Stadtverwaltung von Buenos Aires

Welle aus Beton

Einen ganzen Block überspannt das gewellte Dach der Stadtverwaltung von Buenos Aires. Der Bau besetzt eine industrielle Brache im Viertel Parque Patricios und ist nur durch eine Straße von dem gleichnamigen öffentlichen Park getrennt. Geplant wurde der Komplex von Foster + Parters in Kooperation mit den argentinischen Büros Berdichevsky Cherny Arquitectos und Edgardo Minond. Ursprünglich sollte die städtische Banco Ciudad in den Komplex einziehen. Die kurzfristige Nutzungsänderung bescherte den Angestellten der Stadt großzügige, helle und offene Büroflächen, wie sie in Kommunalverwaltungen selten zu finden sind.

Gallerie

Nach Norden und Süden ist der Bau großflächig verglast, nach Westen und Osten zeigt er sich weitgehend geschlossen. Sein prägendes Element ist das wellenförmige Dach, das auf teilweise gebäudehohen Rundstützen ruht. Bis zu vier terrassenartig angeordnete Galeriegeschosse mit Büroflächen und Versammlungsräumen orientieren sich zu einem weitläufigen Atrium an der nördlichen Eingangsseite. Jeweils unterhalb der langen Oberlichter an den Scheitelpunkten der Wellen verbinden großzügige Treppenläufe die Stockwerke. Zusätzlich gibt es mehrere Kerne mit Aufzügen und Nottreppen, die unter anderem zu einer dreigeschossigen Tiefgarage führen.

Viel Luft nach oben
Die etwa 1.500 Mitarbeiter der Stadtverwaltung sitzen großteils in offenen Bürolandschaften, die über mehrere Geschosse verlaufen und vor allem im Norden den Blick zum Park und die eindrucksvolle Dachuntersicht zulassen. Im südlichen Bereich lockern zwei bepflanzte Innenhöfe die Struktur auf und lassen zusätzliches Tageslicht ins Innere. Die Grundrisse basieren auf einem Raster von acht Metern – so kann auf notwendige räumliche Änderungen künftig flexibel reagiert werden. Die aktuelle Nutzung als Großraumbüro ist noch nicht ausgelastet – viele Schreibtische sind nicht besetzt und stehen für Personalzuwachs zur Verfügung. Neben den Flächen für die Verwaltung beherbergt der Bau eine Kantine und ein unterirdisches Auditorium.

Ein nachhaltiger Betrieb des Gebäudes war ein wichtiger Aspekt der Planung, was durch eine LEED-Zertifizierung belegt ist. So kragt das Dach zum Beispiel weit aus, um die Glasfassade im Süden und den Eingangsbereich im Norden zu beschatten. Die Unterseite wurde in Ortbeton ausgeführt, um die Möglichkeit der thermischen Aktivierung zu nutzen. Gekühlt wird die Betonfläche durch ein Kühlmedium, das durch die darüber liegenden Träger fließt. Über dem dafür notwendigen Hohlraum wurden Fertigteilelemente verlegt, die mit einer dünnen Schicht Beton zu einer Dachhaut vergossen wurden.

Gerüst und Schalung: Alles unter einem Dach
Die Schalung des wellenförmigen Dachs mit seiner Fläche von 9.000 Quadratmetern und seiner Unterseite in Sichtbeton war eine besondere Herausforderung für das Planungsteam. Für die Konstruktion in 20 Metern Höhe wählte man eine Methode, bei der Traggerüst und Schalung eng zusammenspielen: Die Umsetzwagen, mit denen sich die bis zu 24 Meter langen und zwei Tonnen schweren Schaltische verschieben ließen, lagerten auf den Zwischenplattformen des Systemgerüsts.

Die Tischelemente selbst wurden exakt nach Maß vorgefertigt, wobei die Rundungen durch eine Aufdopplung der Tragelemente mit entsprechend zugeschnittenen Holzstücken geformt wurden. Das Dach stellte man in sechs Betonierabschnitten mit je 16 Metern Taktlänge her. Das Gerüst wanderte mit, sodass nur eine begrenzte Menge der entsprechenden Bauteile vorgehalten werden musste.

Die Schalhaut, die in bestimmten Bereichen mit Brettern versehen wurde, um eine reliefartige Struktur in die Untersicht der Decke einzuprägen, wurde vor jedem Betonierabschnitt überprüft und repariert. Die Betonrezeptur basiert auf einem Zement mit 30 Prozent Hüttensand, der unter anderem für die hellgraue Farbe des Materials sorgt. Nach dem Aushärten wurden die Betonflächen gereinigt und – je nach Lage – maschinell oder von Hand sandgestrahlt.

Bautafel

Architektur: Foster + Partners, London, in Kooperation mit Berdichevsky Cherny Arquitectos (inzwischen: Berdichevsky & Asociados Arquitectos), Buenos Aires, und Edgardo Minond, Buenos Aires
Projektbeteiligte: Curutchet-Del Villar Ingenieros Civiles, Buenos Aires (Tragwerksplanung); Estudio Grinberg, Buenos Aires (Energieberatung); Eli Sirlin, Buenos Aires (Lichtplanung); Estudio Marta Carena, Buenos Aires (Landschaftsarchitektur); PERI, Weißenhorn (Gerüste und Schalung)
Bauherrschaft: CRIBA, Buenos Aires
Standort: Uspallata 3100, Ciudad de Buenos Aires, Argentinien
Fertigstellung: 2015
Bildnachweis: Nigel Young, Foster + Partners, London; Peri, Weißenhorn

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