Science Center Welios in Wels/A

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Niedrigenergiegebäude mit Fernwärmenutzung, Solarthermie und Photovoltaik

Wie wird aus Sonnenlicht oder Wind elektrische Energie? Warum sind Holzpellets ein umweltfreundlicherer Brennstoff als Kohle oder Erdgas? Diese und viele weitere Fragen klären sich beim Besuch des Welios, Österreichs erstem Science Center. Unter dem Motto Erneuerbare Energien erleben, erspüren, entdecken können sich die Besucher durch eigenständiges und spielerisches Experimentieren mit dem Thema auseinandersetzen. 

Das schnittige weiße Niedrigenergiegebäude befindet sich in einem Park zwischen der Stadthalle und dem Messegelände Wels, nur wenige Gehminuten vom historischen Stadtzentrum entfernt. Seine markante Form soll ein geschnürtes Energiebündel symbolisieren. Die Schnüre, die es scheinbar zusammenhalten, sind Blechbänder mit integrierten PV-Elementen. Das Gebäude selbst ist ein massiver Betonkörper mit einer hochgedämmten Außenhülle. Mittig ist ein tiefer Spalt hineingeschnitten, dessen Seitenwände im Gegensatz zu der sonst geschlossenen Außenhülle komplett verglast sind. Sie erlauben schon von außen einen Blick in das Innenleben des Gebäudes. Der Innenausbau – Decken und Wände – erfolgte im Trockenbau.

Die Ausstellungsfläche beträgt rund 3.000 m². Verteilt auf drei Geschosse können sich die Besucher über Energie aus Sonne, Biomassewärme, Wasserkraft, Geothermie und Wind informieren. Die Dauerausstellung ist einem Wohnhaus der fiktiven Familie Jouli nachempfunden. Sie umfasst 150 Exponate in 15 offen gestalteten Ausstellungsräumen, die sich über zwei Ebenen erstrecken. Die Räume sind gleichzeitig Rampen, die Wände sind schräg ausgebildet. Im Erdgeschoss stehen zusätzlich 500 m² als Sonderausstellungsfläche zur Verfügung. Hier befindet sich auch ein Gastronomiebereich mit Außenterrasse.

Energiekonzept
Nicht nur in der Ausstellung dreht sich alles um erneuerbaren Energien, auch das Energiekonzept ist darauf ausgerichtet. Die Heizungsanlage erhält ihre Wärme aus dem Fernwärmenetz der Stadt Wels. Nur 100 m Luftlinie entfernt befindet sich eine solarthermische Großanlage mit Röhrenkollektoren auf dem Dach einer Messehalle, die ins städtische Fernwärmenetz einspeist. Die Ausstellungsbereiche sind mit bauteilintegrierten Klimaflächen in den Betondecken zum Kühlen und Heizen ausgestattet. Raumfühler sorgen für eine schnelle Anpassung bei Temperaturenschwankungen. Im Eingangs- und Gastronomiebereich sowie in den Büros sorgen Klimaelemente hinter den akustischen Trockenbauplatten für angenehme Temperaturen. Zusätzlich zur Bauteilaktivierung verteilt hier eine Fußbodenheizung die Wärme. Das Warmwasser für die Gastronomie und die Sanitäranlagen bereitet eine Solarthermieanlage mit 20 m² Kollektorfläche auf dem Dach des Gebäudes.

Die mechanische Lüftungsanlage besitzt eine Wärmerückgewinnung mit Rotationswärmetauschern. Sensoren überwachen die Luftqualität im Ausstellungsbereich und regeln danach die Luftmenge. Im Gastronomiebereich ist ein separates Lüftungsgerät mit Kreuzstrom-Wärmerückgewinnung installiert. Im Foyer wurden beheiz- und kühlbare Bodeninduktionsgeräte eingesetzt, die hygienisch aufbereitete Zuluft einblasen und diese über wassergeführte Register nachbehandeln können. Die Luftverteilung erfolgt über verzinkte Luftkanäle und induktionsarme Quelllüfter, sogenannte „Booster", die Zugerscheinungen vermeiden. Ein saisonaler Phasenspeicher im Erdreich wird zur Luftvorerwärmung der Lüftungsanlage genutzt.
 
Die Blechbänder an der Fassade hinterleuchten LED-Lichter, die ihren Strom aus der Photovoltaik-Anlage (20 kW) speisen. Ein Teil der Solarzellen sind in Glas-Glas-Module eingebettet, die zur Dachkonstruktion gehören. Auf dem Dach und an der Fassade befinden sich weitere Module. Den Strom, den die eigene PV-Anlage (15.000 kWh/a) nicht schafft, liefern ein Ökostromanbieter aus Wels.

Bautafel

Architekten: Archinauten, Linz/A
Projektbeteiligte: Engelmann Energiesysteme, Sarmingstein/A (Energiekonzept/Haustechnikplanung); Kreuzroither Metallbau, Schörfling am Attersee/A (Fassaden, Dachverglasung mit Photovoltaik-Modulen); Pischulti Heizung-, Klima-, Sanitär, Wien/A (Lüftung/Dämm- und Brandschutz); Petri & Tiemann, Bremen (Ausstellungskonzept)
Bauherr: OÖ Science-Center Wels Errichtungs Gesellschaft, Wels
Betreiber: Welios Betriebs Gesellschaft, Wels
Fertigstellung: April 2011
Standort: Weliosplatz 1, 4600 Wels Österreich

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