Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall

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Grob behauene Blöcke aus Muschelkalk

Für das Ausstellungshaus der Kunstsammlung von Reinhold Würth mit Werken hauptsächlich aus dem 20. und 21. Jahrhundert war 1997 ein geladener Wettbewerb ausgeschrieben worden, den das Kopenhagener Architekturbüro Henning Larsen für sich entscheiden konnte. Die städtebauliche Herausforderung war groß - die Architekten mussten auf die eng stehenden Fachwerkhäuser der Katharinenvorstadt, verwinkelte Gassen, zwei Kirchen, einen markanten Ziegelbau einer ehemaligen Brauerei in direkter Nachbarschaft, abfallendes Gelände und nicht zuletzt eine schon fertige Parkgarage eines später aufgegebenen Stadtbibliotheksprojektes reagieren.

Auf die kleinteilige Umgebung antwortet das Kunsthaus von Henning Larsen mit zwei geometrischen, fast fensterlosen Quadern. Zwischen diesen liegt wie herausgeschnitten eine Aussichtsterrasse, deren flankierende Wände mit glattem Naturstein verkleidet sind. Die übrigen Fassaden sind von gebrochenem Muschelkalk bedeckt. Eine etwas abgerückte Glasfront spannt auf der zum Fluss gelegenen Seite von einem zum anderen Quader und bewirkt so deren Einheit.

Die Zweiteilung und die konsequente Ausnutzung der Hanglage sind der besondere Clou des Entwurfs. Dem abfallenden Grundstück folgend wird das Gebäude in den Untergeschossen vom Gelände eingefasst und das umfangreiche Raumprogramm wurde scheinbar mühelos organisiert. Durch das Auseinanderrücken der Baukörper fügt sich die Kunsthalle in ihren Dimensionen nicht nur harmonisch in die Umgebung ein, sondern ordnet diese auch neu: Zwischen den Segmenten entsteht ein Platz, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Es ergeben sich neue Sichtachsen und Wege wie zum Beispiel von der Katharinenkirche und das gegenüber liegende Ufer mit Blick auf die Michaeliskirche wird optisch in das Konzept mit einbezogen.

Der Eingangsplatz mit der wunderschönen Panoramaaussicht wirkt einladend: Stadtraum und Museumsraum überlagern sich hier. Im nördlichen Gebäudeteil befinden sich Foyer, Museumsshop und ein Cafe. Von dort steigt der Besucher zu den Ausstellungsflächen über stählerne Treppen und Brücken, die zwischen dem Gebäude und der Glasfront liegen, hinunter. So wird erneut der Außenraum als wichtiges Gestaltungselement integriert. Der südliche Gebäudeteil beherbergt auf der Eingangsebene einen Saal für Konzerte und ähnliche Veranstaltungen; der Platz lässt sich bei Bedarf dazuschalten.

Mauerwerk
Die Kunsthalle ist geprägt durch die Fassadenstruktur aus grob behauenen, schuppenartig geschichteten Blöcken aus Muschelkalk, die an die verwitterte Struktur eines Steinbruchs erinnern. Die örtlichen Natursteinvorkommen sind ein typisches Baumaterial der Gegend. Stadtmauer und Einfassung des Kocherflussbettes bezeugen dies und waren ausschlaggebend für die Materialwahl des Architekten. Der eingesetzte witterungs- und frostbeständige Kalkstein stammt aus einem Steinbruch in Crailsheim-Satteldorf, der sonst zur Schottergewinnung genutzt wird.

Die etwa 1,20 m dicken Blöcke werden von oben und unten mit Holzkeilen gespalten. Dann werden die Steine so zugeschnitten, dass Quader mit fünf glatten und einer gebrochenen Längsseite entstehen, die in der Fassade wie aufeinander geschichtet wirken. Alle Steine sind 17 cm hoch und 13 cm breit, die Längen variieren zwischen 30 und 70 cm. Der Naturstein wurde als Vorsatzschale gemauert und mit sieben Edelstahlankern pro m² im tragenden Betonkern befestigt. Dazwischen liegt eine 16 cm dicke Wärmedämmung. Die Winkelschienen wurden ebenfalls am Beton angebracht und fangen die Vormauerschale alle 2,90 m ab. Die monolithische Homogenität der Architektur steht im Vordergrund, auf sichtbare Konstruktionselemente wurde verzichtet.

Bautafel

Architekten: Henning Larsen, Kopenhagen
Projektbeteiligte: Thomas Puggard Thomsen (Projektleiter), Architekturbüro Erich H. Fritz (Bauleitung)
Bauherr: Adolf Würth, Künzelsau
Fertigstellung: 2001
Standort: Schwäbisch Hall
Bildnachweis: Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

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