Noorderparkbad in Amsterdam

Familienbad mit Referenzen an die Amsterdamer Schule

Die Amsterdamer benennen ihre Viertel, öffentlichen Plätze und Bauten gerne nach den Himmelsrichtungen. Dieser Logik folgend heißt einer der großen Parks im Norden der Stadt, durch den der Nordhollandkanal fließt, Noorderpark. Mit dem Noorderparkbad ist dort nun im nordwestlichen Zipfel der Grünanlage ein neues Hallen- und Freibad entstanden. Der Entwurf stammt von De Architekten Cie. Wie bereits bei vorherigen Projekten des Büros finden sich Referenzen an die Amsterdamer Schule. Der organisch geschwungene Grundriss des Hallenbades ist ebenso ein Verweis auf den prägenden Architekturstil der 1910er und 20er Jahre wie die in zwei Farben kunstvoll geklinkerte Fassade und die ornamentale Fliesenverlegung im Inneren.

Gallerie

Fassadenrelief und Metallvorhang
Im Wechsel wurde jeweils eine Schicht sandfarbener Ziegel und eine roter Ziegel vermauert. Dabei sind die Reihen nicht bündig, sondern die roten Steine kragen etwas hervor. Somit erhält die Fassade zusätzlich zum Farbspiel noch Tiefenwirkung. An der nördlichen, zum Parkplatz gelegenen Seite wurde der Name des Bades als über die gesamte Länge reichender Schriftzug aus roten Klinkern eingearbeitet. Sogenannte Regenvorhänge aus feingliedrigen Metallketten, die vom auskragenden Dach herabhängen, wirken wie ein sich hebender und senkender Vorhang vor der gestreiften Klinkerfassade. Bei Regen rinnt das Wasser an den Ketten entlang, wird aufgefangen und nach der Aufbereitung als Badewasser genutzt. Im Winter bilden sich an dem Metall Eiszapfen, im Sommer bieten die Vorhänge Sonnen- sowie ganzjährig auch Sichtschutz.

Energieeffizientes Freizeitbad für alle Bedürfnisse
Die Besucher betreten das Hallenbad von Nordosten. Vom Foyer gelangt man direkt in ein Café in der östlichen Rundung des Gebäudes. Dieses verfügt über eine große Terrasse, mit Zugang zu den Liegewiesen und den Außenbecken. Rechterhand führt der Weg zu den Umkleiden und Duschen, die entlang der Nord- und Südwestseite untergebracht sind. Die Becken orientieren sich gen Südosten zum Außenbereich. Neben zwei Schwimmerbecken mit Sprungturm bzw. Tribüne gibt es noch ein Kinder- sowie ein Babybecken. Highlight für die jüngeren Besucher dürfte allerdings die große Röhrenrutsche sein, die sich an zwei Seiten durch die Halle schlängelt und in einem separaten kleinen Becken mündet.

Die einzelnen Bereiche sind thermisch und akustisch durch großzügig verglaste Innenwände voneinander getrennt. Die relativ niedrige Holzdecke mit rautenförmig angeordneten Schichtholzträgern schafft eine intime Atmosphäre und hilft darüber hinaus, Energie einzusparen. Oberhalb der Schwimmerbecken öffnet sich der Raum auf doppelte Höhe, sodass von außen der Eindruck eines Staffelgeschosses entsteht. Durch die seitlichen Verglasungen fällt an dieser Stelle wie bei einem Obergaden viel natürliches Licht von oben in die Halle. Der niedrige Energiebedarf wird zu großen Teilen durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach gedeckt.

Der von Liegewiesen umgebene Freibadbereich umfasst vier Becken mit denselben Funktionen wie die Hallenbecken. Zusätzlich findet sich dort eine große Wellenrutsche, auf der mehrere Personen nebeneinander rutschen können.

Fliesen: Huldigung des Ornaments
Im Inneren nutzten die Planenden wie bei der Fassade zweifarbige Keramik, um florale sowie wellen-, spiral- und rautenförmige Muster zu schaffen. Die cremefarbenen und hellgraublauen Fliesen finden sich bereits im Foyer, setzen sich im Café fort und bekleiden in den Umkleiden und Duschen sowie im Beckenbereich Böden und Wände. Zwischen den Sportbecken ließen die Planenden den Schriftzug Noorderparkbad einarbeiten.

Die quadratischen Keramikelemente mit einem Kantenmaß von 25 cm sind unglasiert und verleihen den Oberflächen einen weichen, taktilen Charakter. Der Verzicht auf Glasur erhöht zudem die Trittsicherheit. Beide Farben sind Sonderanfertigungen. Lediglich in den Becken kamen weiße Standardfliesen zum Einsatz.

Die ornamentale Gestaltung ist ein bestimmendes Merkmal der Innenräume: So korrespondieren die Verlegemuster der Fliesen mit den rautenförmig angeordneten Schichtholzträgern der Decke, deren strenge Ordnung sie aufzulösen und neu zu interpretieren scheinen. An der Röhrenrutsche wurden Farben und Muster der Fliesen durch eine entsprechende Bemalung aufgegriffen. Die reduzierte Farbpalette sorgt dafür, dass der Gesamteindruck zwar verspielt und abwechslungsreich, aber dennoch harmonisch und nicht überladen wirkt.

Bautafel

Architekten: De Architekten Cie., Amsterdam
Projektbeteiligte: Versluisgroep, Sassenheim (Bauleitung); van Rossum, Amsterdam (Statik); Deerns Consultancy Engineers, Groningen / LBPI sight, Nieuwegein (Bauphysik); Agrob Buchtal, Schwarzenfeld (Fliesen / Produkt: Chroma Pool)
Bauherrschaft: Stadt Amsterdam
Fertigstellung:
2016
Standort: Sneeuwbalweg 5, 10032 VS Amsterdam, Niederlande
Bildnachweis: Marcel van der Burg, Amsterdam; Jeroen Musch, Rotterdam; Agrob Buchtal, Schwarzenfeld; De Architekten Cie, Amsterdam

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