Zentralbibliothek in Seattle/USA

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Isolierverglasung mit Streckmetalleinlage

Auf den ersten Blick wirkt die Zentralbibliothek in Seattle kaum wie ein öffentliches Gebäude, schon eher wie ein gestrandetes Raumschiff. Architekt Rem Koolhaas setzt den konventionellen Hüllen der ehrwürdigen Institution ein zwölfgeschossiges Glasprisma entgegen. Mit seiner aufregenden Form und einem ausgefeilten Nutzungskonzept soll es nach dem Wunsch des Bauherren neue Besuchergruppen für die Bibliothek erschließen.

Die Fassade zeigt sich als riesiges Rhombengitter. Mit ihren geneigten Trägern sorgt die Stahlkonstruktion für einen markanten Auftritt und dient zugleich dem Schutz bei Erdbeben. 10 000 meist rautenförmige Isolierglaspaneele sind in die Konstruktion eingehängt.

Sonnenschutz
Die meisten Isoliergläser enthalten eine Einlage aus Aluminium-Streckmetall, einem eigens für die Bibliothek entwickelten Produkt. Die Gläser verleihen der Außenhaut einen metallischen Glanz und lassen die Fassade im Sonnenlicht schimmern. Für die Benutzer der Bibliothek schafft das Isolierglas ein weiches Raumlicht in den Lesebereichen und dient als Sonnen- wie als Blendschutz.

Die Verglasung ist semitransparent: Das feinmaschige Perforationsmuster der Einlage ermöglicht einem innen stehenden Betrachter die Durchsicht nach außen und bildet zugleich einen optischen Abschluss für außen stehende Betrachter. Die Streckmetall-Einlage ist nicht nur ein markantes Element der Gestaltung, sondern funktioniert auch als richtungsselektives Tageslichtsystem.

Die Verglasung erreicht beim thermischen Sonnenschutz für hohe Einfallswinkel des Sonnenlichts minimale Werte an den hohen Fassadenabschnitten (g-Wert bis 0,13 für senkrechte Einstrahlung). Der Grund sind die unzähligen, asymmetrisch ausgestellten Metall-Perforationen. Sie wirken als Beschattungselemente in Miniaturform. So ist das Isolierglaspaneel eine visuell und technisch gelungene Synthese von Sonnenschutz und Durchsicht. Entsprechend gestiegener U-Wert-Anforderungen in den USA wird in der Bibliothek überwiegend eine Dreifach-Verglasung verwendet.

Der Aufbau der Scheiben im Detail: Außen sechs Millimeter Einscheibensicherheitsglas ESG, zwei Millimeter Scheibenzwischenraum mit Aluminium-Streckmetalleinlage, teilvorgespanntes Sicherheitsglas TVG sechs Millimeter mit Sonnen- und Wärmeschutzschicht. Je nach Lage des Glases im Gebäude folgen ein Gaszwischenraum mit acht bis zwölf Millimetern und teilvorgespanntes Sicherheitsglas TVG sechs Millimeter oder alternativ ein Verbundsicherheitsglas VSG zwei mal fünf Millimeter, zum Beispiel bei Überkopfverglasung. In die Fassade wurden insgesamt 10 000 Scheiben eingesetzt, die Hälfte davon mit individuellen Scheibenmaßen.

Bautafel

Architekten: Rem Koolhaas, Office for Metropolitan Architecture OMA, Rotterdam
Projektbeteiligte: LMN Architects, Seattle (Projektsteuerung); Seele L.P. Chicago, USA (Fassade), Okalux, Marktheidenfeld (Verglasung und Aluminium-Einlagen)
Bauherr: Seattle Libary
Fertigstellung: 2003
Standort: Seattle
Bildnachweis: Okalux, Marktheidenfeld

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