Matrah Fischmarkt in Maskat

Organisch geformtes Lamellendach aus Aluminium

Gallerie

Von Fischmärkten scheint eine besondere Anziehungskraft auszugehen. Hierzulande ist es die Stadt Hamburg, die weit über ihre Grenzen hinaus dafür bekannt ist und Touristen anlockt. Einen ähnlichen Effekt erhofft sich die Verwaltung von Matrah am Golf von Oman. Der Stadtteil der Hauptstadt Maskat beherbergt den größten Fischmarkt des Landes. Mit der Neukonzeption durch das norwegische Architekturbüro Snøhetta soll das Areal dem Handel besser angepasst und für Touristen attraktiver werden. So schufen die Planer eine zeichenhafte Form: In einer ausladenden Geste werden die neuen Markthallen von einem sichelförmigen Sonnendach aus organisch aufgefächerten Aluminiumlamellen überfangen. Deren fein gewölbte Konturen und dynamische Ausrichtung wecken Assoziationen zu einem Fischskelett, aber auch arabischer Kalligrafie.

Der in den 1960er-Jahren an der Corniche (Uferpromenade) von Matrah gegründete Markt etablierte sich schnell zu einem wichtigen Handelsplatz. Bis zur Entdeckung des Erdöls war der kleine Küstenort das Handelszentrum des Oman und zugleich eines der ältesten der arabischen Welt. Bis heute gehört der Hafen zu den größten des Landes. Dass sich der Fischmarkt im Lauf der Zeit zu einer Attraktion in dem von Touristen im übrigen eher vernachlässigten Matrah entwickelt hat, wollte man sich hier zunutze machen. Mit einer direkten Beauftragung des Architekturbüros Snøhetta, deren Projekte oftmals über eine große Strahlkraft verfügen, fiel die Entscheidung für eine neue Landmarke. Dementsprechend sind die Hallen auf insgesamt rund 4.000 Quadratmetern nicht nur ein funktionales Handels- und Lebensmittelverarbeitungszentrum, sondern zugleich eine Tribüne, von der aus das Treiben der Fischer beobachtet werden kann – sei es aus dem Restaurant oder dem Coffeeshop. Zudem wurde der Fischmarkt ergänzt um einen Obst- und Gemüsemarkt mit über 100 Ständen auf mehr als 800 Quadratmetern. Auch Fleisch wird hier gehandelt. Der Verkauf von Meerestieren nimmt auf über 1.400 Quadratmetern jedoch den meisten Platz ein: Die 120 Händlerstände werden ergänzt durch 40 Verarbeitungsplätze, einen Gefrierraum, ein Lager sowie eine Werkstatt.

Das strahlend weiße Sonnendach fungiert als Blickfang, wo Tradition und Zukunft sich die Hand reichen: Die futuristische Aluminiumpergola, entwickelt mithilfe computerbasierter 3D-Modelling-Software, kragt weit über die darunterliegenden Betonbauten hinaus bis ans Ufer, wo traditionelle Fischerboote aus Holz vertäut liegen. Die überdachten Betonbauten formen im Grundriss das Segment eines Viertelkreises und sind in zwei Flügel aufgeteilt; einer beherbergt den Fisch-, der andere den Obst- und Gemüsemarkt. Im Obergeschoss stehen den Touristen neben dem Restaurant eine große Dachterrasse zur Verfügung. Die Gebäudeteile sind dieser Ebene durch kleine Brücken verbunden. Dieser öffentlich zugängliche Bereich wird über zwei außen liegende Treppen an der Nordseite erschlossen. Diverse Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen und Beobachten des Geschehens in der Bucht ein. Die expressiven Formen des Lamellendachs sorgen für abwechslungsreiche Schattenwürfe. Dagegen herrscht in den Markthallen karge Funktionalität, mit Ständen und Arbeitstischen aus Edelstahl, Leuchtstoffröhren und gefliesten Wänden.

Sonnenschutz
Innerhalb der Fassade zeigen sich dennoch vereinzelt Ornamente: Eine Verbindung zu arabischen Traditionen stellen die in Aluminium ausgeführten Maschrabiyya her. Die normalerweise aus Holz gearbeiteten Fenstergitter schützen vor direkter Sonneneinstrahlung, dienen aber auch der Belichtung. Sie ermöglichen, das Geschehen draußen mitzuverfolgen, ohne dabei von außen erkennbar zu sein. Die offene Bauweise sichert zudem eine stete Belüftung. Der zentrale Durchgang zwischen den Gebäudeflügeln des Fischmarktes lässt sich beidseitig durch die fein gemusterten, perforierten Faltschiebeläden schließen.

Auch die konkav gewölbte, in zwei Abschnitte geteilte Südwand ist perforiert. Es sind dicht gestreute, hexagonale Perforationen, deren Größe variiert. Sie dienen der Luft- und Lichtzufuhr, weniger dem Ausblick. Sie erzeugen auf der Innenseite ein ornamentales Lichtkunstwerk, eine unregelmäßige Wabenstruktur, die im Gegensatz zu den Maschrabiyya eine moderne Handschrift trägt. Durch die vielen kleinen Öffnungen werden die Passanten wahrnehmbar und die Betonwand erhält eine gewisse Leichtigkeit.

Während die vorgenannten Sonnenschutzsysteme der Verbesserung des Innenraumklimas dienen, verschattet das weit ausgreifende Lamellendach den Innen- und Außenraum. Die übergroße Pergola schützt die Dachterrasse, die Verglasungen am Restaurant und die Übergänge ins Freie vor direkter Sonne. Die sichelähnlich geformte Dachaufsicht (Abb. 22) passt sich dem Verlauf der Bucht an, die geschwungene Silhouette zeichnet die Gipfel umliegender Berge weiter. Die tragende Struktur ist ein unregelmäßig gewölbtes bzw. gedehntes Stahlgitter auf schlanken Stahlstützen. Wie bei den feinen Gräten eines Fisches gleicht keine der unterseitig montierten Aluminiumlamellen in ihrer Biegung und Länge der anderen. Oberhalb des zentralen Durchgangs sind Gitter- und Lamellenstruktur fächerförmig zu Knotenpunkten zusammengeführt.

Bautafel

Architekt: Snøhetta, Oslo
Projektbeteiligte: Steelbuildings, Ruwi (Bauausführung); BuroHappold Engineering, Berlin (technische Planung); Central Industry Group, Groningen (Stahl / Aluminium); Snøhetta, Oslo (Landschaftsarchitektur)
Bauherr: Gemeinde Maskat
Fertigstellung: 2018
Standort: Matrah, Maskat, Oman
Bildnachweis: Firas Al Raisi, Maskat

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