Erweiterung Museum Liaunig in Neuhaus

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Unterirdische Ausstellungsräume mit kombiniertem Tages- und Kunstlichtkonzept

Unweit der österreichisch-slowenischen Grenze hat die 1.000-Einwohner-Gemeinde Neuhaus mit dem Museum Liaunig das jüngste je in Österreich unter Denkmalschutz gestellte Bauwerk: Keine fünf Jahre alt war der 2008 fertig gestellte Bau, als er diese Wertschätzung erfuhr. 2015 ist nun auch seine Erweiterung von anfänglich 5.000 Quadratmetern Fläche auf gut 7.500 abgeschlossen. Sichtbar sind davon nach wie vor nur die 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in dem überaus markanten, 160 Meter langen Baukörper auf dem Hügel nordöstlich der Gemeinde oberhalb des Flusses Drau. Der Großteil des Raumprogramms wurde mit dem Ziel der Reduzierung der Bau- und Betriebskosten unter die Erde gelegt.

Der Entwurf für den Museumsbau stammt von dem Wiener Büro querkraft architekten. Bauherr, Namens- und Sammlungsgeber ist der österreichische Unternehmer Herbert Liaunig, der seine umfangreiche Sammlung österreichischer Gegenwartskunst, westafrikanischen Goldschmucks und europäischer Gläser und Porträtminiaturen bis dato privat im Schloss von Neuhaus aufbewahrt hatte.

Das Museum entstand in drei Bauabschnitten, die 2008, 2012 und 2015 fertig gestellt wurden und bildet im Grundriss eine Collage aus geometrischen Grundformen. Quer zu dem lang gestreckten sichtbaren Riegel verläuft eine unterirdische Raumfolge aus Eingang, Schaudepot und Ausstellungssälen. Der kreuzförmigen Anlage wurde 2012 ein kreisrundes Skulpturendepot hinzugefügt, das mit einer kugelsegmentförmigen Betonkuppel und dramatischem Lichteinfall durch ein Kuppelauge mit Laterne die Qualität eines (weiteren) Schaudepots hat. Dass die Form und Konstruktion des Depots das Resultat einer sehr profanen Schalungstechnik aus dem Gärungsbehälterbau ist, schmälert seine sakrale Wirkung kein bisschen. Die zuletzt erfolgte Erweiterung umfasst neben zusätzlichen Depotflächen, dem Skulpturengarten, der Glas- und Miniaturensammlung sowie den Erschließungsrampen, einen Saal für Wechselausstellungen. Dieser weist die Grundrissform eines gleichschenkligen Dreiecks auf, dessen breite Basis direkt an das Foyer anschließt und dessen Spitze in ein ebenfalls dreiecksförmiges Atrium mündet. Sämtliche Erweiterungsflächen liegen unterirdisch und verbinden sich harmonisch und bruchlos mit den schon vorher da gewesenen Räumen.

Der Eingang des Museums orientiert sich in Richtung Ort und bildet mit dem Foyer den Auftakt einer vielteiligen unterirdischen Raumfolge. Rechts liegt direkt ein Schaudepot, das aus einem rückwärtigen Kunstdepot heraus neu befüllt werden kann und links führt eine Rampe in den neu hinzugefügten Raum für Sonderaustellungen. Geradeaus führt der Weg zum Hauptausstellungsraum des Museums, der quer platzierten, lang gestreckten Galerie aus Beton mit einem Mantel aus Stahlrippen und Oberlichtern und weit auskragenden Aussichtsterrassen an beiden Enden. Hinter der großen Halle liegen in der unterirdischen Achse drei Ausstellungssäle für die Glas-, die Porträtminiaturen und die Goldsammlung. Mit einem Richtungswechsel führt eine von Betonwänden gefasste Rampe den Besucher weiter zu den beiden kreisrunden Appendixen Skulpturenhof und Skulpturenlager.

Elektro/Tages- und Kunstlichtkonzept
Trotz ihrer größtenteils unterirdischen Lage haben fast alle Räume einen Bezug nach draußen – sei es durch Öffnungen in die Landschaft oder über Oberlichter. Dabei sind die beiden gestalteten Außenräume Skulpturenhof und Atrium ebenfalls eingegraben. Ein konzentrierter Tageslichteinfall und die Fokussierung auf wenige Ausblicke bieten genau das Maß an Bezügen zur Außenwelt, das keine beklemmende Raumwirkung entstehen lässt und damit den Reiz eines unterirdischen Museum noch steigert.

Die meisten Ausstellungsräume haben Oberlichter und sind dadurch vorrangig natürlich belichtet. In der lang gestreckten Haupthalle sorgen Polycarbonat-Bogenschalen aus dem Industriebau für einen Tageslichteinfall von oben. Zwischen ihren zwei Schichten liegt eine transluzente Wärmedämmung, wodurch das einfallende Licht gefiltert und gestreut wird. Oberhalb des Wechselausstellungssaals sind analog zur Geometrie des Raumes Lichtkuppeln mit dreieckiger Grundfläche über dem offenen Deckengitter aus Beton platziert. Die opake Qualität der Oberlichter erlaubt es, auf eine zusätzliche Verdunklung zum Schutz der Exponate zu verzichten.

Unterstützt und parziell auch dramatisiert wird das Tageslichtkonzept durch Kunstlicht aus handelsüblichen Leuchtstoffröhren mit geringer Leuchtdichte, wenig Blendung und einem Durchmesser von 26 mm. Mit einer Farbtemperatur von 3000 Kelvin leuchten sie Warmweiß; der geringe Blauanteil des Lichts bedeutet auch einen relativ guten Schutz für die Exponate.
Die Leuchtstoffröhren können über eine DALI (Digital Addressable Lighting Interface) Schnittstelle einzeln oder gemeinsam angesteuert werden. Sie sind vorwiegend so montiert, dass sie analog zum Tageslicht die Räume und Exponate ungerichtet von oben ausleuchten. Im Wechselausstellungsbereich wurden zusätzlich Stromschienen integriert, damit bei Bedarf mit LED-Strahlern eine punktuelle Beleuchtung einzelner Exponate möglich ist.

Bautafel

Architekten: querkraft architekten, Wien
Projektbeteiligte: Werkstatt Wien, Wien (Generalplaner); Werkraum Wien, Wien (Statik); Josef Klingbacher, Völkermarkt (Kosten, Bauleitung); Klaus Pokorny, Wien (Lichtplanung); Weidlfein Gartenkunst, Wien (Freiraumplanung); Peter Liaunig, Wien (Möblierung, Shopdesign)                         
Bauherr: Herbert Liaunig Museumsverwaltung
Fertigstellung: 2015
Standort: Neuhaus 41, 9155 Neuhaus/Suha in Kärnten, Österreich
Fotos: Lisa Rastl, querkraft Architekten, Wien

Architektenprofil

querkraft architekten

Surftipps

www.museumliaunig.at
www.baunetzwissen.de/Beton > Museum Liaunig in Kärnten

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