Maison L in Yvelines bei Paris

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Wohntürme aus hellem Sichtbeton mit sägerauer Schalstruktur

Kaum eine halbe Autostunde vom Pariser Stadtzentrum entfernt liegt das Département Yvelines westlich der französischen Metropole. Zahlreiche Schlösser, zu denen unter anderem das von Versailles gehört, und die vielen großen Anwesen zeugen vom Wohlstand seiner Bewohner. Beruflich erfolgreich ist auch das Ehepaar, das mit seinen vier Kindern eine ehemalige Orangerie aus dem 18. Jahrhundert bewohnt. Um dem Wunsch der Familienmitglieder nach einem jeweils größeren Privatbereich nachzukommen, entschied sich das Paar für eine Erweiterung des Gebäudes und beauftragte damit das Pariser Büro Christian Pottgiesser Architecturespossibles.

Seine Vorgabe bestand darin, das vorhandene, fast 5.000 Quadratmeter große Grundstück mit üppigem Baumbestand, möglichst wenig zu beeinträchtigen. Und so blieb letztlich nur Platz an der nordwestlichen Grundstücksgrenze, rechtwinklig zur alten Orangerie. Hier platzierten die Architekten ein Gebäudeensemble aus fünf Wohntürmen, die über das teils unterirdisch liegende Erdgeschoss miteinander verbunden sind. Der L-förmigen Anordnung ist der Name das Gebäude geschuldet: Maison L.

Ausschlaggebend für die Aufteilung in mehrere Baukörper waren die örtlichen Bauvorschriften. Diese lassen lediglich eine Einzelbebauung mit Sattel- oder Walmdach zu; die Höhe des Gebäudes darf maximal acht Meter betragen; Flachdächer sind nur auf Garagen oder Nebengebäuden erlaubt, sofern sie eine Größe von 25 m² nicht überschreiten. Um die strengen Vorgaben einhalten zu können, bedienten sich die Planer eines Kunstgriffs. Sie konzipierten die Erweiterung als eingeschossigen Anbau mit leicht geneigtem Dach, aus dem sich die dreigeschossigen Türme sozusagen als Nebengebäude heraus entwickeln. Damit vergrößerte sich die Wohnfläche des Hauses um 616 Quadratmeter auf insgesamt 927 Quadratmeter (!). Ein Großteil davon nimmt das rund 50 Meter lange Erdgeschoss ein. Aufgrund der stringenten Höhenlimitierung liegt es zur nordwestlichen Grundstücksgrenze hin bis zu zwei Meter tief im Erdreich, das zu diesem Zweck aufgeschüttet und mit einer Stützmauer aus Bruchsteinen versehen wurde. Anders als der sichtbare Teil der Erweiterung ist der Grundriss des unteren Geschosses organisch geformt, die Übergänge zwischen den offenen, höhlenartigen Räumen ist fließend. Tageslicht erhalten sie durch schräge Oberlichter.

Bis auf das oberste Geschoss zeigen sich auch die Wohntürme überwiegend geschlossen. Nur kleine, quadratische Fenster durchbrechen die hellen Sichtbetonflächen. Viel Licht dagegen fällt durch die geschosshohen Atelierfenster aus Eichenholz auf der jeweils obersten Etage der Bauten, in denen sich die privaten Räume der einzelnen Familienmitglieder befinden. Eine Dachterrasse bildet den oberen Abschluss des Elternturmes. Die Gemeinschaftsräume sind im Altbau verblieben. Er wurde im Zuge der Baumaßnahmen saniert und von früheren Einbauten befreit. Dabei kamen die ursprünglichen, sieben Meter hohen Räume zum Vorschein. Heute nimmt die ehemalige Orangerie unter anderem den Empfang und Büros, einen großen Wohn- und Essbereich sowie die Küche auf.

Beton
Im gesamten Gebäudeensemble kam Sichtbeton in unterschiedlichen Ausführungen und Farbvariationen zum Einsatz. Die Wände der Türme wurden sowohl außen als auch innen mit sägerauen Schalbrettern horizontal geschalt. Deren Struktur ist über alle Geschosse sichtbar. In den Innenräumen blieben auch die Betondecken unverdeckt. Die 23 cm starken, sämtlich tragend ausgebildeten Innenwände wurden verputzt und mit rotem, hellrosa oder dunkelbraunem Anstrich versehen. Die Lastabtragung erfolgt im Erdgeschoss über eine 30 cm dicke Bodenplatte; in den Türmen über umlaufende, 60 - 70 cm starke Überzüge in den Attiken der Häuser. Die Flachdecken im Untergeschoss liegen auf den tragenden Wandscheiben auf. Diese sind 30 cm dick, einschalig und in Ortbeton hergestellt.

Bautafel

Architekten: Christian Pottgiesser Architecturespossibles, Paris
Projektbeteiligte: Joël Betito, Paris (Ingeneur); Les Constructeurs de Suresnes, Suresnes (Generalunternehmer); La Générale des Aménagements, Plaisir (Landschaftsbau); Chaput, Villeneuve-Saint-Georges (Schreinerei); Jung, Schalksmühle (Lichtschalter)
Bauherr: Privat
Standort: Département Yveslines, Frankreich
Fertigstellung: 2011
Bildnachweis: George Dupin, Paris