LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 24 |

Kunst- und Tageslichtdecken mit umlaufenden Lichtrahmen zur Wandbeleuchtung

Zwei Maßstäbe prägen die Stadt Münster: die historische kleinteilige Bebauungsstruktur, deren Parzellendimension man auch nach den Kriegszerstörungen nicht ignorierte und die imposanten Kirchengebäude, die – Münster ist Bischofssitz – eine noch längere Tradition haben.

In direkter Nachbarschaft zu einem der zahlreichen Kirchengebäude der Stadt, dem leicht erhöht thronenden St.-Paulus-Dom am Domplatz, befindet sich das Landesmuseum Westfalen-Lippe für Kunst und Kultur. Mit einer Sammlung von mehr als 300.000 Exponaten ist es das zentrale Kunstmuseum Westfalens. Seit 1908 residiert es in einem stattlichen dreigeschossigen Neorenaissance-Bau mit zentralem Lichthof, seit den 1970er-Jahren hatte es einen großen Erweiterungsbau an seiner Seite. Im neuen Jahrtausend entschied sich das Museum zu einer Neuordnung, lud 30 Architekten zum Wettbewerb und kürte 2005 schließlich Volker Staab zum Sieger. Der hat sich, anders als die meisten anderen, gegen den Erhalt der 70er-Jahre-Bauten entschieden und den Münsteraner Stadtraum an dieser Stelle noch einmal neu gedacht. Sein Baukörper, obwohl selbst etwa drei Mal so groß wie der Altbau, ignoriert die verwinkelte Struktur der Stadt und ihrer öffentlichen Räume keineswegs, sondern macht eine Reihe angemessener, maßstäblicher Gesten und Angebote: Am Domplatz geht er auf Distanz zum Altbau und bildet einen tiefen Vorhof aus, der auch eine Diagonaldurchquerung erlaubt; im Gebäudeinneren bezieht er sich mit der Raumfolge aus Foyer und Patio nicht nur auf den Lichthof des Altbaus, sondern schafft, zusammen mit einem neuen Vorplatz am Aegidiimarkt, eine interne Passage, in die hinein man auch aus der parallelen Pferdegasse und dem Jesuitengang stoßen kann. Die Verlegung des Haupteingangs vom Domplatz weg hinunter zum deutlich belebteren Markt und in die Verlängerung des Prinzipalmarktes könnte dem Museum tatsächlich eine neue Öffentlichkeit bescheren. Die Hausherren locken mit Öffnungszeiten bis 22 Uhr, freiem Eintritt und den heute selbstverständlichen gastronomischen und kommerziellen Ergänzungen entlang der Passage durchs Museum.

Der Rundgang der Kunst beginnt im 1. Obergeschoss aus dem haushohen Foyer heraus. Durch die großen Lufträume hindurch, die beiden Vorplätze eingeschlossen, können einzelne Werke auch ins Erdgeschoss und in den Stadtraum hinein wirken. Eine einläufige Treppe führt im Foyer hinauf zu offenen Galerien und in die sich anschließenden Sammlungssäle. An der südwestlichen Ecke des Altbaus schließt das neue Haus baulich und funktional an und schafft zusammenhängende Rundgänge auf zwei Geschossen um die drei großen Lichthöfe herum. Unterschiedlich dimensionierte Räume, die allesamt nie axial erschlossen werden, reihen sich zu abwechslungsreichen Folgen und Sequenzen. Eingefügt sind immer wieder Räume und Bereiche, die an der Wand keine Kunstwerke, sondern große Fenster haben und den Blick in die Binnen- und Außenräume richten.

Die scharfkantigen Fassadenflächen mit großen, frei platzierten und dunkel gerahmten Fensteröffnungen sind, wie die meisten Großbauten Münsters, mit einem hellen, beige-grauen Sandstein verkleidet. Den Ein- und Unterschnitten und den schrägen Fensterlaibungen fehlt das Sandsteinkleid, sie sind in fast weißem Sichtbeton ausgeführt und die großen Fassadenflächen der Höfe – ein Kompromiss – in Putz. Die beiden Installationen von Otto Piene und Josef Albers, die schon an dem Gebäude aus den 70er-Jahren außen angebracht waren, wurden am Neubau wieder montiert. Piene illuminiert nun, in etwas veränderter Formation, den neuen Haupteingang im Süden und Albers filigranes Stabwerk kann seine Schatten an der langen Fassade zur Pferdegasse endlich auf eine angemessene Wandfläche werfen.

Elektro
Für die rund 50 Ausstellungsräume wurde ein einfach wirkendes, aber flexibel und vielfältig funktionierendes Deckenbeleuchtungssystem entwickelt. Im Wesentlichen basiert das Konzept auf Lichtdecken, deren Ausbildung je nach Lage im Haus und je nach Ausstellungserfordernissen variiert. Die Lichtquellen selbst sind unsichtbar integriert und treten nur in ihrer Wirkung, nicht jedoch als Objekte in Erscheinung.

Für die Ausstellungsräume wurden zweiteilige Kunstlichtdecken entwickelt, die als große Deckenfelder mit transparentem Gewebe auf jede Raumdimension angepasst sind und darüber hinaus entlang der Wände einen breit verlaufenden Kunstlichtrahmen haben. Aus diesem Deckenrahmen heraus, wird für eine homogene Ausleuchtung der Wandflächen gesorgt. Es können entweder das Deckenfeld, der Rahmen oder beide gleichzeitig leuchten. Die umlaufenden Rahmen sind mit T26-Leuchtstofflampen bestückt, die in überlappender Anordnung präzise vorpositioniert und dimmbar sind. Eine transluzente Membran- und eine Staubschutzfolie schließen die Rahmen zum Raum hin ab. Die Lichtleisten wurden so angeordnet, dass sich ihr Abstand in Richtung Wand zunehmend vergrößert, sodass es nicht zu einer zu hohen Lichtdichte im oberen Wandabschnitt kommt, sondern die Lichtverteilung auf den vertikalen Flächen außerordentlich gleichmäßig ist. In der Fuge zwischen dem Lichtrahmen und dem eingerückten Deckenfeld verläuft eine Stromschiene, in der zusätzlich LED-Strahler positioniert sind. Hierdurch können auch einzelne Objekte akzentuiert beleuchtet werden.

Im 2. und letzten Obergeschoss gibt es neben den Kunstlichtsälen auch fünf Oberlichtsäle mit analog konzipierten Tageslichtdecken. Um hier eine direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden, gibt es im Scheibenzwischenraum eine mikroprismatische Schicht, die das Licht nur diffus hindurch lässt. Die Lichtmenge kann darüber hinaus durch ein Rollo weiter reduziert und durch ein zweites Rollo komplett blockiert werden. Für eine analoge Belichtung zu den Kunstlichtsälen wurde hier umlaufend die Kombination aus Lichtrahmen und Strahlern an Stromschienen integriert. Der Lichtstrom der Rahmen wird hier automatisch und am Tageslichteinfall orientiert geregelt.

Über dem dreigeschossigen Foyer, das ja im weitesten Sinne ein Erschließungsraum ist, gibt es eine Membrandecke, die das Tageslicht filtert. Um deren Wirkung nicht zu beeinträchtigen wurde die Beleuchtung hier in Wandeinbauöffnungen integriert, aus denen bei nicht ausreichendem Tageslicht Richtstrahler in Zweiergruppen druckvoll den hohen Raum ausleuchten. Jede Gruppe lässt sich einzeln schalten und dimmen, auch Szenarien für Veranstaltungen lassen sich abrufen.

Im Erdgeschoss, wo nicht ausgestellt wird, hat jeder Raum sein eigenes Lichtkonzept: Im Vortragssaal sorgen bündig und wieder paarweise eingebaute LED-36W- und HIT-70W-Downlights dafür, dass auf verschiedene Anforderungen mit unterschiedlichen Beleuchtungsstärken reagiert werden kann. Eine in die Holzverkleidung eingelassene Voute mit LEDs betont zusätzlich eine seitliche lange Sitznische. In der Bibliothek am Patio gibt es abgependelte Leuchtenprofile mit direktem und indirektem Lichtanteil. Das Restaurant am Haupteingang kann für den Tages- und den Abendbetrieb unterschiedlich beleuchtet werden: Pendelleuchten sorgen tagsüber für einen hellen Raum, während abends gedimmte Pendelleuchten und auf die Tische gerichtete Strahler den Raum introvertierter punktuell beleuchten und farbige LEDs hinter der Bar und an den Wänden bunte Linien malen.

Bautafel

Architekten: Staab Architekten, Berlin
Planungsbeteiligte: Gantert Wiemeler, Münster (Tragwerksplanung); Licht Kunst Licht, Bonn (Lichtplanung); Winkels Behrens Pospich, Münster (Haustechnik und Elektroplanung); Levin Monsigny, Berlin (Freiraumplanung)
Bauherr: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)
Fertigstellung: 2014
Standort: Domplatz 10, 48143 Münster
Bildnachweis: Hanna Neander; Christian Richters, Berlin; Elisabeth Deiters-Keul, Roman Mensing, Sabine Ahlbrand-Dornseif, alle Münster

Architektenprofil

Staab Architekten GmbH
Standort in Google Maps anzeigen