House for Trees in Ho-Chi-Minh-Stadt

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 18 |

Einfamilienhaus aus fünf Betonquadern mit Bambusstruktur

Mit mehr als sieben Millionen Einwohnern ist Ho-Chi-Minh-Stadt die bevölkerungsreichste Stadt Vietnams. Sie ist industrielles und kulturelles Herz des Landes und dennoch eher ländlich geprägt. Außerhalb des Zentrums verteilen sich kleine Wohnhäuser wie ein riesiger Flickenteppich über das ständig sich ausweitende Stadtgebiet. Ursprünglich als Prei Nokor (Dorf im Wald) gegründet, trug die heutige Millionenmetropole bis 1976 den Namen Saigon. Von dem Wald ist nicht mehr viel geblieben; der Bau neuer Häuser hat eine Menge Platz verschlungen. Dazu kommt die erhebliche Luftverschmutzung aufgrund des massiven Verkehrsaufkommens und häufige Überschwemmungen durch heftige Regengüsse. Alles Gründe für die Architekten um Vo Trong Nghia, das konstituierende Element der Stadt, das Einfamilienhaus, neu zu denken. Sie haben mit dem House for Trees einen Prototyp entwickelt, der, vielfach multipliziert, geeignet sein könnte, die genannten Probleme zu lösen.

Auf einem rund 470 Quadratmeter großen Grundstück im Bezirk Tan Binh haben die Architekten das Raumprogramm des Wohnhauses auf fünf einzelne, ein- bis zweigeschossige Baukörper aufgeteilt. Mit ihren Rückseiten an die umgebenden Brandwände herangeschoben, stehen sie lose im Kreis zusammen. Auf ihren flachen Dächern wachsen stattliche Birkenfeigen (Ficus Benjamini) in den Himmel, die als Schattenspender und Wasserspeicher das Mikroklima in der Stadt verbessern helfen. Der Name ist also Programm: Als Häuser für Bäume dienen sie in erster Linie den Pflanzen als haushohe Behältnisse – aber gewohnt wird darin selbstverständlich auch.

Insgesamt bietet das Haus eine Wohnfläche von 126 Quadratmetern einschließlich der drei nicht überdachten Brücken im Obergeschoss, die vier der fünf Baukörper miteinander verbinden. Alle sind unterschiedlich groß und unterschiedlich hoch. Der höchste misst 10,30 Meter, der kleinste 4,30 Meter. Letzterer beherbergt einen Altarraum; in den anderen befinden sich ebenerdig die Küche, das Esszimmer, ein Bad mit Treppe sowie die Bibliothek. Im Obergeschoss gibt es zwei Schlafzimmer, eine Kammer und ein weiteres Bad. Der Zugang der einzelnen Räume bzw. Häuser erfolgt über Glastüren vom Innenhof aus, was angesichts des tropischen Klimas mit ganzjährigen Temperaturen zwischen 25 bis 29 Grad unproblematisch sein dürfte. Verschieden große Fenster sorgen für Licht und schaffen Blickbeziehungen. Die Bäume auf den Dächern stehen in anderthalb Meter tiefen und hinter einer Attika unsichtbaren Pflanztrögen.

Beton
Alle fünf Häuser sind aus Ortbeton hergestellt, der außen und teilweise auch innen als Sichtbeton ausgeführt ist. Die Außenwände weisen eine sehr markante, stark plastische Horizontalstruktur auf, die durch das Aufbringen von Bambusrohren auf die verwendete Brettschalung erzielt wurde. Ein Trennmittel gewährleistete die schadensfreie Ausschalung; eine abschließende Imprägnierung schützt die Außenwände vor Feuchte.

Die Sichtbetondecken im Gebäudeinneren wurden glatt verschalt; vor die Wände eine Vormauerschale aus lokalem Klinker gesetzt. Die Böden bestehen teils aus poliertem Zementestrich, teils aus Eiche. Im Außenbereich bedecken Rasengittersteine aus Beton den Boden.

Bautafel

Architekten: Vo Trong Nghia Architects, Ho-Chi-Minh-Stadt
Projektbeteiligte: Wind and Water House JSC, Ho-Chi-Minh-Stadt (Baufirma)
Bauherr: privat
Standort: Tan Binh, Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: Hiroyuki Oki, Ho-Chi-Minh-Stadt