Bahnhof in Kerpen-Horrem

Innen und außen Dynamische Deckung aus blaugrauem Schiefer

Mitten im Rheinland zwischen Köln und Aachen bildet der Bahnhof Kerpen-Horrem einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt für den Pendlerverkehr: rund 12.000 Reisende bewegen sich hier täglich. Sie steigen aus Bus oder S-Bahn, vom Auto oder Fahrrad in die Regionalexpresszüge und umgekehrt. Damit sie ihr Ziel reibungslos und möglichst angenehm erreichen, spielen kurze Wege, eine qualitätvolle Wartezone sowie elementare Dienstleistungen vor Ort eine zentrale Rolle. Mit diesen Prämissen entstand ein neues Bahnhofsgebäude nach Plänen von I.SBP Architekten, das als Deutschlands erstes CO2-neutrales Bauwerk seiner Art gilt. Der Entwurf des Deutsche Bahn-eigenen Berliner Planungsbüros erfolgte auf Grundlage der städtebaulichen Rahmenplanung mit zentralem Omnibusbahnhof, Radstation und Fußgängerbrücke von HJPplaner aus Aachen. 

Gallerie

Der schlichte, eingeschossige Baukörper auf rechteckigem Grundriss, mit großen Verglasungen und weit auskragenden Dachflächen zeigt sich auch äußerlich auf das Wesentliche konzentriert. Eine breite Vorzone mit Fußweg trennt ihn von der Bahnhofstraße und den Taxistellplätzen. Der Eingang an der langen Südseite ist Teil einer breiten transparenten Zone, die beidseitig durch geschlossene Fassaden mit blaugrauem  Schiefer gefasst ist. Die klare Gliederung des Baukörpers in offene und geschlosse Flächen setzt sich konsequent fort: Die verglaste Ostfassade schafft einen lichtdurchfluteten Wartesaal mit direktem Sichtbezug zum Bahnsteig 1 und dem angrenzenden Busbahnhof. Als Gegenpol dazu ist die Westseite komplett geschlossen; hier befinden sich Sanitärräume, Technik- und Lagerflächen. Wer das Bahnhofsgebäude einfach nur durchqueren will, kann dies ohne Umschweife tun, denn Ein- und Ausgänge liegen an den Längsseiten auf einer Achse. Wichtige Funktionen wie der Fahrkartenschalter, eine Bäckerei mit Stehcafé und ein Zeitschriftenkiosk befinden sich westlich dieser Durchwegung und damit immer noch zentral im Gebäude.

Sein Primärtragwerk besteht überwiegend aus Holz und einem gewissen Stahlanteil. Markantes Merkmal des Bahnhofsgebäudes ist ein senkrechter, rahmenartiger Dachaufsatz, der an drei Seiten mit Schiefer bekleidet, gen Osten hingegen verglast ist. An der südlichen Eingangsseite erscheint er als vertikale Fortführung der Schieferfassade und trägt das DB-Logo. Über die transparente Seite der Rahmenkonstruktion wird das Tageslicht zunächst an der geschlossenen Rückwand reflektiert und weiter ins Herz des Bahnhofs gelenkt (siehe Abb. 10). Eine Treppe unterhalb des Lichtschachts ist dem Bahnpersonal vorbehalten: Sie führt zu einem Balkon mit Aussicht auf die Gleisanlagen und weiter auf die begrünte Dachterrasse.

Doch nur ein Teil der Dachfläche ist begrünt; hier wird das Regenwasser gesammelt und für die Spülung der öffentlichen WCs verwendet. Die restliche Dachfläche ist größtenteils mit einer Photovoltaikanlage bestückt, die im Jahresverlauf ca. 31.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Beheizung und Kühlung des Gebäudes erfolgen über Geothermie. Mithilfe von Solarthermie (auf dem Dach der erhöhten Rahmenkonstruktion) wird Warmwasser erzeugt. Das Beleuchtungskonzept basiert auf der Kombination von Tageslicht mit energiesparender Leuchtdioden-Lichttechnik.

Schiefer
In der Region um Horrem gehört Schiefer zu den traditionellen Dach- und Fassadenmaterialien – dieser lokale Bezug war den Architekten wichtig. So ist die Bahnhofsfassade neben Glas geprägt durch blaugrauen Schiefer (Qualität InterSIN). Die rechteckigen Platten in unterschiedlichen Formaten (7,5 x 30 bis 15 x 40 cm) sind als Dynamische Deckung verlegt und erzeugen den Eindruck eines unregelmäßigen Mauerwerksverbandes. Die Höhenüberdeckung beträgt mind. 50 mm. Ihre Befestigung erfolgte mit feuerverzinkten Schiefernägeln über einer diffusionsoffenen Unterspannbahn auf einer imprägnierten Holzschalung; im Sockelbereich durch Verschraubung auf einer Alu-Unterkonstruktion. Die Schalung ist auf Kanthölzern (40 x 60 mm) im Abstand von 60 cm befestigt, dahinter schützen DWD-Platten die Dämmung (siehe Abb. 13). Auch die Innenwände der Wartehalle sind mit einer solchen Schieferdeckung bekleidet. (us)

Bautafel

Architekten: I.SBP Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: HJPplaner – Heinz Jahnen Pflüger, Aachen (Städtebaulicher Rahmenplan); Rathscheck Schiefer, Mayen (Schiefer)
Bauherr:
DB Station & Service, Aachen
Fertigstellung:
2014
Standort:
Bahnhofstraße 9, 50169 Kerpen
Bildnachweis: Christian Gahl, Berlin und Michael Neuhaus, Duisburg

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