Pommersches Landesmuseum in Greifswald

Laibungstiefe Blockzargen

Nahe des Marktplatzes der alten Hanse- und Universitätsstadt Greifswald befindet sich im Ensemble eines ehemaligen Franziskanerklosters das Pommersche Landesmuseum. Für die Umgestaltung und Erweiterung zu einem Museum wurde 1996 ein beschränkter Realisierungswettbewerb ausgeschrieben, bei dem der Entwurf des Büros Sunder-Plassmann mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde. Prof. Johann Eisele, Vorsitzender des Preisgerichts, über das umgebaute Gebäude:
"Schlichte rechteckige Räume stehen mit ihrer Weiträumigkeit und ihrer Enge in einem spannungsvollen Wechsel zueinander, bestechend in ihrer Konsequenz und ihrem Respekt vor dem Bestehenden. Es stimmt das Tageslicht, das in die Decke eingenischte Kunstlicht. Es stimmen die Proportionen, die Materialien, die Farbigkeit von Boden, Wand und Decke, die insgesamt ein 'Netz visueller Verführungen' bilden. (…) Detaillösungen verstärken diesen Eindruck. Es herrscht die Kunst der Fuge. Die Architektur verzichtet darauf, sich selbst herauszustellen, vielmehr steigert sie die Wirkung der ausgestellten Kunst und lenkt die Aufmerksamkeit erst beim zweiten Blick auf sich selbst. Der "Quistorp-Bau" wurde ergänzt und - in herausragender Qualität - zum Ganzen vollendet."

Gallerie

Das "Graue Kloster" von 1845 bildet mit einem ebenfalls neu gestalteten Vorhof neben Campus, Findlingsgarten und Tiefgarage den Haupteingang mit Foyer und Gastronomie sowie Räumen für Landes- und Erdgeschichte. Das klassizistische Gebäude des Architekten J.G. Quistorp von 1793-95, eine ehemalige Stadtschule, beherbergt die Gemäldegalerie. Sonderausstellungen werden im Conventhaus aus dem 14. Jahrhundert gezeigt. In der Klosterbibliothek aus dem 15. Jahrhundert befinden sich heute die Verwaltung und die Museumspädagogik. Zusammengefaßt werden diese einzelnen Bausteine durch eine Stahl-Glas-Halle, die als sogenannte Museumsstraße auch für Vorträge, kleinere Ausstellungen und sonstige Veranstaltungen genutzt werden kann.

Fenster und Türen
Die Türen in der Gemäldegalerie fallen durch eine äußerst sorgfältige Proportionierung und Detaillierung auf. Aus hell-gelblichem Limba gefertigt, einem afrikanischen Tropenholz, fügen sie sich harmonisch in die helle und klare Umgebung ein. Besonderes Augenmerk verdienen die zweiflügeligen Türen in den achsialen Raumfluchten. Diese sind als wandbündige und laibungstiefe Blockzargen ausgeführt, bei denen beim Öffnen die Türflügel in die Laibungsfläche geklappt werden - und so die Laibung wiederum flächenbündig schließen. Optisch entsteht so die Wirkung, als seien die geöffneten Türflügel verschwunden. Die jeweilige Tiefe der Türkonstruktion resultiert aus der Tiefe des gesamten Wandaufbaus, wobei dies gerade im Umgang mit der historischen Bausubstanz (1793-1795!) sowohl dem Rohbau als auch dem Trockenbau eine enorme Präzision abverlangte. In den Hohlräumen der Laibungen wurden technische Ausstattungsgegenstände wie beispielsweise Feuerlöscher untergebracht. Für die T30-RS-Türen mußte der Hersteller Schörghuber, der "Erfinder der Holz-Brandschutztür", Zustimmungen im Einzelfall einholen.

Für den Umbau der Quistorp-Stadtschule erhielt das Büro Sunder-Plassmann 2000 den Schweriner Landesbaupreis.

Bautafel

Architekten: Sunder-Plassmann Architekten, Kappeln
Projektbeteiligte: Schörghuber, Ampfing (Türen); Ing. Büro Wetzel & v. Seht, Hamburg (Tragwerksplanung), Kannewischer, Zug/CH (Haustechnik); Ing. Büro Schröder, Greifswald (Elektroplanung); Ing. Büro Dinnerbier, Berlin (Lichtplanung); Bertron & Schwarz, Schwäbisch-Gmünd (Museumsdesign)
Bauherr: Stiftung Pommersches Landesmuseum, Greifswald
Fertigstellung: 2005
Standort: Rakower Str. 9, Greifswald
Bildnachweis: Sunder-Plassmann, Kappeln (Foto 1, 3,4) Pommersches Landesmuseum, Greifswald (Foto 2)

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