Adaptive Re-Use

Adaptive Re-Use

Maren Harnack, Natalie Heger, Matthias Brunner (Hrsg.)

Strategies for Post-War Modernist Housing
Jovis Verlag, Berlin 2020
144 Seiten, 60 farb. und s/w Abb., Format 16,5 × 24 cm, broschiert, englisch

Preis: 29,80 EUR

ISBN 978-3-86859-611-3

Freie Flächen als Ressourcen für den Wohnungsbau werden immer knapper – nicht nur in Deutschland. Auch in den europäischen Nachbarländern mangelt es an bezahlbarem Wohnraum. Siedlungen „auf der grünen Wiese” sind keine zukunftsweisende und tragfähige Entwicklungsoption mehr. Will man Zersiedelung minimieren und Innenentwicklung fördern, scheinen Wohnsiedlungen der Nachkriegszeit prädestiniert für Nachverdichtung, denn das Eigentum liegt meist in den Händen weniger Wohnungsbaugesellschaften, die auch sozialen Wohnungsbau betreiben.

Anhand europäischer Fallbeispiele aus der Zeit von 1945-75 thematisiert das Buch Adaptive Re-Use Strategien zur Weiterentwicklung von Nachkriegssiedlungen. In den Beiträgen wird aufgezeigt, wie sich Wohnsiedlungen verschiedener europäischer Länder denkmalpflegerisch bewahren und dabei heutigen Anforderungen anpassen lassen. Kleine Einzelprojekte (wie in Helsinki), große Wohnsiedlungen wie die Neue Vahr in Bremen (an der u.a. Ernst May mitwirkte) und prominente Anlagen wie der Bouça Housing Complex von Alvaro Siza zeigen ganz unterschiedliche Lösungen.

Dargelegt werden jeweils die Historie, der Kontext der Entstehung sowie die individuelle Problemstellung und -lösung. Bei der Neuen Vahr in Bremen zum Beispiel geht es um die Eigentümer (die Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA), den größeren Maßstab und ein künftiges Leitbild für die Entwicklung des Areals. Eine alleinige Betrachtung der Einzelgebäude war keine Perspektive, auch wenn diese weiterhin für Jahrzehnte ihre Grundfunktion – das Wohnen – problemlos hätten erfüllen können. Mit einem interdisziplinären Team aus Stadtplanern, Architektinnen, Landschafts- und Verkehrsplanern entstand u.a. mit der Beteiligung renommierter Büros wie COBE aus Berlin ein Gesamtkonzept, basierend auf detaillierten Untersuchungen, Studien und Erfahrungswerten aus anderen internationalen Projekten.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der konzeptionelle Umgang, die Weiterentwicklung für die Zukunft unter Beachtung der individuellen Historie. Die Beiträge sind fundiert, die geschichtlichen Hintergründe spannend und ebenso die Perspektiven, die mit den Planungsstudien für die Projekte aufgezeigt werden. Aufbau und Layout sind angenehm schlicht. Einziges mögliches Manko: Das Buch ist nur auf Englisch erhältlich.

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