Hauptverwaltung Carlsberg in Kopenhagen

Raumhohe Fenster aus recyceltem Kupfer

Das Carlsberg-Quartier, in dem der heutige Weltkonzern Carlsberg Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Bierherstellung begann, befindet sich mitten in Kopenhagen. Nachdem die Produktion inzwischen ausgelagert wurde, wird das gesamte Stadtviertel revitalisiert. Mehrere Gebäude stehen unter Denkmalschutz, darunter das Elefantentor, die historische Villa der Firmengründerfamilie und ebenso die beiden Gärten.

Gallerie

Zeitgemäße Arbeitsplätze auf historischem Areal
Als der globale Getränkehersteller einen Wettbewerb für eine neue Firmenzentrale auf diesem Areal ausschrieb, galt es deshalb einerseits den historischen Kontext zu würdigen, die Gärten zu erhalten und dabei den bisher privaten, Mitte des 19. Jahrhunderts angelegten Garten des Gründers J.C. Jacobsen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Andererseits sollte ein Neubau mit zeitgemäßen Arbeitsplätze für das 21. Jahrhundert geschaffen werden, sogenannte Touch Down Spaces, also mobile digitale Arbeitsplätze mit flexiblen informellen Besprechungsräumen unter Einbeziehung von Kaffee- und Essensstationen. Derartige sogenannte Activity Based Working Spaces, die den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern je nach Aufgabe bzw. Anforderung erlauben, sich individuell für leise Konzentrationsarbeiten zurückzuziehen oder in variabel großen Teams gemeinschaftlich zusammenzuarbeiten und natürlich auch Kunden bzw. Gäste repräsentativ zu empfangen, ersetzen mehr und mehr traditionelle Büros. Den Wettbewerb entschieden 2007/08 C.F. Møller Architects für sich.

Gestaffelt, gefaltet, geknickt: der Baukörper
Als neue Firmenzentrale entwarf das Architekturbüro einen viergeschossigen, teils gestaffelten und mehrfach geknickten und gefalteten Baukörper mit raumhohen Fenstern. Die Aufteilung in drei Flügel erfolgte, um die benötigten knapp 15.000 m2 Nutzfläche in einer Gebäudehöhe von maximal vier und in sich gestaffelten Geschossen unterzubringen. Die Flügel sind zudem für weitere Nebenflächen und Parkplätze unterkellert. Einer der Baukörper ist dabei als Brücke über die J.C.-Jacobsens-Straße konstruiert, um einerseits weitere Flächen für Arbeitsplätze zu erzeugen, aber auch als Reminiszenz an zahlreiche andere Brücken- und Torgebäude auf dem Brauereigelände.

Raumhohe Fenster in kupferfarbenen Profilen
Als Verweis auf die Brauerei nimmt auch die Fassade in Farbe und Materialität der Fensterprofile auf. Raumhohe stehende Glasfelder, die sich in wechselnden Breiten rhythmisch um die gesamte Außenhaut wickeln, wie eine dreidimensionale Netzstruktur, sind durch verkupferte Lamellen, Schwerter und Rahmen gehalten. Für die Beschichtung wurde zu 50% recyceltes Kupfer verwendet, das in seinem sanften Rotbraunton an die Kupferkessel und Bottiche der Bierproduktion erinnert. Durch die großen Fenster wird eine gute Tageslichtversorgung ermöglicht, die sich individuell mit Blenden und Vorhängen regulieren lässt. Zudem ist ein energiesparendes Lüftungssystems integriert, um bauphysikalisch optimiert Zuluft zu filtern und auszutauschen. 

Fenster: Perforierte Kupferbleche als Reminiszenz
Zur Kaschierung der Decken- und Fußbodenanschlüsse und einiger Blindfenster dient Kupferblech, das mit den Umrissen eines stilisierten Hopfenblatts perforiert ist. Ein weiterer visueller Verweis auf das wichtigste Produkt des Konzerns befindet sich an den Unterseiten der Brücke. Die Verkleidung besteht hier aus goldgelben Metallblechen, die mit unterschiedlich großen Blasen perforiert sind, fast so als würden Kohlensäurebläschen sprudelnd aufsteigen.

Zentrales Atrium als „Arbeits-Wintergarten"
Das Konzept der einladenden Offenheit und gläsernen Transparenz prägt das gesamte Gebäude. Der Haupteingang, die Rezeption und sogar ein Bartresen zum Bierzapfen befinden sich straßenseitig unmittelbar vor dem Atrium. Eine Kantine ist ebenerdig in einem der Flügel untergebracht und öffnet sich mit einer großen Terrasse zum Garten.

Herzstück ist das zentrale Atrium als Treffpunkt und „Arbeits-Wintergarten" mit einer haushohen Verglasung, die einen weiten Blick in den Garten und zugleich auch aus dem Garten in das Gebäude bietet. Dieses lichtducrhflutete Zentrum ist Gemeinschaftsbereich für Angestellte und Besucher und verbindet die drei Gebäudeflügel, die sich mit Rücksprungen und Abstufungen an die Topographie und die Höhe der Nachbarbebauung anpassen. Im Inneren fügt sich ein Ensemble aus Treppen und Galerien um eine Sitzstufentreppe. Zur Unterstreichung der informellen und hohen Aufenthaltsqualität dieses zentralen Atriums tragen neben hellen Farben und Materialien wie Weiß und Messing, warmer Beleuchtung, mehreren Himmelsaugen auch locker verteilte cremefarbige Sitzkissen bei – es entsteht das legendäre dänische hygge-Feeling selbst in einem Konzern-Headquarter.

Nachhaltigkeit
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird mit überwiegend unbehandelten Materialien beibehalten, so zum Beispiel mit Bambus als nachwachsendem Rohstoff für das Parkett im Fischgrätmuster. Die Dachflächen sind entweder begrünt oder tragen Solarzellen. Auch die Niederschläge auf den Dächern werden für ein Sammelbecken einbezogen, in dem Wasserlilien wachsen und das sich über eine Kaskade in einen kleinen See ergießt, in dem Schilf und Gräser wachsen. Den Übergang zum historischen Garten bilden Stauden und Büsche. Ein neu angelegtes vergrabenes Regenwasserreservoir versorgt den gesamten Gartenbereich, eine grüne romantisch-verträumte Oase. -sj

Bautafel

Architektur: C.F. Møller Architects, Kopenhagen, Dänemark
Projektbeteiligte: C.F. Møller Landscape, Kopenhagen; Aarsleff, DK (Bauunternehmen), Niras, DK (Ingenieure und Consulting)
Bauherr/in: Carlsberg A/S, Kopenhagen
Fertigstellung:
2020/21
Standort:
Valby Langgade/ JC Jacobsens Gade, Valby, Kopenhagen
Bildnachweis:
Adam Mørk, Kopenhagen

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