Actionsportzentrum München

Revitalisierung der Eggenfabrik in Pasing

Wo früher landwirtschaftliche Geräte produziert wurden, fliegen heute Skateboards, BMX-Räder und Rollstühle durch die Luft. Mit dem Umbau einer stillgelegten Industriehalle zum Actionsportzentrum hat die Landeshauptstadt München gezeigt, wie sich Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und soziale Inklusion im Bestand vereinen lassen.

Historischer Bestand und zeitgemäße Sportnutzung ergänzen sich symbiotisch.
Eine neue Galerie aus gelb lackiertem Stahl fügt sich als zweite Ebene in das historische Volumen ein.
Die freigelegte Stahlkonstruktion blieb erhalten und wurde grün beschichtet.

Anstatt neu zu bauen, entschied sich das Referat für Bildung und Sport gemeinsam mit Behnisch Architekten für die Revitalisierung der ehemaligen Eggenfabrik in Pasing. Das Ergebnis ist ein offener Ort für Bewegung, Begegnung und Teilhabe – eine Halle, die urbane Sportkultur mit Klimaschutz verbindet.

Die um 1900 errichtete Eggenfabrik war über Jahrzehnte ungenutzt, bevor sie im Rahmen eines partizipativen Planungsprozesses neu belebt wurde. In Workshops mit künftigen Nutzenden, Vereinen und Jugendlichen entstand ein Konzept, das sowohl den Bedarf an wetterunabhängigen Trainingsflächen als auch den Wunsch nach einem barrierefreien Begegnungsort erfüllte. Betreiber ist der Verein High Five, der sich seit Jahren für inklusive Jugendarbeit einsetzt und mit Angeboten wie Wheelchair Skating und BMX-Fahren frischen Wind in die Münchener Sportförderung bringt.

Vom Industriegebäude zur inklusiven Sportarena

Der Hallenbau an der Bahnlinie war einst Produktionsstätte landwirtschaftlicher Geräte. Die charakteristische Stahlkonstruktion mit genieteten Fachwerken und großformatigen Fensteröffnungen in den Giebelfassaden blieb erhalten und prägt auch nach dem Umbau den Raumeindruck. Lediglich das Dach musste aus statischen Gründen ersetzt werden. An seiner Stelle entstand eine Kassettendecke aus vorgefertigten Holzelementen, die den Bestand entlastet und zugleich eine verbesserte Wärmedämmung bietet. Die Tragstruktur wurde freigelegt, gereinigt und in einem kräftigen Grünton beschichtet, der an die industrielle Vergangenheit der Halle erinnert.

Im Innenausbau setzt sich das Prinzip des respektvollen Weiterbauens fort. Anstelle tiefgreifender Eingriffe entstanden additive, reversible Einbauten: Eine neue Galerieebene aus leuchtend gelbem Stahl schiebt sich in die Längsachse der Halle und dient als Zuschauer- und Veranstaltungsbereich. Unterhalb dieser Plattform befinden sich neben Aufenthaltszonen und Stauraum auch Zugänge. Entlang der Seitenwände ergänzen gelb ausgekleidete Sitz- und Stauraumbereiche die Sportfläche. Das Zusammenspiel der satten Farben bildet ein klares visuelles Konzept und vermittelt Energie und Leichtigkeit.

Mit einer Bruttogrundfläche von 8.670 Quadratmetern – davon rund 1.460 Quadratmeter im ersten Bauabschnitt – bietet das Zentrum ausreichend Raum für vielfältige Nutzungen. Die eigentliche Skatehalle nimmt rund 1.000 Quadratmeter ein. Hinzu kommen Flächen für Technik und eine Galerieebene.

Natürlich belüftet und solar betrieben

Ein zentrales Anliegen der Planung war die Reduktion technischer Systeme auf das Wesentliche. Die Halle nutzt ihre Raumhöhe und das große Luftvolumen für ein sensorisch gesteuertes, natürliches Lüftungssystem. Frischluft strömt über bodentiefe Zuluftklappen ein, während die Abluft über automatisch öffnende Oberlichter abgeführt wird und deshalb auf eine mechanische Lüftungsanlage verzichtet werden konnte.

Eine begrünte Westfassade verbessert das Mikroklima, während ein mobiler Sonnenschutz an der Südfassade den sommerlichen Wärmeeintrag mindert. Für zusätzliche Beschattung und obendrein Energiegewinnung sorgen Photovoltaik-Gläser im Oberlichtband. Die Module lassen diffus Tageslicht durch, reduzieren den Wärmeeintrag und erzeugen zugleich Strom. Ergänzend wurde die Halle thermisch saniert, an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen und mit Heiz- und Kühldeckensegeln ausgestattet. 

Funktionale Erweiterung mit flexiblen Elementen

Da das Raumprogramm über den geschlossenen Hallenraum hinausgeht, wurden dienende Funktionen in temporären Containermodulen untergebracht. Sie beherbergen Sanitäranlagen, Umkleiden und ein kleines Café mit Terrasse. Ihre farbenfrohe Gestaltung durch Street-Art-Künstler*innen setzt einen lebendigen Akzent. Die Container können im geplanten zweiten Bauabschnitt flexibel versetzt werden.

Auch die Freiflächen wurden integrativ gedacht. Der Vorplatz öffnet sich zum Quartier und bietet Sitz- und Begegnungszonen. Die Fläche des zweiten Bauabschnitts dient bis zur Erweiterung als naturnahe Bewegungslandschaft mit wellenförmiger Topografie, Basketballfeld und begrünten Aufenthaltsbereichen. Das Regenwassermanagement folgt dem Schwammstadt-Prinzip, sodass sämtliche Niederschläge vor Ort versickern können.

Weiterbauen in Phasen

Perspektivisch soll der Standort um weitere Nutzungen ergänzt werden. Für einen zweiten Bauabschnitt sind eine Parkour-Anlage, eine Skate-Bowl, eine Dirtbike-Jump-Line und ein Café mit Terrasse vorgesehen – ein polygonaler Kuppelbau, der in Holzhybridbauweise realisiert wird. Der laufende Betrieb der Halle bleibt dabei uneingeschränkt möglich. Diese Phasenstrategie ermöglicht es, Nutzung, Bau und Weiterentwicklung in einem kontinuierlichen Prozess zu vereinen – ein Leitbild, das auch für andere Kommunen Modellcharakter haben könnte.

Bautafel

Architektur: Behnisch Architekten, Boston, München, Stuttgart und Weimar 
Projektbeteiligte: Ingérop Deutschland, München (Projektsteuerung); Behringer Beratende Ingenieure, München (Tragwerk); ALN, Architekturbüro Leinhäupl + Neuber, Landshut (Objektüberwachung); Frey Donabauer Wich, Gaimersheim (HLS); W-Plan Ingenieurbüro, Unterhaching (Elektro); Müller BBM, München (Bauphysik); Brandschutz Consulting, München (Brandschutz); Roos Landschaftsarchitektur, München (Landschaftsarchitektur); Landskate, Köln (Sportfachplanung)
Bauherrin: Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport, Baureferat
Standort: Angela-von-den-Driesch-Weg 9, 81245 München
Fertigstellung: 2024 (1. Bauabschnitt), 2. Bauabschnitt geplant
Bildnachweis: David Matthiessen (Bilder) / Behnisch Architekten (Pläne)

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