Instandsetzung Kirchturm St. Judas-Thaddäus, Berlin

Spritzbeton auf Carbongewebe

Viele der in den 1950er und 1960er Jahren errichteten Betonbauwerke sind sanierungsbedürftig. Häufig ist der damals verwendete Ziegelsplittbeton die Ursache. Auch der Kirchturm von St. Judas-Thaddäus in Berlin-Tempelhof bildet hier keine Ausnahme. Der von dem Architekten Reinhard Hofbauer errichtete, denkmalgeschützte Bau von 1959 wurde nun instandgesetzt und nach einem Konzept des Architekturbüros D:4 Architekten in Zusammenarbeit mit dem Künstler Klaus Zolondowski mit einer neuen Hülle versehen.

Gallerie

Nach dem zweiten Weitkrieg war Ziegelschutt allgegenwertig und seine Verwendung als Zugschlagsstoff für Beton preisgünstig. Die oft nur geringe Betonüberdeckung der Bewehrung und der geringere Zementanteil zusammen mit der wasserziehenden Eigenschaft der Ziegelsplittkörnung begünstigte eine rasche Korrosion der Bewehrung.

Nach der erfolgreichen Instandsetzung der Bestandskonstruktion durch eine Repassivierung des Stahls und Ausbesserung der Schadstellen wurde auf die Wandflächen des dreieckigen Turmes mit Spritzbeton eine weitere Schicht mit einer Bewehrung aus Carbongewebe aufgebracht. Ziel war es, die Betonüberdeckung zu erhöhen und so den Stahl vor erneuter Karbonatisierung zu schützen. Carbongewebe besitzt eine wesentlich höhere Zugfestigkeit als Stahl und korrodiert nicht. Auf diese Weise konnte der Oberflächenaufbau auf drei Zentimeter begrenzt werden. Da die Wiederherstellung der ursprünglichen Anmutung unmöglich war, entschied man sich für eine Neugestaltung der Fassade.

Dafür wurden Bibelverse abstrahiert und in Handarbeit auf die letzte Spritzbetonschicht übertragen. Um einen Bezug zum ursprünglichen Erscheinungsbild zu schaffen, das von einem leicht rötlich changierenden Farbton geprägt war, finden sich in der Körnung dieser Betonschicht rote Granitkiesel. Nach Fertigstellung der Spritzbetonschicht ließen die Planer die Oberflächen leicht sandstrahlen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Eine weitere Besonderheit des Bauwerks waren Glaslinsen, die bei der Erbauung in regelmäßigen Abständen in den Beton gedrückt worden waren. Nach diesem Vorbild neu erstellte Pressglaslinsen wurden nach Abschluss der Arbeiten mit einem entsprechenden Kleber auf die Turmflächen aufgebracht.

Gestalterisches Konzept: D:4 Architekten in Zusammenarbeit mit Klaus Zolondowski, Berlin

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