Marie Curie Gymnasium Bad Berka

Besonders filigrane Pfosten-Riegel-Konstruktion

Bad Berka, ein kleiner Kurort mit Schwefel- und Eisenquellen, liegt im Herzen Thüringens. Inmitten der Stadt ragt auf einem Hügel das Marie Curie Gymnasium aus dem Stadtbild heraus. Das Gebäude war 1982 als Plattenbau errichtet worden und bestand in seiner Grundstruktur aus drei Baukörpern: einem Würfel, der etwa 75 Quadratmeter große Klassen- und Fachräume sowie im Kellergeschoss einen Speisesaal beherbergte, einem Riegel mit etwa 50 Quadratmeter großen Klassenräumen, Verwaltung und drei Treppenhäusern sowie einem Bauteil, das beide Baukörper verband und im Erdgeschoss als Eingangsbereich diente.

Gallerie

Die Erschließung der Klassenzimmer erfolgte über enge Treppenhäuser (1,25 m Laufbreite), durch die sich täglich hunderte von Schülern drängen mussten. Gefangene Räume, kein zweiter Fluchtweg und mangelnder Brandschutz verstärkten die unzureichende Situation. 2001 beschloss die thüringische Landesregierung das Schulbausonderprogramm "19 Schulen auf einen Streich". Ziel war, binnen 18 Monaten 19 sanierungsbedürftige Schulen durch umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen den veränderten pädagogischen Anforderungen anzupassen. Zu den Schulen, die an diesem Programm teilnahmen, zählte auch das Marie Curie Gymnasium in Bad Berka.

Weil die Erweiterungsmöglichkeiten wegen der Lage auf dem Grundstück sehr beengt waren, entschieden sich die Architekten, den Würfel und den Riegel stehen zu lassen und lediglich den Verbindungsbau zurückzubauen. Damit erhielten sie einen Freiraum, den sie für die Erschließung und weitere Räume nutzen konnten. Diese Lösung bot gleichzeitig die Gelegenheit, für die Schüler ein neues Kommunikationszentrum zu schaffen, mehr Tageslicht in das Gebäude zu leiten und das triste Schulgebäude mit neuen Raumqualitäten zu beleben.

Die Architekten entwickelten einen länglichen Baukörper, den sie zwischen Würfel und Riegel schoben und mit verschiedenen Nutzungen füllten. Sie ständerten ihn im Südosten mit sechs 6,5 m hohen Voutenstützen auf und schufen so einen Eingangsbereich, der gleichzeitig als überdachte Pausenzone dient. Die beiden darüber liegenden Ebenen beherbergen neue Fachräume. Die nach Südosten zeigende Fassade ist mit Faserzementplatten verkleidet, während die Ost- und die Westseite ganzflächig verglast sind. Im Nordosten des Neubaus ordneten die Architekten weitere Fachräume an - diesmal auf drei Etagen.

Im mittleren Teil des neuen Traktes schufen sie eine großzügige über vier Etagen reichende Erschließungshalle. Sie bildet - insbesondere während der Pausen - das neue Kommunikationszentrum der Schule. Ein verglaster Innenhof, der zwischen Halle und Westflügel angeordnet wurde, lässt viel Tageslicht in das Innere des Gebäudes. Auf der Talseite entstand ein eigenständiger zweigeschossiger Baukörper, der im Erdgeschoss einen Speisesaal und im ersten Obergeschoss die Aula beherbergt.

Fenster und Türen
Neubau und Bestand wurden im architektonischen Erscheinungsbild bewusst differenziert behandelt. Kennzeichen der Neubauten sind Leichtigkeit und Transparenz, die mit großflächigen Fassadenverglasungen realisiert wurden. Zum Einsatz kam hier das Schüco Aluminium-System FW 50+S. Es handelt sich dabei um eine wärmegedämmte Pfosten-Riegel-Konstruktion in Stahloptik, die beim Marie Curie-Gymnasium mit T-Profilen realisiert worden ist. Das System, das für Fassaden und Lichtdächer konzipiert wurde, zeichnet sich durch besonders schlanke Tragprofile aus und eignet sich insbesondere für Profilfassaden mit großen Rasterbreiten. Markante Blickpunkte innerhalb der gläsernen Fassaden sind die in unregelmäßigem Raster angeordneten Fenster, die aus dem hochwärmegedämmten Aluminium-Blockfenster-System Royal S 75 hergestellt wurden und eine Bautiefe von 75 mm aufweisen.

Der Bestand blieb im Wesentlichen erhalten. Hier sorgen eine komplett erneuerte Haustechnik, neue Akustikdecken sowie neue Fenster- und Türelemente für bessere Nutzungsqualität. Um keine zusätzlichen Lasten in die Bestandsgebäude einzuleiten, wurde beim Ausbau auf den Einsatz leichter Baustoffe geachtet. Dies galt auch für die neu installierten Türen, die aber gleichzeitig den robusten Beanspruchungen im Schulalltag standhalten und die Anforderungen des vorbeugenden Brandschutzes erfüllen müssen. Eingesetzt wurden die Schüco Stahlsysteme Jansen Economy® 60 RS und Janisol 2 F30/T30. Kennzeichen von Economy ® 60 RS sind die besonders schlanke Profilansicht und die Bautiefe von nur 60 mm. Das System ermöglicht dennoch die Konstruktion von großflächigen und schweren Rauchschutztüren nach DIN 18095. Die thermisch getrennte Stahlprofil-Serie Janisol 2 F30/T30 eignet sich für Türen und Glaswände und weist - trotz flächenbündig eingebauter Beschläge - nur eine Bauhöhe von 60 mm auf. Zu den Besonderheiten in Bad Berka zählen die Obentürschließer, die in das Rahmenprofil integriert und damit unsichtbar für die Schüler sind.

Mit seinem neuen Erscheinungsbild und seiner kommunikativen Mitte setzt das Marie Curie Gymnasiuim auf dem Hügel in Bad Berka ein - im wahrsten Sinne des Wortes - herausragendes Zeichen. Aus diesem Grund hat das Gebäude zusammen mit der Oper Erfurt den Thüringer Staatspreises für Architektur und Städtebau 2004 erhalten. Die Architektur, so die Jury in ihrer Begründung, habe auch Einfluss auf die Lern- und Lebensqualität von Schülern und Lehrern. Schulen müssten auch Spaß machen, und das sei hier der Fall.

Bautafel

Architekten: Arbeitsgemeinschaft Junk&Reich, Weimar und Stadermann, Hausen
Projektbeteiligte: Metallbau Möller, Erfurt (Fassade); Schlosserei Reinhard Bednarek, Apolda (Türelemente innen); Schüco, Bielefeld (Beratung und Vertreib Profilsysteme)
Bauherr: Kreis Weimarer Land
Fertigstellung: 2003
Standort: Bergstraße 9, 99438 Bad Berka
Bildnachweis: Schüco

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