A111 Office in Barcelona

Begrünte Arbeitsumgebung

Die Arbeitswelt verändert sich und das wirkt sich auch auf das Stadtbild aus. Ein neuer Bürokomplex in Barcelona verbindet flexible Arbeitsräume im Stadtzentrum mit viel Grün: Der Neubau A111 Office von Batlleiroig fördert die urbane Biodiversität und schafft eine Verbindung von der introvertierten Arbeitswelt zur Vegetation. Das Gebäude wurde 2022 im Technologie- und Innovationsviertel 22@Barcelona fertiggestellt und erweitert das ehemalige Gelände der Fabrik Galletas Viñas, wo es mit dem historischen Gebäude des Industriekomplexes koexistiert.

Tiefliegende Terrassen mit üppiger Bepflanzung zieren die Gebäudeecken.
Die oxidierte Kupferfassade und die Begrünung ergeben ein harmonisches Farbspiel.
Die Fassade zeichnet sich auch durch ein besonderes Lamellensystem aus.

Batlleiroig ist ein in Barcelona ansässiges Planungsbüro, das für seine zukunftsweisenden und nachhaltigen Projekte an der Schnittstelle von Architektur und Landschaftsplanung in Spanien und Europa bekannt ist. Zu ihren bemerkenswerten Projekten zählt unter anderem die Landschaftsrestaurierung der ehemaligen Mülldeponie Garraf in Barcelona.

Viertel für digitales Leben und Arbeiten

22@Barcelona ist der kommerzielle Name für ein Stadterneuerungsgebiet im ehemaligen Industriegebiet von Poblenou. Das Viertel wurde im 19. Jahrhundert aufgrund seiner vielen Produktionsstätten auch als das „katalanische Manchester“ bezeichnet. Ziel der Stadtverwaltung ist es, das Quartier in ein technologisches Innovationsviertel umzuwandeln und zugleich Freizeit- und Wohnräume zu schaffen. Der Stadtumbau südöstlich des bekannten Plaça de les Glòries Catalanes ist eines der größten städtebaulichen Erneuerungsprojekte Europas, das bereits in den 2000er Jahren begann.

Angesichts der tiefgreifenden Transformation des Viertels von einem historischen Industriegebiet zu einer auf die digitale Wirtschaft ausgerichteten Umgebung wählte Batlleiroig einen Gestaltungsansatz, der die Verbindung zur Geschichte des Ortes bewahrt und gleichzeitig Nachhaltigkeitsaspekte und eine Anbindung an den öffentlichen Raum betont.

Schlichte Gestaltung

Das sachlich gehaltene Design soll das Bürohaus unauffällig in die Umgebung einfügen. Die Fassade aus oxidiertem Kupfer erinnert an Backstein und harmoniert mit dem noch existierenden historischen Gebäude des ehemaligen Fabrikkomplexes. Ein besonderes Lamellensystem ziert die Fassade und dient dabei nicht nur ästhetischen, sondern auch funktionalen Zwecken: Die Anordnung der Lamellen variiert in Abhängigkeit von der Ausrichtung des Gebäudes und bietet optimalen Sonnenschutz in den Innenräumen. An den beiden Gebäudeecken integrierten die Planenden tiefliegende Terrassen, die mit ihrer Bepflanzung das strenge Erscheinungsbild des Gebäudes auflockern.

Die Gestaltung des Erdgeschosses verbindet den öffentlichen mit dem privaten Raum. Eine frei zugängliche Durchgangspassage zwischen den zwei Volumen des Gebäudes schafft diese räumliche Verbindung. Der überdachte, 30 Meter lange Raum mit einer Höhe von 5 Metern dient als Übergang zu den Büros. Zugleich ist er ein klimatischer Rückzugsort, der Platz für verschiedene Aktivitäten bietet. Großflächig verglaste Fenster ermöglichen eine Sichtverbindung zwischen Außen- und Innenraum und stärken das Gefühl von Transparenz und Sicherheit auf der Straße.

Die Innenräume zeichnen sich durch offene Grundrisse aus. Um die Büroflächen möglichst flexibel zu gestalten, sind die tragenden Stützen entlang der Fassade positioniert und schaffen eine innere Spannweite mit einem Stützenraster von jeweils 17,55 Metern. Diese Anordnung ermöglicht räumliche Flexibilität und eine einfache Anpassung an unterschiedliche Arbeitsweisen und -bedürfnisse.

Biophiles Design

Wichtiges Entwurfsziel war es, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutzer*innen des Bürokomplexes zu fördern. Dies soll durch den Einsatz biophilen Designs verwirklicht werden: Biophilie bezeichnet in diesem Zusammenhang die Liebe zur Natur, der Begriff biophiles Design steht für die naturnahe Gestaltung von Innen- und Außenräumen zur Verbesserung des Stadtklimas und der Biodiversität, aber eben auch des menschlichen Wohlbefindens. Denn Pflanzen reduzieren Stress, erhöhen die Produktivität und verbessern den allgemeinen Gesundheitszustand.

Die dezente Begrünung des Office A111 verläuft entlang der Terrassen und der großen gemeinsamen Dachterrasse und schafft eine subtile, aber kontinuierliche Verbindung mit der Natur. Ein großes Wasserbecken im öffentlichen Bereich des Erdgeschosses kühlt das Raumklima ab und wirkt sich im Sinne des biophilen Designs positiv auf die menschliche Psyche aus.

Das Gebäude hat die LEED-Platin- und Wiredscore-Zertifizierung erhalten.

Bautafel

Architektur: Batlleiroig Arquitectura (Enric Batlle Durany, Joan Roig i Duran, Albert Gil Margalef), Spanien
Projektbeteiligte: Clàudia Amías Roget (Landschaftsarchitektur), Yago Cavaller Galí (Gebäudebegrünung und Biodiversität), STATIC Ingeniería (Tragwerksplanung), JSS (Gebäudetechnik), G3 (Bauleitung), Ferrés Arquitectos y Consultores (Planung Fassade)
Bauherr*in: La Llave de Oro
Standort: Barcelona, Spanien
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Antonio Navarro Wijkmark

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Grundlagen

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