Porsche-Pavillon in Wolfsburg

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Rasante Kurven aus Stahlblechen in Monocoque-Leichtbau

Nicht nur für Fahrzeugliebhaber lohnt sich ein Besuch der Autostadt Wolfsburg – seit Fertigstellung des spektakulären Porsche-Pavillons im Jahr 2012 kommen auch Architekturinteressierte auf ihre Kosten. Der vom Architekturbüro Henn aus München geplante Bau entstand gegenüber des Volkswagen-Pavillons auf dem rund 28 Hektar großen Ausstellungsgelände inmitten der künstlichen Lagunenlandschaft. Er ist der erste Neubau seit Eröffnung der Autostadt im Jahr 2000.

Die rasant geschwungene Form des Baukörpers leiteten die Architekten aus der markanten Silhouette des Sportwagens ab. Von außen ist er komplett von mattem Edelstahl umhüllt, das je nach Tageszeit und Lichteinfall sein Erscheinungsbild verändert. Seine äußeren Abmessungen betragen 75 x 80 Meter, die Ausstellungsflächen gut 400 Quadratmeter. An der Eingangsseite kragt der Pavillon wie eine große Welle 25 Meter über die Wasseroberfläche des künstlichen Sees aus. Das asymmetrisch geformte Dach umschließt einen 290 Quadratmeter großen geschützten Außenraum, der mit treppenförmigen Sitzreihen als Veranstaltungsort für mehrere hundert Besucher konzipiert ist. Seitlich reichen die Sitzstufen weit über das Dach hinaus und fügen sich nahtlos in die von WES Landschaftsarchitekten geplanten Außenanlagen.

Der Zugang in den Porsche-Pavillon erfolgt seitlich von der Wasserseite aus. Über eine ansteigende Rampe gelangen die Besucher zur Galerie auf dem obersten Niveau des dunklen Innenraums. Oben angekommen lenkt eine hell erleuchtete, schräge Ebene den Blick auf die Ausstellungsexponate in Raummitte. Zu sehen sind 28 Porsche-Modelle von 1948 bis heute im Maßstab 1:3. Von oben geht es über eine elliptisch geschwungene Rampe wieder hinab. Am Ende können die Besucher in aktuellen Fahrzeugmodellen Platz nehmen oder sich auf Bänken am Rand der schrägen Ausstellungsfläche über die Geschichte und Philosophie der Sportwagenmarke informieren.

Dach
Die Konstruktion des Pavillons basiert auf der Monocoque-Leichtbauweise (franz.: einzelne Schale), wie sie im Schiffs-, Flugzeug- und Automobilbau üblich ist. Bei dieser Technik des „flächenaktiven Tragwerks“, trägt sich die Dachkonstruktion als raumbildende Hülle selbst. Sie besteht aus 620 mit Edelstahlgranulat gestrahlten Blechen in Stärken von 10 bis 30 Millimetern, die in einer Schiffswerft in Stralsund mit aussteifenden Spanten und Querschotten verschweißt und dann vor Ort montiert wurden. Ihre Größe beträgt 2.550 Quadratmeter, das Gesamtgewicht liegt bei 425 Tonnen.

Die Monocoque spannt über eine zweite innere Polygonschale aus Stahl über dem Ausstellungsbereich und ruht auf einem Stahlbetonsockel. Die unterirdischen Bauteile bestehen aufgrund der räumlichen Nähe zur Lagune aus wasserundurchlässigem Stahlbeton (WU-Beton); die Bodenplatte ist 50 Zentimeter stark. Um sich bei Temperaturschwankungen bewegen zu können, wurde die Stahlkonstruktion zwängungsarm auf dem Untergeschoss aus Stahlbeton aufgelagert. Das feste Auflager befindet sich in Dachmitte, damit sich die Schale gleichmäßig in alle Richtungen ausdehnen kann. Speziell entwickelte Lager an der Auskragung am unteren Schalenrand nehmen die Zugkräfte auf.

Den Werkstoff Stahl wählte man, nachdem von den Tragwerksplanern verschiedene Varianten für die Dachkonstruktion durchgespielt worden waren. So erwies sich eine Ausführung mittels Betonschale als zu schwer, eine Schale aus Aluminium und Carbon war aufgrund deutscher Brandschutzbestimmungen nicht möglich und eine Gitterschale mit Dreiecksmaschen aus Stahl wies zu viele Fugen in der Außenhaut auf. Die Monocoque-Leichtbauweise in Stahl hingegen ermöglichte eine glatte, fugenlose Optik bei geringem Gewicht, die von weitem wie Beton wirkt und dank eines hohen Vorfertigungsgrades vergleichsweise kostengünstig und schnell realisiert werden konnte.

Bautafel

Architekten: HENN, München
Projektbeteiligte: Schlaich Bergermann und Partner, Stuttgart (Tragwerksplanung); ZWP Ingenieure, Köln (Technische Gebäudeausrüstung); Kardorff Ingenieure, Berlin (Lichtplanung); Niermann Consult, Köln (Infrastrukturplanung); WES Landschaftsarchitektur, Hamburg (Landschaftsplanung); HG Merz Architekten Museumsgestalter, Stuttgart und Jangled Nerves, Stuttgart (Inszenierungsplanung und Medien); Centralstaal, Groningen (Ausführung Dachschale)
Bauherr: Porsche, Autostadt Wolfsburg
Standort: Stadtbrücke, Autostadt 38440 Wolfsburg
Fertigstellung: 2012
Bildnachweis: H.G. Esch, Hennef-Stadt Blankenberg

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