Regenwasser: Planung von Entwässerungsanlagen

Bei der Planung und Bemessung von Regenentwässerungsanlagen sollten gemäß DIN 1986-100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke - Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752: Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden - Kanalmanagement und DIN EN 12056: Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden in der Fassung von Dezember 2016 vorrangig alle Möglichkeiten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung genutzt werden, um die Einleitung von Regenwasser in die öffentliche Kanalisation nachhaltig zu reduzieren. Beachtet werden muss dabei immer auch die KOSTRA-DWD Starkniederschlagshöhen für Deutschland in der aktuellen Fassung.

Gallerie

Zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung zählen:

  • die Speicherung und Nutzung von Regenwasser
  • die Versickerung auf dem Gelände oder Rigolen-Versickerung (siehe Fachbeiträge Regenwasserversickerung und Rigolen-Versickerung)
  • die Einleitung in ein oberirdisches Gewässer
  • außerdem die Vermeidung von versiegelten Flächen und
  • die Schaffung von Verdunstungsmöglichkeiten, z.B. durch Dachbegrünung(en)
Hintergrund für diese Regelung: Da die öffentlichen Kanäle aufgrund der stetigen Erweiterung der Bebauung und durch häufiger vorkommende Starkregenereignisse vermehrt überlastet sind, verwehren viele Städte und Gemeinden ganz oder teilweise die Einleitung von Regenwasser vom Grundstück in die öffentliche Kanalisation. Regenwasser darf nicht auf öffentliche Verkehrsflächen geleitet werden.

Faktoren für die Planung und Bemessung von Regenwasserleitungen
Für die Planung und Bemessung von Regenentwässerungsanlagen sind folgende Faktoren zu berücksichtigen: Regenspenden (r), die sogenannten abflusswirksamen Flächen (A) sowie der Abflussbeiwert (C). Die Entwässerungsleitungen werden nach dem Regenwasserabfluss  Qr in l/s bemessen:

Qr = r (D,T) x C x A x 1/10.000

Regenspenden (r)
Die Bemessungsregenspende (auch Regenspende genannt) ist eine Kenngröße zur Berechnung von anfallenden Regenwassermengen und für die Bemessung von Regenentwässerungsanlagen, Notentwässerungen sowie zur Erstellung von Überlastungs- und Überflutungsnachweisen. Zur Ermittlung der erforderlichen Regenspenden sind die Werte nach KOSTRA-DWD zu verwenden. In Tabelle A.1 der DIN 1986-100 befindet sich eine Übersicht der Regenspenden für mehere Großstädte in Deutschland. Die Jährlichkeit des Berechnungsregens für die Entwässerung von Dachflächen muss mindestens einmal in 5 Jahren (T = 5) betragen. Die maßgebende Regendauer ist weiterhin mit D = 5 Minuten zu berücksichtigen. Eine Berechnungsregenspende r(5,5) ist für alle Dachflächen, unabhängig von der Dachneigung und Konstruktion, maßgebend.

Beispiel Berechnung in der Stadt Bonn: r(5,5) = 299 l/(s ha)

Die Jährlichkeit des Berechnungsregens für Grundstücksflächen (ausgenommen Dachflächen) muss für Niederschlagsflächen ohne geplante Regenrückhaltung mindestens einmal in 2 Jahren (T = 2) betragen. Bei einer vorgeschriebenen Regendauer von D = 5 Minuten muss für diese Flächen auch weiterhin eine Berechnungsregenspende r(5,2) in Ansatz gebracht werden.

Beispiel Berechnung in der Stadt Bonn: r(5,2) = 215 l/(s ha)

Abflusswirksame Flächen (A)
Als wirksame Dachfläche gilt in Deutschland grundsätzlich die im Grundriss projizierte Dachfläche. Bei größeren aufgehenden Fassaden mit Windeinwirkung hat der Planer zu prüfen, ob mit einem Einfluss auf den Regenwasserabfluss in die Entwässerungsanlage zu rechnen ist. Wenn dies der Fall ist, muss die wirksame Fläche gemäß DIN 12056-3: Dachentwässerung, Planung und Bemessung berechnet werden. Hierbei wird die Gesamtfläche der aufgehenden Fassade zu fünfzig Prozent als wirksame Fläche angerechnet. Die abflusswirksame Grundstücksfläche ist aus dem Außenanlagenplan unter Berücksichtigung der Abflussbeiwerte zu berechnen (siehe Abb. 2).

Abflussbeiwert (C)
Zur Ermittlung des Regenwasserabflusses beispielsweise nach einem Starkregen dient der Abflussbeiwert C. Er ist in der DIN 1986-100 festgelegt und abhängig von der Art der Niederschlagsfläche. Für Kiesdächer ist bspw. ein Abflussbeiwert von 0,5 zu berücksichtigen, für Gründächer je nach Beschaffenheit 0,3 oder 0,5, für die übrigen Dächer gilt der Abflussbeiwert 1,0. Balkone und Loggien

Das generelle Verbot für den Anschluss von Abläufen zur Entwässerung von Balkonen und Loggien an Regenwasserfallleitungen von Dachentwässerungen wurde in der Änderung von 2016 aufgehoben und der Anschluss unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen:

Wenn Balkone und Loggien keine geschlossene Brüstung haben, kann auf getrennte Fallleitungen für die Dach- und Balkonentwässerung verzichtet werden. Hierbei müssen mindestens fünfzig Prozent der Brüstung als freier Ablauf zur Verfügung stehen, damit das Wasser im Überflutungsfall ungehindert abfließen kann. Abläufe von Balkonen und Loggien im Erdgeschoss sollten aus Sicherheitsgründen getrennt an die Regenwassergrundleitung angeschlossen werden. Abläufe von Terrassen sollten wegen Überflutungsgefahr möglichst erst nach einem Entspannungspunkt (Hofablauf oder Schacht mit offenem Durchfluss und Lüftungsöffnungen) an die weiterführende Regenwassergrundleitung angeschlossen werden.

Bemessungsgrundlagen

In der Vergangenheit war es bei großen privaten Grundstücken mit eigener Infrastruktur nicht immer klar, ob die Bemessung nach DIN 1986-100 oder nach den Regelwerken der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) erfolgen sollte. Im Abschnitt 14.2.1 wurde mit der Änderung 2016 eine klare Abgrenzung vorgenommen: Die Bemessungsregeln nach DIN 1986-100 sind für Grundstücke bis zu einer befestigten Fläche bis etwa 60 ha (AE,b) oder Fließzeiten bis zum Anschlusspunkt an ein Gewässer oder den öffentlichen Anschlusskanal bis etwa 15 Minuten anzuwenden. Die Berechnung von Au muss mit dem Spitzenabflussbeiwert Cs nach Tabelle 9 durchgeführt werden.

Europäische Entwässerungsnormen

Die Anforderungen der europäischen Entwässerungsnormen DIN EN 12056-1: Allgemeine und Ausführungsanforderungen bis 12056-3 und teilweise DIN EN 12056-4: Abwasserhebeanlagen; Planung und Bemessung sowie DIN EN 752 wurden bei der Änderung 2016 berücksichtigt.

Ausnahmeregelung nach Abschnitt 5.3.1 im Anhang C

Im Gegensatz zum Abschnitt 6.4 der Euronorm DIN EN 12056-3, Ausgabe Januar 2001 darf in Deutschland grundsätzlich kein Regenwasser in Schmutzwasserfallleitungen eingeleitet werden. Dies gilt gemäß Abschnitt 5.3.1 der neuen DIN 1986-100 nicht für die Entwässerung von Auffangflächen von im Freien aufgestellten Kühlaggregaten von Kälteanlagen nach § 19 (4) AwSV (Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen) mit einem maximalen Regenwasserabfluss ≤1,0 l/s über Dachabläufe mit DN 50 an eine Schmutzwasserfallleitung ≥ DN 100.  Die entsprechenden Anforderungen für die Planung und Ausführung gemäß der Ausnahmeregelung sind im Anhang C der Norm enthalten.

Quelle: IZEG Informationszentrum Entwässerungstechnik Guss, Bonn

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