Landratsamt Ludwigsburg

Variable Luftfüllungen regulieren den Tageslichteinfall

Gallerie

Innerhalb eines denkmalgeschützten Quartiers der württembergischen Garnisonsstadt Ludwigsburg ist das dort ansässige Landratsamt 2007 mit einem Erweiterungsbau versehen worden. Der Entwurf des Berliner Büros Kubeneck Architekten ging als Sieger aus einem EU-Wettbewerb hervor, für den sich insgesamt 600 Architekten beworben hatten.
 
Bei dem neuen Gebäude handelt es sich um einen fünfgeschossigen, orthogonalen Quader, der über einen gläsernen Steg mit dem bestehenden Altbau verbunden ist. Im Wesentlichen beherbergt der Neubau Zellenbüros und vereinzelt Konferenz- und Besprechungsräume. Von den 870 Beschäftigten haben 250 im neuen Erweiterungsbau einen komfortablen Arbeitsplatz erhalten. Die Erschließung der Büroräume innerhalb des Quaders erfolgt an zwei Seiten über breite, großzügig verglaste Flure, die sich zum Atrium orientieren und auch als Wartezone dienen. Im Osten und Westen verlaufen die Flure zwischen den Büroräumen und werden über semitransparente Trennwände und Glastüren indirekt belichtet.

Kern des quadratisch angelegten Grundrisses bildet ein Atrium. Es wird für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt, dient jedoch auch als klimatische Pufferzone und zur gezielten Tagesbelichtung der angrenzenden Büroräume. Die durch solare Einstrahlung erwärmte Luft, die im Winter zur Temperierung der Büroräume herangezogen wird, kann im Sommer über Lüftungsklappen am oberen seitlichen Rand des Atriums entweichen.
 
Tageslichtnutzung/Lichtkonzept
Das Atrium wird von einer pneumatisch gesteuerten, transparenten Haut aus dreilagigen, schachbrettartig bedruckten und in den Zwischenräumen luftgefüllten ETFE-Folien (Ethylen-Tetra-Fluorethylen) überdacht. Die Folien bestehen aus extrem dünnem licht- und strahlungsdurchlässigem Material und werden häufig für Membrankonstruktionen eingesetzt. Die mittlere Folie dient dazu, die Luftkissen in zwei übereinander liegende Kammern einzuteilen. Die Kammern lassen durch wechselnde Luftfüllungen versetzte Druckraster auf den einzelnen Folienlagen entstehen und regulieren über den unterschiedlichen Lichtdurchlassgrad Tageslichteinfall und Raumklima. Die Füllungen der oberen und unteren Folienkissen werden durch einen Kompressor gesteuert. Die Kissen sind maximal 75 cm dick und sorgen ganzjährig für die Belichtung und Temperierung des Atriums. Bei Dunkelheit wird das Atrium durch große, kreisförmige, von der Tragkonstruktion abgehängte Beleuchtungskörper dimmbar mit Kunstlicht belichtet.
 
Während einige der nördlichen und südlichen Büroräume direkt an den überdachten Innenhof angrenzen und über ihn belichtet werden, liegen die östlich und westlich orientierten Büros generell an der Außenfassade. Die Fassaden innerhalb des Atriums wurden mit hellen Ahornpaneelen verkleidet, um die Schallausbreitung und damit verbundene Störungen der Mitarbeiter in den angrenzenden Büros zu minimieren.
 
Die markanten Außenfassaden werden umlaufend durch Aluminium-Gewebeelemente - deren helle und dunkle Erdfarben sich geschossweise abwechseln - horizontal gegliedert. Die farbigen Metallfelder sind voneinander durch sehr schmale, raumhohe Fenster getrennt. Die strenge Aufteilung der Fassade, die von weitem geschlossen und blickdicht wirkt, offenbart sich dem Betrachter jedoch bei näherem Hinsehen als unterschiedlich transparent. Da die Bauteile aus feinmaschigem Metallgewebe sowohl unmittelbar vor Sichtbetonwände als auch vor Fensteröffnungen montiert wurden, lassen sie abwechselnd Blicke in das Gebäudeinnere zu oder nicht.
 
Von innen erhalten die mit dem Gewebe überspannten Fensteröffnungen einen dauerhaften, aber hinreichend transparenten Sonnenschutz, der einen Ausblick nach draußen zulässt und mit einem innen liegenden Blendschutz am Arbeitsplatz kombiniert werden kann. Von außen entsteht durch das Metallgewebe, je nach Sonnenstand und Lichteinfall, ein schillernder Lichteffekt durch die changierende, metallische Oberfläche.

Objektinformationen

Architekten: Kubeneck Architekten, Berlin/Ludwigsburg
Projektbeteiligte: Hildenbrand Ingenieure, Ludwigsburg (Tragwerksplanung); ibb Burrer & Deuring, Ludwigsburg (Elektrotechnik); Köhler & Krebs vertreten durch IB Köhler, Ludwigsburg (Heizung, Lüftung, Sanitär); Seeberger & Partner, Bietigheim-Bissingen (Bauphysik); ebök, Tübingen (Gebäudeklima); Planungsgruppe Landschaft und Raum, Korntal-Münchingen (Außenanlagen)
Bauherr: Landkreis Ludwigsburg
Fertigstellung: 2007
Standort: Ludwigsburger Oststadt
Bildnachweis: Kubeneck Architekten, Berlin/Ludwigsburg (1 und 3); D. Haas-Arndt, Hannover (2 und 4 - 7)

Objektstandort

Hindenburgstr. 40
71638 Ludwigsburg
Deutschland

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