Färbeverfahren bei textilen Bodenbelägen

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Textile Bodenbeläge können farblich sehr unterschiedlich gestaltet werden, dabei ist das Färben von Fasern, Garnen oder Teppichböden möglich. In der Regel erfolgt die Einteilung nach dem Zeitpunkt der Färbung in der Herstellungskette. Wird das Garn vor dem Tuft- oder Webprozess eingefärbt, spricht man von der Garnfärbung. Eine Farbgebung am fertig gewebten oder getufteten Bodenbelag wird Stückfärbung genannt. Folgende Färbeverfahren für die Gestaltung von textilen Belägen werden heute angewendet:

  • Faserfärbung
    Arten: Flockefärbung, Spinndüsenfärbung (Solution-dyed)
  • Garnfärbung
    Arten: Strangfärbung, Space-dyeing, Resist-dyeing, Differential-dyeing
  • Stückfärbung
    Arten: Kufen- oder Kontinuefärbung, Kaltverweilverfahren, Druck
Wird die Faser vor dem Verspinnen zu Garn gefärbt, spricht man von der Flockefärbung (selten auch Flockenfärbung genannt). Mit diesem Färbeverfahren können große Partien farbgleich erzeugt werden. Die Durchfärbung ist sehr intensiv, höher als bei der Garn- oder Stückfärbung. Beim Spinndüsenverfahren werden den Fasern bereits während des Spinnprozesses Farbpigmente zugegeben und fest eingebaut (meist bei Polyamid oder Polypropylen). Die Spinndüsenfärbung schränkt die Farbpalette und die individuellen Musterungsmöglichkeiten ein.
 
Eine klassische Garnfärbung wird häufig bei Wollgarnen durchgeführt, um noch bessere Farbechtheiten als bei einer Stückfärbung zu erzielen bzw. um weitere Musterungsmöglichkeiten zu schaffen. Die Garne erhalten in einem Färbebad, oft hängend (= Strangfärbung) oder gepackt ihre Farbe. Anschließend werden die Garnspulen oder -stränge gespült, entwässert und getrocknet. Beim Space Dyeing wird das Garn abschnittsweise bedruckt bzw. angefärbt und danach mit Dampf fixiert. Mit dem Differential-dying-Verfahren (auch Kontrastfärbung genannt) können bei einem Färbebad verschiedene Farben erzeugt werden. Zum Einsatz kommen Spezialfasern, welche die Farbe unterschiedlich stark aufnehmen, so entstehen verschiedene Farbtöne der Garne.
 
Wie der Name schon sagt, wird bei der Stückfärbung das textile Material im ganzen Stück gefärbt. Dabei wird es entweder auf der Kufe gefärbt (Kufenfärbung oder Haspelkufenfärbung) oder auf der Kontinuefärbemaschine. Bei der Kufenfärbung liegt die Ware in der Flotte, es werden Stücke zwischen ca. 600 und 2.000 m² Größe gefärbt, das Verfahren ist langsamer als die Kontinuefärnung und rentiert sich deshalb besonders bei kleineren Mengen. Bei der Kontinuefärbung ist die Anlage sehr groß und schnell, so dass große farbgleiche Partien hergestellt werden können - bis zu 6.000 m² große Stücke. Weiterhin wird bei der Stückfärbung unterschieden zwischen dem Färben (Farbstoff zieht aus wässriger Farbstoffflotte gleichmäßig auf den Faserstoff auf) und dem Druck, bei dem eine örtlich begrenzte textile Fläche angefärbt wird. Musterungen können durch Schablonen erzielt werden (z.B. beim Rotationsdruckverfahren), die allerdings eine Begrenzung in der Rapportlänge haben. Das Spritzdruckverfahren (Chromojet-Verfahren ) ermöglicht nahezu unbegrenzte Rapportlängen und eine individuelle Musterung, mit der z.B. passgenaue Bordüren für einen Raum hergestellt werden können. Es funktioniert ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker und kann mit vielen verschiedenen Farbtönen bestückt werden. Einige der Verfahren für Druck und Färbung sind kombinierbar, so dass sehr viele Musterungsmöglichkeiten existieren.

Bei der Auswahl eines textilen Bodenbelags sollten nicht nur die Gestaltungsmöglichkeiten, sondern auch die mit dem jeweiligen Färbeverfahren erzielbaren Farbechtheiten sowie die Sichtbarkeit der Anschmutzungen, je nach Anforderung im Objekt, berücksichtigt, und vor der Verlegung gegebenenfalls überprüft werden.

Bildnachweis: Fletco, Ikast/DK (1,2); S-Print, Deinze/B (3); Tretford, Wesel (4)

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