ADAC-Zentrale in München

Solarstrom aus Glas-Folie-Laminaten für die Beleuchtung der Büroräume

Mit der Zentrale für den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club ADAC schufen die Architekten Sauerbruch Hutton ein neues Wahrzeichen im Stadtgebiet München-West. Die Hauptverwaltung an der Hansastraße führt rund 2.400 Mitarbeiter zusammen, die sich zuvor auf sieben Standorte innerhalb der bayerischen Hauptstadt verteilten. Sie bietet zudem Platz für ein Tagungszentrum, einen Ausstellungsbereich, eine Druckerei sowie ein Betriebsrestaurant.

Gallerie

Das Gebäude besteht aus einem fünfgeschossigen, sternfömig geschwungenen Sockelbau mit dynamisch geformtem Innenhof sowie einem 18-geschossigen Büroturm – sein Spitzname lautet „Stern von Sendling“. Der Sockelbau bildet einerseits klare Raumkanten zum städtischen Umfeld und rahmt zudem ein denkmalgeschütztes Haus auf dem Gelände. Das Hochhaus hingegen ragt im Nordosten in einem bis zu acht Meter weiten Bogen über den Sockel hinaus. Drei Untergeschosse beinhalten Tiefgaragen und Technikzentralen.

Die Architekten, die als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen waren, wollten eine nachhaltige, wirtschaftliche und übersichtliche Bürostruktur schaffen, die zugleich die Werte und Identität des Automobilclubs verkörpert. Weithin lesbar, am Kopf des 92 m hohen Turms, steht nun das schwarze Kürzel des Unternehmens auf gelbem Grund, die gesamte Hochhausfassade ist als Farbspiel aus changierenden Gelbtönen gestaltet.

Die Eingänge und die Zufahrt zur Zentrale liegen an der Hansastraße im Südwesten, rückwärtig begrenzt eine Bahntrasse das Grundstück. In dem organisch geschwungenen und weitgehend glasbedeckten Innenhof werden die Zuwege aus verschiedenen Richtungen zusammengeführt. Von hier aus eröffnen sich vielfältige Blickbezüge zum Büroturm. Druckerei, Tagungszentrum und Restaurant sind im Erdgeschoss angeordnet; ein ringförmiger Gang führt zu allen vertikalen Erschließungselementen der sechs Gebäudeabschnitte. Zur besseren Orientierung der Besucher und Mitarbeiter weisen die Leitsysteme eines jeden Abschnitts einen anderen Farbton auf: Die Beschilderungen innerhalb des Turms sind gelb, die der übrigen fünf Gebäudeteile orange, rot, lila, blau und grün gestaltet.

Solares Bauen
Die Technikzentralen auf den sternförmig gezackten Dächern des Sockelbaus sind mit 1.452 rahmenlosen schwarzen Solarstrommodulen (Glas-Folie-Laminate) bestückt. Die Module haben die Abmessungen 1.520 x 710 x 5 mm und wiegen jeweils 13 kg. Sie bestehen aus 4 mm hochtransparentem Solarglas über 36 monokristallinen Solarzellen, eingebettet (verkapselt) in eine transparente Kunststoffschicht aus EVA (Ethylenvinylacetat) auf einem mehrlagigen Folienverbund.

Jede der Technikzentralen ist anders geformt, sie sind von den Fassaden zurückversetzt angeordnet und folgen deren geschwungener Form. Demnach sind auch die Solardächer unterschiedlich ausgebildet: Die Anzahl der PV-Module pro Bauteil variiert von 255 bis 380, die Leistung der Module eines Dachs liegt zwischen 35,70 kWp und 53,20 kWp. Die gesamte Photovoltaikanlage erreicht eine Nennleistung von etwa 203 kWp. Über einen Drehstromeinspeisezähler wird der erzeugte Strom jedes Bauteils dem hausinternen Netz zugeführt. Auf diese Weise lassen sich rund 20% des Energiebedarfs zur Beleuchtung des Gebäudes decken, was allerdings nur 1,8% des gesamten Energiebedarfs ausmacht.

Zur Energieversorgung des Bürohauses wird außerdem Geothermiegenutzt: Durch Kunststoffleitungen, die in Gründungspfählen aus Stahlbeton verlaufen, wird Wasser aus 25 m Tiefe nach oben gepumpt. Über Wärmetauscher dient es im Winter zur Beheizung und im Sommer zur Kühlung der Innenräume; auf diese Weise lassen sich etwa 15% des Energiebedarfs decken. Zur ergänzenden Beheizung wird Fernwärme eingesetzt.

Die Kühlung der Büroräume ist wesentlich energieaufwändiger als ihre Beheizung. Die Fassade ist daher so ausgebildet, dass die Sommerhitze gar nicht erst eindringen kann: Vor zuviel Sonne schützen Jalousien zwischen einer äußeren Scheibe und der Doppelverglasung, der Zwischenraum wird dabei ständig von Frischluft durchströmt und gekühlt. -us

Bautafel

Architekten: Sauerbruch Hutton, Berlin
Projektbeteiligte: Maximilian Thalmair (Projektleiter ADAC); Kofler Energies, Bochum (Technische Gesamtplanung); Kampmann, Lingen Baumgartner, Kippenheim (Planung PV-Anlagen); Sunstrom, Dresden (Ausführung PV-Anlagen); Solarwatt, Dresden (Hersteller PV-Anlagen)
Bauherr: ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club
Fertigstellung: 2012
Standort: Hansastraße 19, 80686 München 
Bildnachweis: ADAC, München

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