Rettungskonzepte für Holzbauten

Bauliche Rettungswege, Schutzziele und technische Maßnahmen

Ein vorrangiges Schutzziel im Baurecht ist die Flucht oder Rettung von Personen oder Tieren. Daher fordert der Gesetzgeber neben dem ersten baulichen Rettungsweg (i.d.R. eine notwendige Treppe in einem notwendigen Treppenraum) einen zweiten Rettungsweg. Er muss bei Sonderbauten meistens baulich hergestellt werden, kann bei Wohnungen und wohnungsähnlicher Nutzung aber auch über die Rettungsgeräte der Feuerwehr und anleiterbare Fenster gewährleistet werden.

Gallerie

Die hierfür ab der Gebäudeklasse 4 erforderlichen Feuerwehraufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge sowie die anleiterbaren Fenster sollten vorzugsweise auf der dem notwendigen Treppenraum gegenüberliegenden Seite angeordnet sein. Auf diese Weise wird eine vom ersten Rettungsweg unabhängige Fluchtmöglichkeit geschaffen, die im Falle des Ausfalls der Treppe die Rettung gewährleistet. Ein zweiter baulicher Rettungsweg, beispielsweise in Form einer offenen Außentreppe, ist auch dann bei Wohngebäuden erforderlich, wenn z.B. – vor allem in innerstädtischen Bereichen – der Platz für die Aufstellflächen der Feuerwehr fehlt.

Das Schutzziel „wirksame Löschmaßnahmen” sowie der Sachschutz sind in der Priorität dem Personenschutz nachgeordnet. Eine Verbesserung der Möglichkeiten zur Flucht und Rettung kann daher ein wichtiges Argument für die Kompensation baurechtlicher Abweichungen darstellen. Insbesondere in der GK 5 können „sichere” Treppenräume (Treppenräume in Anlehnung an einen Sicherheitstreppenraum) oder verkürzte Rettungsweglängen das Sicherheitsniveau von Holzbauten erhöhen und Abweichungen gerechtfertigen.

Notwendiger Treppenraum in Massivbauweise
Eine Variante stellt der notwendige Treppenraum in Massivbauweise (Stahlbeton) dar, zumal wenn er außerhalb des Gebäudes liegt oder der Zugang zumindest über einen Gang im „freien Luftstrom” erfolgt. Analog zu einem Sicherheitstreppenraum können in diesen Treppenraum Feuer oder Rauch nicht (oder nur sehr spät) eindringen. Für die Feuerwehr stellen solche Treppenräume einen sicheren Angriffsweg in die vom Brand betroffenen Ebenen dar. Innenliegende Treppenräume können z.B. durch Spüllüftungsanlagen (meist mit geregelter Druckhaltung) in Verbindung mit feuerhemmenden, rauchdichten und selbstschließenden Türen, durch Rauchschutz-Druckanlagen (RDA) oder durch selbstständige Löschanlagen (Wassernebel) feuer- und rauchfrei gehalten werden.

Die in vielen Ländern nach wie vor erforderlichen Abweichungen in der GK 4 oder 5 sollten in Brandschutzkonzepten oder -nachweisen aufgeführt, begründet und die entsprechenden Kompensationen ermittelt werden. Zu den Kompensationen können insbesondere kurze und eindeutig organisierte Rettungswege sowie übersichtliche Brand- oder Rauchabschnitte gehören.

Andere technische Kompensation sind adäquate Anlagen zur Brandmeldung und Alarmierung – über die bereits in allen Ländern bauaufsichtlich erforderlichen Rauchwarnmelder (RWM) hinaus. Eine schnelle Alarmierung und eine zügige Evakuierung des Gebäudes kann für die Rettung von Menschenleben entscheidend sein. Neben Brandmeldeanlagen, die u.a. in der DIN 14675: Brandmeldeanlagen – Teil 1: Aufbau und Betrieb geregelt sind, kommen auch Hausalarmanlagen in Betracht, die zwar die Branderkennung und Alarmierung übernehmen, aber nicht direkt zur Leitstelle der Feuerwehr aufgeschaltet sind.

Autor: Reinhard Eberl-Pacan

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