Nachrichtenstudio des ZDF in Mainz

Dach als repräsentative Freitreppe

Moderne Fernsehstudios sind mit einer Technik ausgestattet, mit deren Hilfe sich Personen und Gegenstände vor jeden beliebigen Hintergrund setzen lassen, aber auch Bilder und Grafiken räumlich dreidimensional eingespielt werden können. Voraussetzung dafür ist in erster Linie ein nach außen vollständig abgeschlossener, umbauter Raum. So zeigt sich das neue Studio für die Nachrichtensendung Heute-Journal des Zweiten Deutschen Fernsehens als kompakter Flachbau mit terrassierter Dachfläche und weitgehend geschlossenen Fassaden. Dieser ergänzt das öffentlich-rechtliche Sendezentrum, einen weiträumigen Rundbau aus dem Jahr 1984, ohne mit diesem in Konkurrenz zu treten. Das Nachrichtenstudio mit dem signifikanten Dach entstand nach Plänen von Axthelm Architekten aus Potsdam, die einen vorausgegangenen Wettbewerb für sich entscheiden konnten.

Die Abtreppung führt gestalterisch ins Zentrum der gesamten Anlage
Die Betonelemente dienen der Erschließung des Daches
Der Flachbau ergänzt das Sendezentrum, einen weiträumigen Rundbau von 1984, ohne mit diesem in Konkurrenz zu treten

Die gestaffelte Form des Gebäudes resultiert aus den unterschiedlichen Höhen einzelner Funktionsblöcke, die dem technischen Ablauf entsprechend positioniert wurden. Das Dach ist das wichtigste Element der Außenhülle des Hauses: Es dient als Präsentationsfläche für das Sender-Logo und ist als Freitreppenanlage nach Süden ausgerichtet. Die Abtreppung führt gestalterisch ins Zentrum der gesamten Anlage; die Eingänge des alten und neuen Gebäudes werden betont. Kurze Wege verbinden das Nachrichtenstudio mit dem Sendezentrum. Ein teilweise verglaster Gang führt vom Erschließungsflur im Erdgeschoss des Hauptgebäudes ins Foyer des Studios und dient dort als Eingang. Er übernimmt damit auch die Funktion einer Sicherheitsschleuse. Über einen Versorgungsgang im Untergeschoss werden die Räume der Elektro- und Fernsehtechnik erschlossen, weitere notwendige Technik- und Lagerräume sind in einer Teilunterkellerung des Sendezentrums untergebracht.

Im Norden des Flachbaus sind über die gesamte Gebäudebreite zwei Studios angeordnet. Auf der Innenseite direkt angegliedert ist ein Funktionsblock aus Regie, Geräte-, Offsprecher- und Sanitärräumen. Das Foyer mit Aufenthaltsbereichen orientiert sich nach Süden, die Fassadenfront unterhalb der niedrigsten Stelle des abgetreppten Dachs ist verglast. Damit der großzügige Raum mit dem gestaffelten Dach innen erlebbar bleibt, sind ein VIP-Raum, die Maske und ein kleines Lager als eingestellte Boxen konzipiert. Eine Medienwand informiert die Besucher im Foyer über die Arbeit des Nachrichtenstudios. Eine zentrale Treppenanlage erschließt das Obergeschoss im mittleren Gebäudeteil, das die Raumlufttechnik-Zentrale und einen ELT-Raum beinhaltet.

Flachdach
Das Dach als fünfte, in diesem Fall wichtigste Fassade, ist genutzter Freibereich und Repräsentationsfläche zugleich. Deshalb legten die Architekten großen Wert auf die Gestaltung und Ausführung der abgetreppten Dachflächen. Diese sind von den umliegenden ZDF-Gebäuden aus sichtbar und liegen in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens.

Konstruktiv handelt es sich um ein Umkehrdach mit einer Gesamtfläche von rund 3.500 m². Sie ist in drei Lagen abgedichtet: mit zwei Elastomerbitumenbahnen und einem durchwurzelungsfesten Oberbelag zum Schutz der Dachkonstruktion unterhalb der Dämmung des Umkehrdaches. Die Terrassen erhielten zur Entwässerung eine zusätzliche Dränage auf der Schutzlage. Die obere Schicht besteht aus Tartan, einem wetterbeständigen, elastischen Bodenbelag aus Kunststoff; die zur Reinigungs- und Revisionszwecken betretbaren Flächen sind mit Basaltschotter bedeckt.

Stahlbetonfertigelemente fassen die einzelnen „Stufen“ des Dachs. Ihr hohes Eigengewicht reicht zur Lagesicherung aus, so dass keine Rückverankerung durch die Abdichtungsebene erforderlich war. Thermisch bedingte Verschiebungen werden von einem beweglichen Verdornungssystem aufgefangen. Insgesamt 207 verschiedene Fertigteile mit einer Vorsatzschicht aus hellem Sicht- bzw. Strukturbeton kamen zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit dem dunklen Basaltschotter und dem leuchtenden Orange des ZDF-Logos sorgen sie für ein markantes Erscheinungsbild. -us

Bautafel

Architekten: Axthelm Architekten, Potsdam
Projektbeteiligte: Lindner Group, Arnstorf (Bodensysteme, Trockenbau, Türen); Bauder, Stuttgart (Hersteller Dachbahnen); JSS Dach- und Wandtechnik, Staudt (Ausführung Dachabdichtung)
Bauherr: Zweites Deutsches Fernsehen, Mainz
Fertigstellung: 2009
Standort: ZDF Straße 1, 55128 Mainz

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