Terminus Hoenheim-Nord, Straßburg/F

Oberlichtstreifen als Bewegungsmuster

Gallerie

Schon seit langem bemüht sich die Stadt Straßburg, die Innenstadt von permanent wachsendem Personennahverkehr und damit einhergehender Lärm- und Schadstoffbelastung zu befreien. Aus diesem Grund wurde das Konzept entwickelt, außerhalb der Stadt Parkplätze an Straßenbahnendhaltestellen anzulegen, um damit der Bevölkerung den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr so einfach wie möglich zu machen. Wesentlicher Bestandteil des Konzepts war die Realisierung von zwei Straßenbahnlinien A und B, die die Stadt in Ost-West- bzw. Nord-Süd-Richtung durchqueren.

Der Terminus Hoenheim-Nord ist eine dieser Endhaltestellen mit einem Parkplatz für ca. 800 Pkw. Als weitere Funktionen sind Bushaltestellen, ein Wartebereich, Fahrradstellflächen, Toiletten und ein kleiner Laden integriert. Ganz im Sinne der verkehrsplanerischen Idee verzahnt Zaha Hadid den Parkplatz mit der Straßenbahnstation, indem sie für die Station eine Art zweite Ebene aus der Grundfläche emporhebt und zum Dach eines eingeschossigen Volumens faltet. Die beiden Ebenen - Parkplatz und Station - werden lediglich graphisch unterschieden, nämlich hellgrau durch den Sichtbeton der Station und dunkelgrau durch den Asphaltbelag des Parkplatzes.

Fenster und Oberlichter
Zaha Hadid verzichtet fast völlig auf "konventionelle" vertikale Fenster, um einerseits natürliche und künstliche Belichtung und andererseits klare Funktionsabläufe mit Hilfe eines weiteren graphischen Mittels zu schaffen. So werden beide Ebenen mit einem System aus Linien überzogen, die in ihren Abmessungen vergleichbar sind mit den Markierungslinien auf Fahrbahnen. Einige der Linien sind tatsächlich Fahrbahnmarkierungen, andere sind jedoch Beleuchtungsfelder auf dem Boden, einige werden körperhaft zu Mobiliar wie Sitzbänken oder Leuchtstelen, sowie zu Oberlichtern.

Diese ca. 80 Oberlicht-Linien - ausgestanzte "Loch-Streifen" in der Stahlbetondecke ebenso wie Aussparungen für flächenbündig eingelassene Neonröhren - erzeugen bei ausreichendem Sonneneinfall weitere "Licht-Linien" als Reflexion auf dem Boden. Bei "normalem" Wetter versorgen sie die Bereiche unterhalb des riesigen Stahlbetondachs mit ausreichendem Tageslicht.

Sämtliche Linien bilden ein dynamisches Muster und wecken Assoziationen an Spuren unterschiedlicher Grade der Geschwindigkeit von Pkw, Straßenbahn, Bus, Fahrrädern und Fußgängern. Durch das Zusammenspiel von Linien-Muster, natürlichem Lichteinfall, gefalteten Volumina, heller und dunkler Ebene und dem Verkehrsfluß ist ein architektonisch sehr spannender Raum entstanden, dem eine rege Nutzung zu wünschen ist.

Zaha Hadid wurde für den Terminus Hoenheim-Nord im Mai 2003 mit dem Mies van der Rohe Award ausgezeichnet. -ju

Als Lektüre empfiehlt sich der bei Hatje Cantz erschienene Ausstellungskatalog des MAK Wien zur Ausstellung vom 14.5. bis zum 17.8.2003:
Peter Noever (Hrsg.)
Zaha Hadid Architektur
Hatje Cantz Ostfildern-Ruit 2003, ISBN 3-7757-1364-6

Bautafel

Architekten: Zaha Hadid, London
Projektbeteiligte: Stéphane Hof, Sara Klomps, Woody K.T. Yao, Sonia Villaseca, Silvia Forlati, Patrik Schumacher, Markus Dochantschi, David Salazar, Caroline Voet, Eddie Can, Stanley Lau, David Gerber, Chris Dopheide (Mitarbeiter); Mayer Bährle (Projektberatung); Dr.-Ing. Luigi Martino (Statik); Albert Grandadam (Kontaktarchitekt); Barbara Kruger, Mario Merz (beteiligte Künstler)
Bauherr: Stadt Straßburg/F
Fertigstellung: 2001
Standort: Hoenheim-Nord, Straßburg
Bildnachweis: HatjeCantz

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