Hörsaalgebäude in Klosterneuburg

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Schieferplatten schaffen Übergang vom Außen- zum Innenraum

Das Institute of Science and Technology in Klosterneuburg bei Wien bietet Post-Graduierten-Studiengänge in verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern an. Für die Erweiterung der schön gelegenen Campusuniversität konnte die Institutsleitung den Architekten Heinz Tesar gewinnen. Er fügte ein neues Hörsaalgebäude, die Lecture Hall, an das U-förmige Haupthaus von 1880. Das Auditorium mit über 900 m² Bruttogeschossfläche ist für 200 Plätze ausgerichtet und steht direkt an der Westseite des Altbaus. 

Das Foyer mit Empore ist zweigeschossig ausgebildet, dahinter liegt der große Saal als Herzstück des Gebäudes. Dieser ist vollständig mit kanadischem Ahorn ausgekleidet: Boden, Wand und Decke schimmern in einem leicht rosigen Holzton. Der große Veranstaltungssaal lässt sich vielfältig nutzen - neben Seminaren, Vorträgen und Theateraufführungen sind auch Musikveranstaltungen geplant; die Akustik wurde dementsprechend ausgestattet.

Nach Norden weitet sich der Saal oberhalb des Rednerpults gen Himmel - in Form einer 20 m langen, verglasten Laterne mit einer zusätzlichen Höhe von fünf Metern. Drei an der Nordwand montierte Stahlplatten, ebenfalls mit Ahorn verkleidet, lassen sich leise und stufenlos in diesen Raum innerhalb der Laterne hineinklappen. Damit ist der Saal entsprechend seiner Nutzung individuell zu verschatten: von der Blackbox für Filmvorführungen bis hin zu sonnenbeschienenen Seminaren ist alles möglich. In der Wand hinter dem Pult befindet sich ein zusätzlicher, horizontaler Lichtschlitz, der über den Vortragenden hinweg Ausblicke in die weite Landschaft bietet. Hier sind auch eine ausklappbare Tafel sowie eine ausfahrbare Leinwand angebracht.

Im deutlich ansteigenden Saal sind die Reihen hinsichtlich eines idealen Sichtwinkels angeordnet und die Sitze mit bequemen Lederbezügen gepolstert.

Schiefer

Sechs Mandelbäume auf dem Vorplatz bilden den Übergang zum Park. Der Vorplatz ist schiefergedeckt und zieht sich in das Gebäude hinein: Das gesamte Foyer und die Galerie erhielten einen Boden aus Schieferplatten. Die Platten weisen mit 5 cm eine enorme Stärke sowie eine gleichbleibende Breite von 50 cm auf und variieren in der Länge (durchschnittlich ca. 80 cm). Der Boden führt nicht nur den Außenraum nach innen fort, sondern steht auch im dunklen Kontrast zu einem Kunstwerk, das der Architekt selbst entworfen hat: Sunart ist eine reliefartig gestaltete Wand aus Sichtbeton mit 70 m² gepixeltem Grundmuster und einer freien gelben Form, die durch vier runde Oberlichter immer neue Tageslichtakzente erhält.

Die bruchrauen Schieferplatten Otta Phyllit liegen innen wie außen im Mörtelbett. Im Innenraum befinden sich unterhalb des Mörtelbettes allerdings noch 8 cm Heizestrich, eine PE-Folie, 3 cm Trittschalldämmung und 20 cm Stahlbetondecke. Neben den Bodenplatten entschied sich der Architekt auch in den Sanitärräumen für das Material Schiefer: Die Wandflächen in den Vorräumen sind bis zur Höhe von 1,10 m mit dem gleichen Stein verkleidet (Höhe 110 cm, Breite 50 cm, Dicke 5 cm). Otta Phyllit ist ein schwarzblauer Schieferstein mit einem sehr hohem Quarzanteil von 61%, er stammt aus Otta in Norwegen und eignet sich gut für den Einsatz in Innen- und Außenräumen.

Das Atelier Tesar antwortet auf die Frage nach der Materialwahl schlicht mit zwei Worten: „dauerhaft“ und „schön“. Weitergehende Erklärungen erschienen dem Architekten wohl unnötig, die Bilder und vor allem das Raumerlebnis vor Ort seien Grund genug, Schiefer zu verwenden.

Bautafel

Architekt: Heinz Tesar, Wien
Projektbeteiligte: ARGE Maurer-Neumann, Wien (Generalplanung); Toms, Krems (Statik); Zivilingenieurbüro Walter Prause, Wien (Bauphysik); KCE Kähn Consulting Engineering, Wels (Gebäudetechnik)
Bauherr: NÖ Landesimmobiliengesellschaft, St. Pölten, vertreten durch Amt der NÖ Landesregierung, Pölten
Fertigstellung: 2009
Standort:
Am Campus 1, 3400 Klosterneuburg

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