Landesarchiv Vaduz

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 30 |

Zweischalige Wand mit Luftschicht und Wärmedämmung

Mit der Fertigstellung des Landesarchivs schloss das Fürstentum Liechtenstein am Fuße des Schlossberges in Vaduz die Umgestaltung seines Regierungsviertels ab. Das neue Archivgebäude komplettiert nun ein Gebäudeensemble aus dem Landesmuseum, dem Landtagsgebäude und dem historischen Regierungsgebäude.

Der Entwurf von den ortsansässigen Kaundbe Architekten nimmt die Baufluchten und -höhen der benachbarten Gebäude auf. Auf einem gemeinsamen Sockelgeschoss angeordnet, gliedert sich der Baukörper in zwei Teile entlang des Schlossberghanges. Der Zugang führt über eine Freitreppe auf eine parallel zum Hang verlaufende Terrasse zum Haupteingang. Das zentral gelegene Treppenhaus mit Lift erschließt alle sechs Geschosse, eine zusätzliche interne Treppe verbindet die beiden obersten Geschosse, welche den Rechtsdienst der Regierung beherbergen.

Die Räume des Landesarchivs sind in drei verschiedene Zonen aufgeteilt, die sich in Bezug auf die Sicherheits- und Klimaanforderungen, die Funktionen und die Zugänglichkeit unterscheiden: Die erste Zone beinhaltet den öffentliche Bereich mit Empfang, Handbibliothek, Foto- und Filmstelle sowie Seminarraum und Cafeteria. Sie ist grundsätzlich öffentlich zugänglich. Die zweite Zone ist der halböffentliche Verwaltungsbereich mit den Büros und Arbeitsräumen der Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, sie ist für Außenstehende nicht frei zugänglich, sondern nur nach Anmeldung erreichbar. Die dritte Zone schließlich bilden die Magazine, die nur für Archivmitarbeitende zugänglich sind. Das Magazin im Untergeschoss des nördlichen Traktes entspricht zusätzlich den Anforderungen an einen Kulturgüterschutzraum.

Als erstes öffentliches Verwaltungsgebäude im Fürstentum Liechtenstein erreicht der Neubau des Landesarchivs den Minergie-P-Standard, dieser entspricht in etwa dem deutschen Passivhausstandard. Der geringe Energiebedarf zur Heizung und Kühlung wird über eine Grundwasser-Wärmepumpe abgedeckt. Für die Klimatisierung der Magazine entwickelten Kaundbe ein eigenes Energiekonzept, so dienen z.B. die massiven Betonwände als Wärmespeicher und aufgrund ihrer Masse entsteht eine große thermische Trägheit, die sich für das eingelagerte Archivgut als günstig erweist. Die Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter werden sich dadurch, nach den Berechnungen des Bauphysikers, im optimalen Bereich zwischen 16 und 20 Grad bewegen. Auf eine Heizung und Klimatisierung konnte die Planer deshalb verzichten. Notwendig sind jedoch eine Belüftung und eine Luftentfeuchtung, die jedoch vollautomatisch erfolgen. Wenn die Außenbedingungen besser sind als die Bedingungen im Magazin, wird Frischluft von außen zugeführt, ansonsten kommt es nur zu einer Luftumwälzung im Innern. Aufgrund dieses Konzepts wurde in den Magazinen auf den Einbau von Fenstern verzichtet.

Mauerwerk

Im nördlichen Teil, dem Magazintrakt, greifen Kaundbe Architekten für die Fassadengestaltung den hellen Klinker des angrenzenden Langen Hauses mit den Abgeordnetenbüros auf. Bereits bei dem Landtagsgebäude nach den Plänen des Hannoveraner Architekten Göritz kam der Ziegelstein zum Einsatz. Die Außenwand ist als zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht und Wärmedämmung ausgeführt. Der Wandaufbau besteht aus der 115 mm breiten Klinkerfassade vor einer 40 mm Luftschicht, 180 mm starken Mineralwolle als Wärmedämmung und 250 mm Stahlbetonwand. Insgesamt wurden 32.500 Klinkersteine im Sichtmauerwerk der Fassade des Magazintraktes verbaut.

Die Fassade des südlichen Gebäudeteils mit den Büros der Verwaltung bezieht sich dagegen mit ihrer Traufkante und der Putzschicht auf das gegenüberliegende historische Rheinbergerhaus. Sie wurde als zweischalige Wand mit Kerndämmung ausgeführt.

Zum Entwurf des Landesarchivs gehört ebenfalls die Gestaltung des Vorplatzes. Inmitten der Pflasterung - hier liegen insgesamt 84.900 Klinkersteinen - durchbricht das Kunstwerk Gras von Regina Marxer die kleinteilige Struktur des Bodenbelags: Aus der freischwingenden und bodengleichen Metallrinne soll - als Sinnbild für das Verrinnen der Zeit - nach und nach grünes Gras wachsen.

Bautafel

Architekten: Kaundbe Architekten, Vaduz
Projektbeteiligte: Lenum, Vaduz (Energie- Ökologieplanung); Baumann, Dietfurt (Akustik und Bauphysik); Gassner & Partner und Grünfelder & Lorenz, Triesenberg (Bauingenieure Hochbau); Tragweite Vogt Ingenieure, Vaduz (Bauingenieure Tiefbau); Swissbrick, Istighofen (Fassadenplanung); Gebrüder Frick, Schaan (Vorplatz Klinkerbelagarbeiten); Keller Ziegeleien, Pfungen (Kelesto-Klinker)
Bauherr: Fürstentum Liechtenstein
Fertigstellung: 2009
Standort:
Peter-Kaiser-Platz 2, 9490 Vaduz

Standort in Google Maps anzeigen