm oder 623 mm und einer Breite von 1.000 mm, die bedarfsgerecht auf die Baustelle angeliefert wurden. Ausschlaggebend für die Materialwahl waren die Langlebigkeit und schalldämmenden Eigenschaften des weißen Mauersteins, die die Erfüllung der Schallschutzanforderungen im Wohnungsbaus auch ohne zusätzliche Maßnahmen ermöglichen. Vor Ort benötigte es lediglich ein bis zwei Fachkräfte, um die Elemente mithilfe eines Versetzkrans zu vermauern. Auch die Radien der gebogenen Zeile konnten mit KS-Planelementen realisiert werden. Nur in wenigen Bereichen, wie beispielsweise der Loggien im 3. Obergeschoss, musste traditionell gemauert werden. Brüstungen, Balkonbauteile und die Ziegel-Riemchen zur Verkleidung der massiven Konstruktion wurden in Fertigteilbauweise hergestellt und vorgefertigt zur Baustelle transportiert.

Bautafel

Architektur: Jabusch + Schneider Architekten + Stadtplaner, Hannover'
Projektbeteiligte: KS-Original, Hannover (Kalksandstein; Produkt: KS-Plus)
Bauherr*in: Meravis Wohnungsbau & Immobilien, Hannover
Fertigstellung: 2024
Standort: Am grünen Bogen, 30539 Hannover
Bildnachweis: Olaf Mahlstedt / KS-Original

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