Windlasten auf Dächern mit Dachziegel- und Dachsteindeckungen

Fachregeln des ZVDH

Dächer schützen und gestalten unsere Gebäude und sind aufgrund ihrer Lage diversen Naturgewalten ausgesetzt. Mit der Klimaveränderung in Europa treten immer stärkere Stürme und Orkane auf, was zu Millionenschäden bei Dächern führt. Der Zentralverband des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) hat auf diese Entwicklung reagiert. Mit der neuen Fachinformation Windlasten auf Dächern mit Dachziegel- und Dachsteindeckungen setzte der ZVDH im März 2011 entsprechend verschärfte Fachregeln in Kraft.

Gallerie

In der Fachinformation werden die Windlasten auf Dächern neu definiert, die Dachbereiche neu eingeteilt und die Anforderungen an die Befestigungen erhöht – eine Reaktion auf die Neuauflage der DIN 1055-4 Einwirkungen auf Tragwerke: Windlasten. Mit der DIN 1055-4, der DIN EN 14437 Bestimmung des Abhebewiderstandes von Dachdeckungen mit Dachziegeln oder Dachsteinen (Dachpfannen) - Prüfverfahren für Dachsysteme und der neuen Windzonenkarte sind auch die Anforderungen an Sturmklammern gestiegen. Die bisher gültigen Ergebnisse nach der niederländischen Prüfnorm sind damit hinfällig.

Wichtige Fachregeln, Normen und Schriftreihen zum Thema Windsog:

  • Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks: Fachregel für Dächer mit Abdichtungen (ZVDH)
  • Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks: Fachregel für Dachdeckungen (ZVDH)
  • Fachinformation: Windlasten auf Dächern mit Dachziegeln und Dachsteindeckungen
  • Befestigung von Metalldächern und -fassaden: Berechnungsgrundlagen zur Windlastnorm DIN 1055-4 Einwirkungen auf Tragwerke: Windlasten
  • DIN 1055 Einwirkungen auf Tragwerke
  • Teil 1: Wichten und Flächenlasten von Baustoffen, Bauteilen und Lagerstoffen
  • Teil 4: Windlasten
  • Teil 100: Grundlagen der Tragwerksplanung - Sicherheitskonzept und Bemessungsregeln
  • DIN EN 1991-1-4 Einwirkungen auf Tragwerke: Allgemeine Einwirkungen - Windlasten
  • Bestimmung des Abhebewiderstandes von Dachdeckungen mit Dachziegeln oder Dachsteinen - Prüfverfahren für Dachsysteme

Zur Einschätzung, welche Maßnahmen zum Schutz der Dachdeckung getroffen werden müssen, sind folgende Grunddaten zu erfassen:

  • Gebäudestandort
  • Dachform
  • Gebäudeabmessungen
  • Dachneigung
  • Deckunterlage
  • Dachziegelmodell
Für die richtige Auswahl der Windsogsicherung wird für das jeweilige Objekt eine Windlastberechnung durchgeführt. Dafür erfolgt eine Dachbereichseinteilung. Für jede unterschiedliche Richtung, aus der der Wind auf ein Objekt einwirken kann, wird auf dem Dach ein Bereich eingeteilt – senkrecht und parallel zum Firstverlauf. Ist das Flächengewicht des Dachziegels gleich oder besser größer als die Windlast, so wird keine Sturmklammerung benötigt. Ist die Windlast größer als das Eigengewicht der Eindeckung, muss die Verwendung mechanischer Befestigung ermittelt werden.

Zusätzlichen Einfluss hat die Deckunterlage. Die Neuregelung zur Berechnung der erforderlichen Windsogsicherung unterscheidet dabei zwischen folgenden Varianten:

1. Geschlossene Gebäude mit geschlossener Deckunterlage und/oder durchströmungshemmender Schicht:

  • Ortbeton- und Massivdächer
  • Holzschalungen mit Unterdeckungen
  • Unterdächer
  • Verfalzte Unterdeckplatten
  • Unterspannungen im Bereich von nicht ausgebauten Spitzböden
2. Geschlossene Gebäude mit Unterspannung ohne durchströmungshemmende Schicht

Das Dachziegelmodell und die dazugehörige Sturmklammer bilden das Windsogsicherungssystem. Diese Kombination muss vom Hersteller nach DIN EN 14437 Bestimmung des Abhebewiderstandes von Dachdeckungen mit Dachziegeln oder Dachsteinen (Dachpfannen) - Prüfverfahren für Dachsysteme geprüft werden.

Für ein Windsogsicherungssystem sind folgende Verlegeschemata möglich:

  • Keine Pfanne wird verklammert
  • Jede dritte Pfanne wird verklammert
  • Jede zweite Pfanne wird verklammert
  • Jede Pfanne wird verklammert
Form- oder Dachziegel, die am Ortgang, Grat, First bzw. Pult liegen, müssen einzeln und mechanisch auf der Tragkonstruktion befestigt werden.

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