Hotel der ESO am Cerro Paranal

Kontrollierte Verdunkelung bei extremem Klima

Gallerie

Die Bezeichnung Hotel ist etwas irreführend, denn es handelt sich bei diesem Gebäude um ein Boarding-House der Wissenschaftler, die temporär für ihre Forschungen an den Teleskopanlagen der Europäischen Südsternwarte in der Atacama-Wüste anwesend sind und bisher nur eher notdürftig in Containern übernachteten. Das Gebäude in der chilenischen Wüste umfasst 120 Zimmer, eine Kantine, Loungebereiche mit einem tropischen Garten, Swimming Pool und Fitnesscenter, eine Bibliothek sowie die üblichen Nebenräume.

Das monolithisch wirkende Gebäude fügt sich durch einen mit Eisenoxyd pigmentierten Sichtbeton in die an eine Mondlandschaft erinnernde Wüste, steht aber gleichzeitig mit einer über dem Loungebereich flach gewölbten Stahlgitterkuppel in formalem Bezug zu den Riesenteleskopen auf dem Berg.

Die BGF beträgt 12.000 m² bei einer HNF von 8.000 m². Die Baukosten beliefen sich auf die erstaunlich niedrige Summe von ca. 8,7 Mio EUR, die wohl einerseits durch eine planerisch-logistische Meisterleistung als work-package und andererseits durch das Ausführungskonzept eines „veredelten Rohbaus“ (Philipp Auer) zu erklären ist.

Fenster und Türen
Die Architekten reagierten auf die Anforderungen der Atacama-Wüste mit ihren extremen Temperaturschwankungen, nur ca. 15% Luftfeuchtigkeit und extremer UV-Belastung mit einer Art Schichtenfolge der Fassade. Große und in strenger Reihung angeordnete Sichtbetonscheiben speichern die tagsüber aufgenommene thermische Energie und dienen gleichzeitig als Schutzschild vor Hitze, Sonne und Staub. Die Fenster und Türen der Hotelzimmer befinden sich tief zurückgesetzt und bilden ebenfalls in strenger Reihung ein L bestehend aus einer raumhohen Fenstertür und einem waagerechten festverglasten Oberlicht mit quadratischem Ventilationsgitter. An bestimmten Bereichen wie z.B. dem Speisesaal und der Veranstaltungszone ist diese innere Wand weiter ins Innere zurückgesetzt, um so zwischen den Betonscheiben und den Fenstertür-Wänden Loggien zu bilden.

Im Sinne des engen Budgets wurden für die Fenster und Türen 50/50-Standard-Stahlprofile gewählt, die mit einer Eisenglimmer-Lackierung (DB-Lack) optisch veredelt wurden. Die Verglasung ist eine gewöhnliche Isolierverglasung.

Eine Besonderheit stellt die Auflage nach vollständiger Verdunkelung dar, damit keinerlei nächtliche Lichtemission aus dem Hotel die empfindlichen Teleskope stört. Diese Verdunkelung erfolgt über innenliegende Rollos aus lichtundurchlässigem Stoff. In sehr sauberen und klaren Details sind die Halterungen und Führungen der Rollos flächen- bzw. kantenbündig auf die Stahlprofile abgestimmt.

Ein quadratisches Ventilationselement mit den Abmessungen 30/30 cm gewährleistet die Frischluftzufuhr während der geschlossenen Fenstertüren bei der nächtlichen Verdunkelung. Ein in dieses Lüftungselement integrierte Flieseinlage garantiert jedoch auch hier die vollständige Dunkelheit.

Als weiterführende Lektüre empfiehlt sich die Monographie des Architekturbüros:
Andrea Kiock (Hrsg.), Auer + Weber + Architekten - Arbeiten 1980 - 2003 Works, Birkhäuser Verlag für Architektur, Basel, Boston, Berlin 2003, ISBN 3-7643-7017-3

Bautafel

Architekten: Auer + Weber + Architekten, München
Projektbeteiligte: Mayr + Ludescher, München (Tragwerksplanung); HL-Technik, München (Haustechnik); Gesswein Henkel + Partner, Ostfildern (Freiraumgestaltung)
Bauherr: ESO European Southern Observatory, Garching
Fertigstellung: 2001
Standort: Cerro Paranal, Atacama-Wüste, ca. 120 km südlich von Antofagasta/Chile
Bildnachweis: Roland Halbe (Fotos), Auer + Weber + Architekten (Zeichnung)

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Ansicht Cafe Bar Brel

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Außenansicht

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