Erweiterung Bundesgerichtshof, Karlsruhe

Schusssichere Lüftungsflügel

Der Bundesgerichtshof befindet sich in einem mit mehreren Gebäuden bebauten, parkähnlichen, knapp 4 ha großen Gelände in der Karlsruher Innenstadt. Hauptgebäude ist das Erbgroßherzogliche Palais, 1891-97 für Großherzog Friedrich II. von Joseph Durm errichtet, im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und nach der Entscheidung für Karlsruhe als Sitz des Bundesgerichtshofs 1950 wiederhergestellt. Zur Behebung der ständig wachsenden Raumnot wurden bereits frühzeitig Nachbargrundstücke erworben.

Gallerie

An der Stelle des früheren Nordbaus und auf diesen Grundstücken wurde in den letzten Jahren ein Erweiterungsbau errichtet, der Ende Juni 2003 bezogen wurde. Das Gebäude ist das Ergebnis eines 1998 ausgeschriebenen Wettbewerbs. Der Siegerentwurf der Braunschweiger Architekten Dohle und Lohse vervollständigt die umgebende zweieinhalbgeschossige, überwiegend aus der Zeit des Klassizismus stammende Blockrandbebauung und nimmt deren Proportionen auf. Mit seiner monolithischen Gestalt aber bleibt der Bau eigenständig. Die Gebäudeform entwickelt sich aus den stadträumlichen Richtungen und nimmt den Knick der für den Karlsruher Stadtgrundriss typischen Radialstraße auf. An städtebaulich prägnanten Stellen wird der Körper ausgehöhlt oder eingeschnitten. Als markanteste Stelle zeichnet sich ein Einschnitt ab, der die Eingangssituation hervorhebt. Die inneren Funktionen des Gebäudes lassen sich von außen ablesen, jeder Bereich erhält eine eigenständige Ausprägung. Zentrum des Gebäudes ist die Bibliothek, die sich über vier Geschosse zwischen dem Kopfbau und dem Zivilsenat erstreckt und über glasgedeckte Lufträume verbunden wird. Als weitere öffentliche Bereiche sind das Foyer und der Lesesaal im Erdgeschoss angelegt. Erschlossen werden die verschiedenen Ebenen über eine freie Treppenanlage, die sich in Längsrichtung des Gebäudes erstreckt.

Der zweite Abschnitt des Neubaus ist ein Büroflügel mit sechs Senatsabteilungen, die sich entlang der Blumen- und der Herrenstraße ausrichten. Dieser Gebäudetrakt ist aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen mit speziellen Fenstern ausgestattet.

Fenster und Türen
Eine homogene Fassadenstruktur aus hellem römischen Travertin mit teilweise flächenbündig eingearbeiteter Sicherheitsverglasung (Herren- und Blumenstraße) überzieht die Oberfläche. Die Straßenfassaden sind geprägt von den in Form und Abmessungen an die historische Umgebung angepassten Fenstern. Für diese Fenster entwickelten die Architekten auf besonderen Wunsch der Richterschaft eine Lösung, die es ermöglicht, unter Wahrung der Schusssicherheit einen Lüftungsflügel voll zu öffnen und so trotz der hohen Sicherheitsanforderungen einen direkten Außenbezug zu ermöglichen.

Durchschusshemmende Fenster sollen als gesamte Fensterkonstruktion (Rahmen und Verglasung) ein Durchdringen von Geschossen verhindern. Durchschusshemmende Verglasungen (Bezeichnung C) müssen bei einer Material- und Konstruktionsprüfung einem dreimaligem Beschuss widerstehen, wobei die Schüsse in Abhängigkeit von der Widerstandsklasse mit unterschiedlicher Munition aus einem bestimmten Abstand ausgeführt werden. Die Prüfung erfolgt nach EN 1063, vormals DIN 52290. Die Verglasungen bestehen aus mehrschichtigem, in der Regel asymmetrisch aufgebautem VSG mit unterschiedlichen Folienstärken.

Bautafel

Architekten: Dohle + Lohse Architekten, Braunschweig
Projektbeteiligte: VHB Pfalzer & Vogt, Memmingen (Pfosten-Riegel-Fassade); Rudolf Bieräugel Stahl- und Metallbau GmbH, Marktheidenfeld (Sicherheitsfenster); Soletta Metallwaren GmbH, Heidelberg (Sonnenschutz); Hans Kern Naturstein GmbH, Kirchheim (Naturstein-Fassade)
Bauherr: Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Staatliches Hochbauamt Baden-Baden, Ast. Karlsruhe
Fertigstellung: Juni 2003
Standort: Blumen-/Herrenstraße,
Bildnachweis: Dohle + Lohse Architekten
Quelle: Dohle + Lohse Architekten, Pressestelle BGH

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