Kulturstiftung des Bundes in Halle an der Saale

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Glasfassade im Metallkleid

Rund zweieinhalb Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung erkannte der Bund, dass bestimmte kulturelle Vorhaben bundesweite Bedeutung besitzen und ihre Förderung deshalb auch beim Bund liegen sollte. Der logische Schluss war die Gründung der Kulturstiftung des Bundes, deren Hauptaufgabe darin besteht, Kunst und Kulturprojekte von nationaler und internationaler Bedeutung zu fördern. Seit ihrem Bestehen 2002 hat sie ihren Sitz in Halle an der Saale, wo sie zunächst als Mieter in den Franckeschen Stiftungen unterkam, bis sie schließlich ihr eigenes Gebäude erhielt. Dessen Planung stammt von Dannheimer & Joos Architekten aus München, die zuvor den entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatten.

Der Neubau der Bundeskulturstiftung liegt schräg gegenüber des historischen Waisenhauses am Franckeplatz zwischen zwei sanierten Altbauten, zu denen er beidseitig einen angemessenen Abstand hält. Während er sich in Volumen und Höhe den Nachbarhäusern anpasst, unterscheidet er sich in der Gestaltung deutlich von ihnen. Komplett verglast, zeigt sich das Gebäude zur Straße mit einer gitterartigen Hülle aus weißen Edelstahlprofilen, die nahtlos von der Fassade ins Dach übergeht. Die Materialität und Farbigkeit wie auch die Aufhebung der traditionellen Trennung von Schrägdach und Wand zeugen von der Eigenständigkeit des Gebäudes. Gleichzeitig finden sich bei genauerem Hinsehen wesentliche Gestaltungselemente wie Gaube oder Fachwerk der umgebenden Bebauung wider – nur eben in einer Neuinterpretation.

Das Tragwerk besteht aus einer Fachwerkkonstruktion in der Fassadenebene und einem tragenden Kern mit Treppenhaus und Nebenräumen. Die Verteilung der Lasten auf diese zwei Bereiche erlaubte eine freie, flexible Raumaufteilung. Die Räume selbst sind schlicht und reduziert gestaltet, die Stahlbetonkonstruktion blieb unverdeckt. Mit einer Nutzfläche von rund 950 m² bietet das Gebäude Platz für insgesamt 35 Mitarbeiter.

Glas
Die großflächige Verglasung der Gebäudehülle besteht aus einem  Dreifach-Isolierglas, das sich wie folgt zusammensetzt: 12 mm VSG (außen), 6 mm ESG-H (mittig), 8 mm ESG-H (innen). ESG-H bedeutet, dass das Einscheibensicherheitsglas einem Heißlagerungstest unterzogen wurde, mit dem sichergestellt wird, dass nur eine sehr geringe Gefahr des Spontanbruchs verbleibt. Die Scheiben der Nord-, Ost- und Westseite des Gebäudes sind linienförmig in einer Pfosten-Riegel-Fassade gelagert. Aufgrund der Fachwerkstruktur waren einige Scheiben mit dreieckigen Grundriss notwendig; das reguläre Scheibenformat beträgt 2,70 x 2,30 m. Auf der dem Hof zugewandten Südfassade kamen 3,00 x 3,00 m große Fenster zum Einsatz. Der Nordfassade zur Straße hin ist eine Roststruktur aus gleichschenkligen Winkelprofilen aus Edelstahl vorgelagert.

Sämtliche Scheiben sind absturzsichernd nach TRAV, bzw. DIN 18008-4 Glas im Bauwesen, Bemessungs- und Konstruktionsregeln – Teil 4: Zusatzanforderungen an absturzsichernde Verglasungen ausgeführt.

Bautafel

Architekt: Dannheimer & Joos Architekten, München
Projektbeteiligte: AHW Ingenieure, Münster (Tragwerksplanung); High Tec Trading, Röhrmoos (Fassadenplanung); Esco Metallbausysteme, Ditzingen (Hersteller Pfosten-Riegel-Fassade); Okalux, Marktheidenfeld (Glashersteller); Hefi Glaskonstruktiv, Talheim (Montage/Ausführung Glas); Clauss Markisen, Leinfelden-Echterdingen (Sonnenschutzhersteller)
Bauherr: Kulturstiftung des Bundes, Halle/Saale
Fertigstellung: 2012
Standort: Franckeplatz 2, 06110 Halle an der Saale
Bildnachweis: Jens Passoth, Berlin für Dannheimer & Joos Architekten und Falk Wenzel, Halle

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