Sanierung Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung in Berlin

Brandschutzertüchtigung mit Steinwolle

Die Architektur der Moderne wird nicht von jedem geliebt – für Kenner jedoch hat die Epoche eine Reihe bedeutender Bauwerke hervorgebracht. So wie das 23-geschossige Hochhaus der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) am Berliner Hohenzollerndamm von Hans Schäfers. Die futuristisch anmutende Fassade aus Aluminiumpaneelen ist vielen West-Berlinern ins Gedächtnis eingebrannt, doch die fast vierzigjährige Nutzungszeit hinterließ Spuren. Nun hat die Berliner Dependance des Architekturbüros gmp der hell silbern schimmernden Hülle mit den sanft abgerundeten Kanten zu ihrem alten Glanz zurückverholfen. Die Sanierung, die wegen gravierender brandschutztechnischer Mängel sowie Schadstoffbelastung dringend notwendig wurde, bot dem Bauherrn eine große Chance: Der Bau aus den 1970er-Jahren konnte technisch auf den neuesten Stand gebracht und die Fassade unter Beibehaltung ihrer Ansicht gänzlich erneuert werden. Ganz oben auf der Wunschliste standen öffenbare Fenster.

Gallerie

Die gründliche Instandsetzung umfasste nicht nur eine energetische und technische Aufrüstung, sondern auch eine Neuorganisation von Teilen des Gebäudes. Das Hochhaus besteht aus einem Stahlbetonkern, in dem sich Aufzüge und Treppenhäuser befinden. An diesem ist eine Stahlrahmenkonstruktion befestigt, die die Büroflächen trägt. Während die Büroebenen sowie der Konferenzbereich im obersten Stockwerk erhalten blieben, wurde im mehrstöckigen Sockelbereich ein neuer Ausbildungstrakt mit Schulungsräumen hinzugefügt. Dazu wurden Oberlichter ergänzt, die die innenliegenden Erschließungszonen mit Tageslicht versorgen. Daneben befinden sich das Mitarbeiterrestaurant sowie neu entstandene Lagerflächen, die durch den Wegfall alter Technik hinzugewonnen werden konnten. Im Gegensatz zur Fassadensanierung, bei der es darum ging das ursprüngliche Erscheinungsbild so wenig wie möglich zu verändern, durfte die Farbgestaltung der Innenräume modernisiert werden. Den terrakottafarbenen Keramikbodenbelag ersetzte man durch einen dunklen Kunststein. Bei der Möblierung wurden die zukünftigen Nutzer des Versicherungskonzerns miteinbezogen. 1.600 Mitarbeiter des Rentenversicherungsträgers dürfen sich nach der Fertigstellung über moderne Arbeitsplätze in einer Architekturikone freuen, Ausblick auf die Stadt inklusive.

Wärmdämmung
Ohne das originale äußere Erscheinungsbild des Hochhauses zu verändern, sollte die Erneuerung erfolgen. Die extra entwickelten Aluminiumsandwichpaneele sind aus optischer Sicht beinahe identisch mit den früheren Bauteilen – nur technisch sind sie runderneuert und erfüllen sämtliche energetischen Standards. Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) der Außenwand beträgt nun nur noch 0,24 bis 0,35 W(m²K). Bei der Herstellung der geschosshohen, rund 1,80 Meter breiten Elemente griffen die Architekten auf moderne Produktionsarten aus der Automobilindustrie zurück: Die Blechpaneele werden in einem Stück tiefgezogen, wodurch eine homogene Oberflächenwirkung entsteht. Um die Anforderungen des Wärmeschutzes zu erfüllen, wurde die Stärke der Fassadenelemente im Brüstungsbereich auf 30 Zentimeter erhöht.

Im Fensterbereich sorgen eine dreifache Wärmeschutzverglasung sowie innenliegende Blendschutzrollos für ausreichend Schutz vor Sonneneinstrahlung, deren Eintrag um bis zu 70 Prozent im Vergleich zu der Vorgängerfassade reduziert werden konnte. Der U-Wert der Fenster beträgt 1,30 W(m²K) und der Ug-Wert der Verglasung 0,7 W(m²K). An heißen Tagen wird die warme Luft zwischen Scheibe und Rollo nach oben abgesaugt. Auch der große Wunsch nach öffenbaren Fenster ging in Erfüllung: In jedes zweite Fensterfeld ist ein Parallelausstellfenster integriert.

Der Brandschutz der Erbauungszeit war aus heutiger Sicht vollkommen unzureichend. Viele Stahlträger und -stützen im Inneren des Hochhauses waren mit Mineralfaserspritzputz bekleidet, den man im Zuge der Baumaßnahmen entfernte und gegen ein unbedenkliches System austauschte. Insgesamt war eine Neubekleidung von einer rund 60.000 Quadratmeter großen zu isolierenden Fläche unter den Geschossdecken und am stählernen Tragwerk notwendig. Die Flächen und Geometrien der Bauteile unterschieden sich von Etage zu Etage, weshalb eine variabel anpassbare Lösung gefunden werden musste. Das Material der Wahl sind Platten aus nichtbrennbarer Steinwolle. In den meisten Geschossen finden sich Trapezblechendecken, die mit einer unterseitigen Bekleidung aus 30 mm dicken Steinwolleelementen ertüchtigt worden sind. Die Stoßfugen der 1,20 x 2,00 m großen Platten wurden großflächig verklebt, die Befestigung an den Trapezblechen erfolgte mit Stelzbolzen in einem Raster von 45 x 50 cm und einem Randabstand von 10 cm. Die Anbindung von Abhängern für die Installation erfolgt direkt an den Trägerprofilen. Eine Aufdoppelung der Bekleidung an den Abhängebereichen und das Auftragen einer Brandschutzbeschichtung sorgen im Brandfall für zusätzlichen Schutz vor einer übermäßigen Wärmeeinleitung.

Auch die Aufzugsanlage und die Treppenhäuser mussten modernisiert werden: Letztere sind nun druckbelüftet, sodass im Brandfall kein Rauch eindringen kann. Vor den Bürobereichen wurden zudem Zugangsschleusen eingerichtet, die einen Brandüberschlag verhindern. Sprinkleranlagen runden das Maßnahmenpaket ab.

Bautafel

Architekten Sanierung: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner Berlin; Projektleitung: Rüdiger von Helmolt (bis 2016) und Christian Blank
Architekt Errichtung 1977: Hans Schaefers, Berlin
Projektbeteiligte: Hartwich/Mertens Ingenieure, Berlin (Tragwerksplanung); Ebert Ingenieure, Leipzig (TGA); bmb Baumanagement, Berlin (Bauleitung); AMP Ingenieursgesellschaft, Riesa (Fassadentechnik); hhp, Berlin (Brandschutz); IBB, Groß Schwülper (Brandschutzsachverständige); Architekturbüro Dieckmann, Birkenwerder (Schadstoffsanierung); Ebert Ingenieure München (Akustik); Rockwool, Gladbeck (Steinwolleplatten); Feldhaus Fenster + Fassaden, Emsdetten (Fassade)
Bauherr: Deutsche Rentenversicherung Bund, Berlin
Fertigstellung: 2019
Standort: Hohenzollerndamm 47, 10709 Berlin
Bildnachweis: Marcus Bredt, Berlin; Deutsche Rentenversicherung Bund, Berlin/Armin Okula

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