Streifenfundamente
Linienförmig gründen – wirtschaftlich, bewährt und vielseitig einsetzbar
Das Streifenfundament gehört zur Gruppe der Flachgründungen und überträgt Lasten aus tragenden Wänden oder eng stehenden Pfeilerreihen linienförmig in den Baugrund. Eine ergänzende Bodenplatte kann, je nach Tragkonzept, lediglich den unteren Gebäudeabschluss bilden oder zusätzliche Lastverteilungs- und Aussteifungsfunktionen übernehmen. Die linienförmige Lastabtragung aus den Wänden erfolgt jedoch über die Fundamentstreifen. Damit zwischen Wand und Erdreich eine ausreichende Aufstandsfläche entsteht, führen Planende das Fundament breiter aus als die darüberstehende Wand oder Stütze. Fundamentbreite, Betongüte und Bewehrung werden in einer statischen Berechnung ermittelt.
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Einsatz, Wirtschaftlichkeit und Bemessung
Streifenfundamente sind die wirtschaftliche Wahl, wenn linienförmige Lasten anfallen und der Baugrund tragfähig und homogen ist. Gegenüber der massiven Fundamentplatte lässt sich Beton sparen und der Erdaushub auf die nötigen Grabenbereiche beschränken. Bei geneigtem Gelände können die Fundamentstreifen gestuft oder terrassiert ausgeführt und größere Erdarbeiten vermieden werden.
Bei schlechten oder inhomogenen Böden stoßen Streifenfundamente jedoch an Grenzen, etwa wenn lokale Setzungsunterschiede Risse im aufgehenden Mauerwerk erzeugen. In solchen Fällen können Fundamentplatten, Bodenverbesserungen oder Tiefgründungen wirtschaftlicher und technisch geeigneter sein. Bei Grenzbebauungen können asymmetrische Fundamentquerschnitte erforderlich werden, da das Fundament nicht über die Grundstücksgrenze hinausragen darf. Die resultierenden Exzentrizitäten müssen konstruktiv und statisch berücksichtigt werden. Ob ein Streifenfundament unbewehrt ausgeführt werden kann, hängt von Geometrie, Lasten und Betonzugspannungen ab. Bei höheren Lasten, größeren Auskragungen oder ungünstigen Baugrundverhältnissen wird eine Bewehrung erforderlich.
Die geotechnische Bemessung erfolgt nach DIN EN 1997: Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik in Verbindung mit DIN 1054: Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1. Nachzuweisen sind unter anderem Grundbruch-, Gleit- und Kippsicherheit. Für die Bemessung des Beton- oder Stahlbetonbauteils gilt DIN EN 1992: Eurocode 2 – Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken.
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Schicht für Schicht: die Ausführung
Die Gründungssohle muss in Deutschland mindestens 80 cm unter der Geländeoberkante liegen, in exponierten Lagen sogar tiefer. Grund ist das hebende Bodenwasser: Gefriert es, kann es das Fundament verschieben oder beschädigen. Bei unbewehrten Fundamenten lässt sich direkt gegen das Erdreich betonieren. Bei bewehrten Konstruktionen wird in der Regel eine Sauberkeitsschicht aus Magerbeton vorgesehen. Sie schafft eine ebene Arbeitsfläche, erleichtert die exakte Lage der Bewehrung und unterstützt die nach Exposition und Ausführung festgelegte Betondeckung.
Als Beton kommen typischerweise Normalbetone der Klassen C20/25 oder C25/30 zum Einsatz, die lagenweise eingebracht und mit der Rüttelflasche verdichtet werden. Bei langen Fundament- und Wandabschnitten sind Bewegungs- oder Gebäudetrennfugen frühzeitig mitzuplanen. Ihre Lage und Abstände richten sich nach Bauwerksgeometrie, Wandbaustoff, Temperatur- und Schwindverhalten sowie den zu erwartenden Setzungen.
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Dauerhaftigkeit: Schutz vor Feuchte
Für die Dauerhaftigkeit ist vor allem der Schutz vor Feuchtigkeit entscheidend. Welche Abdichtungsmaßnahmen nötig sind, hängt von der Wassereinwirkungsklasse nach DIN 18533: Abdichtung von erdberührten Bauteilen ab. Die Bandbreite reicht von einfachem Schutz gegen Bodenfeuchte bis zu aufwendigen Konstruktionen gegen drückendes Wasser. Kapillarsperren zwischen Fundament und Mauerwerk verhindern, dass Feuchtigkeit in die Wand aufsteigt.
Bauphysikalisch stellt das Streifenfundament eine Herausforderung dar: Es durchbricht die Dämmebene unter der Bodenplatte und wirkt ohne Gegenmaßnahmen als geometrische Wärmebrücke – mit dem Risiko von Tauwasserausfall und Schimmelbildung. Bewährte Lösungen sind eine lückenlose Perimeterdämmung der Fundamentflanken bis zur Frostgrenze sowie thermische Trennelemente aus Dämmsteinen am Mauerfuß. Weil Streifenfundamente im Verborgenen liegen und keine Sichtanforderungen erfüllen müssen, eignen sie sich gut für den Einsatz von Recycling-Beton (R-Beton) und CO2-reduzierten Zementen als Beitrag zur ökologischen Transformation im Bauwesen.
In der Praxis schleichen sich immer wieder dieselben Fehler ein. Zu geringe Gründungstiefe führt zu Frostschäden, fehlende Abdichtung zieht Feuchteschäden nach sich. Besonders kritisch ist das eigenmächtige Aufwässern des Betons auf der Baustelle. Zusätzliche Wasserzugabe verändert den Wasserzementwert, mindert Festigkeit und Dauerhaftigkeit, kann Entmischungen begünstigen und den Verbund zwischen Stahl und Beton schwächen. Eine sorgfältige Überwachung der Frischbetonparameter ist deshalb Grundvoraussetzung für ein dauerhaftes Fundament.
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