1. Internationales Holzbau-Symposium in Berlin: Nachbericht und Aufzeichnung
Eindrückliche Vorträge und angeregte Diskussionen am 20. März 2025
Das von Konrad Wachsmann geplante Sommerhaus für Albert Einstein im brandenburgischen Caputh nannte der emeritierte Professor Schellnhuber als Beispiel für nachhaltige Architektur. Es existiert seit mehr als hundert Jahren und zieht als Ausstellungsort heute Interessierte aus aller Welt an. Der einflussreiche Klimaforscher und ehemalige Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung machte den Auftakt beim 1. Internationalen Holzbau-Symposium am 20. März 2025 in Berlin. In seinem eindrücklichen Vortrag betonte er, wie wichtig die Aufforstung der Wälder sei, aber auch das (Weiter-)Bauen in Holz. Gemeinschaftlich, nachhaltig und schön gelte es zu bauen – auch im Sinne der Initiative Bauhaus Erde. Diese war Mitveranstalter des Symposiums im Axica-Kongresszentrum am Pariser Platz, organisiert von der Fördergesellschaft Holzbau und Ausbau im Auftrag von Holzbau Deutschland und dem Holzbau Deutschland Institut.
Der Wald als CO2-Senke
Dr. Irene Selling vom Verband deutscher Waldbesitzer (AGDW) hob
die positiven Ergebnisse des Bundeswaldagentur (von Anfang Oktober
2024) hervor: Die Biodiversität habe sich ebenso erhöht wie der
Anteil an Laubbäumen und die Strukturvielfalt. Als unrealistisch
bezeichnete sie allerdings die im Klimaschutzgesetz festgelegten
Ziele für den Wald als CO2-Senke, das Geschäftsmodell
der deutschen Forstwirtschaft sei nicht zukunftsfähig.
Problematisch seien zum einen die Kalamitäten, zum anderen wüchse
Laubholz weniger schnell nach und habe einen geringeren
Ertrag.
Gebaute Beispiele und Erfahrungen
Daniel Riedl, Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia stellte Beispiele aus dem Holzbau-Portfolio der Gesellschaft vor, darunter deren Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Gropyus. Annette Hafner, Professorin an der Ruhr-Universität Bochum, forderte, mehr im Quartier zu denken. Und zeigte am Beispiel des Prinz-Eugen-Parks in München, wie sich das Bauen mit Holz auf städtischer Ebene fördern lässt (siehe Tipps zum Thema).
Von persönlichen Erfahrungen berichtete unter anderem der Waldbesitzer Mathias Graf von Schwerin. Er stieß bei den Behörden in Brandenburg auf Ablehnung, als er auf seinem Grundstück ein kleines Sägewerk errichten wollte. Pablo van der Lugt von der Technischen Universität in Delft zeigte Beispiele aus den Niederlanden, aus London (siehe Bauwerke zum Thema) und Paris, die belegen, wie ästhetisch, großstädtisch und fortschrittlich Holzbauwerke sein können – auch in Bezug auf ihre Rückbaubarkeit.
Regelwerke und ihre Sinnhaftigkeit
Professor Stefan Winter von der TU München forderte, die Muster-Holzbau-Richtlinie 2024 schnell und einheitlich in allen Bundesländern einzuführen. Seitens der Planung müsse sichergestellt sein, dass ein Entwurf auch gebaut werde, die Planung also exakt umgesetzt würde. Er sei „über viele Normen superglücklich“, denn diese ermöglichten preiswertes Bauen. Das Deutsche Institut für Normung böte den Rahmen, Expertinnen und Experten entwickeln die Regeln – eine gute Norm bestimmt das „Wie“, der Bauherr bzw. die Behörde entscheidet. Wenngleich es vereinzelt störende Normen gäbe, forderte er: „Schluss jetzt mit dem Normen-Bashing!“. Notwendig sei es, beim Brandschutz die europäische und nicht die nationale Klassifizierung anzuwenden, also „REI statt F und A-E statt A-C“ (siehe Fachwissen zum Thema).
Vergleich Deutschland – Schweiz
Weitere spannende Vorträge mit anregenden Diskussionen im Anschluss folgten. Dabei spielte auch der Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz eine Rolle: Aktuell ist die Schweiz vorbildlich in Bezug auf den Holzbau. Als Gründe wurden die gute Ausbildung genannt, deutlich weniger Vorschriften – allerdings auch eine größere Bereitschaft seitens der Planenden, Verantwortung zu übernehmen. Das gesellschaftliche Risiko bestünde letztlich nicht darin, dass ein Gebäude niederbrenne, so Reinhard Wiederkehr vom Schweizer Verband Lignum, sondern vielmehr im Klimawandel mit einhergehenden Stürmen und Überflutungen.
Dass die aktuelle Holzbaurichtline wirklich ein großer Schritt sei, darüber waren sich viele einig. Nun gilt es, mehr Menschen für Ausbildungsberufe im Holzbau zu gewinnen und Planende zu animieren, in Holz zu bauen. Interessierte können sich die Aufzeichnung des Holzbau-Symposiums auf der Webseite des Veranstalters anschauen (siehe Surftipps). -us
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