Friedensgericht in Esch-sur Alzette

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Fassade aus hellgrauen Textilbetonplatten

Vérité, Indépendance und Humanité so lauten einige der Inschriften auf der hellen Betonfassade des neuen Friedensgerichts in Esch-sur Alzette. Nach dem Entwurf des ortsansässigen Büros Jim Clemes entstand es am Rathausplatz der luxemburgischen Stadt und verbindet das historisch gewachsene Zentrum mit einem neu entstehenden Wohn- und Geschäftsviertel.

Zum Platz hin öffnet sich das neue Gerichtsgebäude mit einer ausgeschnittenen Ecke: Fünf hohe, filigrane Stützen tragen die darüber liegende Dachplatte und bilden somit einen Vorplatz, der die Besucher intuitiv zum Haupteingang leitet. Die beiden zum Platz hin ausgerichteten Fassaden sind eher geschlossen gestaltet und passend zu den schlanken Vordach-Stützen von sehr schmalen hohen Schlitzen unterbrochen. Die Öffnungen sind teilweise mit sandgestrahltem Glas geschlossen, die Licht ins Innere lassen, aber vor Einblicken schützen.

Ein 15 Meter hohes, über alle Stockwerke reichendes Atrium bringt reichlich Tageslicht in das Gebäude. Die Räume und innen liegenden Flure öffnen sich mit großflächigen Verglasungen zu ihm hin und schaffen damit so viel wie in einem Gerichtsgebäude mögliche Transparenz. Die Wände des Atriums sind wie die Fassade mit hellgrauen Textilbetonplatten und aufgedruckten Schriftzügen versehen. Mit einem offenen Treppenhaus, leicht versetzten Galerien und großen Pflanzbehältern, die auch als Sitzmöbel dienen, wird es zu einem Ort der Begegnung und Kommunikation.

Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss befinden sich öffentliche und halböffentliche Verhandlungssäle und Besprechungsräume. Im zweiten und dritten Stockwerk sind die Büros der Richter, Justizbeamten und Amtsschreiber untergebracht. Die Wände der Räume sind in hellem Sichtbeton gehalten, ergänzt durch Holzflächen aus Mooreiche; auf den Böden ist heller Terrazzo oder Parkett verlegt.

Beton
Die Tragstruktur des Gebäudes ist aus Stahlbeton. Aufgrund des energetischen Gebäudekonzepts haben die Betondecken eine Stärke von 36 cm, sodass Wärme und Kälte gespeichert und bei Bedarf an das Gebäude abgegeben werden können. Sie sind aus Ortbeton, der sich aus weißem Zement und zwei verschiedenen Quarzgesteinssorten zusammensetzt.

Außenfassade und Wände des innen liegenden Foyers sind mit 13 mm dicken, hellgrauen Glasfaserbetonplatten (Textilbeton) verkleidet, deren Oberflächen sandgestrahlt wurden. Davon abweichend ist an der Südostfassade ein Gebäuderücksprung im EG in schwarz eingefärbten Sichtbeton-Fertigelementen gestaltet.

Die filigranen Stützen des Vordachs und im Sitzungssaal im Erdgeschoss sind weiße Betonfertigteile, hergestellt in gleicher Mischung wie der Ortbeton. Alle Stützenoberflächen wurden geätzt und anschließend mit einer Wasser abweisenden Anti-Graffiti-Beschichtung versehen. Um die Oberflächenstruktur auch im Inneren fortzuführen, ist die Decke im Sitzungssaal ebenfalls geätzt. In den anderen Sitzungssälen im Obergeschoss sind die Sichtbetonelemente mit schalungsglatten Oberflächen versehen.

In allen öffentlich zugänglichen Bereichen sind die Böden als heller Terrazzo ausgeführt. Ihr zweischichtiger Aufbau setzt sich aus 6 cm Unterbeton der Festigkeitsklasse C35 / 45 mit weißem Zement und 2 cm Oberbeton in gleicher Güteklasse mit Körnungszuschlägen aus weißem Dolomit zusammen. Treppen und Sitzbänke im Atrium sind aus dem gleichen Material im Werk hergestellt, ihre Oberflächen wurden wie der Terrazzo geschliffen und versiegelt.

Bautafel

Architekten: Jim Clemes Atelier d´Architecture et de Design, Esch-sur-Alzette
Projektbeteiligte: IC Lux, Linger (Statik); BLS Energieplan, Luxemburg (Gebäudetechnik); Bétons Feidt, Luxemburg (Ortbeton und Fertigteile); Prefalux, Junglinster (Fassadenplatten); Rieder Faserbeton-Elemente, Kolbermoor (Hersteller Fassadenplatten); R. Bayer Betonsteinwerk, Blaubeuren (Terrazzo Böden)
Bauherr: Administration des Bâtiments Publics, Luxemburg
Standort: Justice de Paix Esch-sur-Alzette Place Norbert Metz, 4239 Esch-sur-Alzette
Fertigstellung: 2012
Bildnachweis: Ferdinand Graf Luckner, Hamburg

Architektenprofil

Jim Clemes SA
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