Capilla del Atardecer in Acapulco/MEX

Betonfelsen: Dodekaeder aus Ortbeton

Gallerie

Hoch über der Bucht von Acapulco ragt ein schräger, felsartig geformter Betonkörper in den Himmel. Dort, wo man die berühmten Sonnenuntergänge über der mexikanischen Stadt am Pazifischen Ozean genießen kann, errichteten Esteban und Sebastián Suárez von Bunker Arquitectura die Capilla del Atardecer, eine Kapelle über einer privaten Grabstelle.

Die Anforderungen des Bauherrn waren eindeutig: Vom Innenraum der Kapelle wünschte er sich einen freien Blick auf die Bucht, außerdem sollte der Altar nach Westen, zum Sonnenuntergang hin, ausgerichtet sein. Beides schien zunächst nicht realisierbar, weil ein großer Felsen den Blick versperrte. Eine Veränderung der Topografie durch Sprengung und die damit einhergehende Zerstörung der Landschaft kam aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht infrage. Statt den Felsen zu sprengen, erhöhten die Architekten das Bodenniveau des Gebäudes auf 5,00 m.

Auf einer Grundfläche von insgesamt 120 m² erhebt sich die Kapelle 12 m in die Höhe, wobei ihre rechteckige Basisfläche um ein vielfaches kleiner ist. Das Gebäude selbst ist einem Dodekaeder ähnlich geformt, besitzt also 12 Flächen, die schräg zueinander angeordnet sind. Der schmale Eingang liegt auf der Ostseite, die sich über die gesamte Höhe nach vorne neigt. Er gleicht einem Riss im Felsen. Über Betonstufen im komplett geschlossenen Sockelbereich aus dunklem Beton gelangen die Besucher in die obere Ebene, den eigentlichen Kapellenraum. Er ist auf zwei Seiten von einer schmalen, offenen Gitterstruktur aus eng aneinandergereihten Stützen begrenzt, die den Blick in die Landschaft freigibt. Mittelpunkt der zum Meer ausgerichteten Westseite ist ein großes Kreuz. Dessen Achse ist nach der Tagundnachtgleiche ausgerichtet, sodass die Sonne zweimal im Jahr genau hinter dem Achsenkreuz untergeht. Bis auf die Bänke, ebenfalls aus Beton gefertigt, ist der Raum leer.

Bei Nacht wird die Kapelle beleuchtet. Das Konzept dafür stammt von dem in Mexiko als „Poeten des Lichts“ geltenden Lichtdesigner Ricordo Noriega Serrano. Die gleichmäßige Ausleuchtung des Andachtsraumes und die Anstrahlung der Fassade unterstreichen ihre außergewöhnliche Geometrie. Mit ihr haben die Architekten eines der sehenswertesten religiösen Bauwerke der letzten Jahre geschaffen, kompliziert in der Form und ein wahres Meisterwerk. Seit seiner Fertigstellung zieht es zahlreiche Besucher hierhin. Sie kommen, um die spektakuläre Aussicht zu genießen und den Toten zu gedenken, ein Brauch, der in Mexiko viel stärker ausgeprägt ist als im mitteleuropäischen Kulturkreis.

Beton

Aufgrund der besonderen Form und des geringen Wartungsaufwandes entschieden sich die Architekten dafür, das Bauwerk in Ortbeton errichten zu lassen. Es sollte möglichst große Ähnlichkeit mit einem hingerollten Felsen aufweisen. Dies erreichten die Planer durch die scharfkantige Ausführung des vieleckigen Baukörpers, die schräg sich nach unten verjüngenden geschlossenen Betonflächen im Sockelbereich und die geschlitzten Flächen der oberen Etage.

Die Kapelle ruht auf einem vierseitigen Streifenfundament, das in Form eines Trapezes mit Abmessungen von 5 x 3 m ausgebildet ist. Jedes Streifenfundament ist 60 cm breit und 90 cm tief. Auf dieser Basisfläche bauen sich die unterschiedlich schrägen, komplett geschlossenen Sockelwände auf. Für den Beton wurde keine Rezeptur angegeben; er musste auch keinen speziellen Anforderungen entsprechen. Die Bewehrung wurde gesondert bemessen. Die Dicke der komplett geschlossenen Wände beträgt 25 cm, die Ecken sind scharfkantig ausgeführt. Die vielen schräg geneigten Flächen erschwerten vor allem die Herstellung der Schalung. Die Architekten entschieden sich bei der Oberfläche gegen eine glatte Ausführung, die durch den Einsatz von neuen Schaltafeln entsteht. Stattdessen wählten sie gebrauchte, 0,75 m hohe Schalelemente mit Unregelmäßigkeiten und kleinen Beschädigungen aus älteren Bauvorhaben.

Im Bereich des Betonsockels gibt es keine sichtbaren Arbeitsfugen. Erst ab Bodenniveau der Kapellenebene hebt eine deutliche Fuge den darüberliegenden Bauabschnitt sichtlich vom Sockel ab. Die größten Spannweiten des Baukörpers betragen zwischen 3 und 8 m. An der breitesten Stelle unterstützt ein 25 cm breiter und 50 cm hoher Träger die Flächen und sorgt dafür, dass der darunterliegende Sockelraum stützenfrei bleiben konnte. Während die schräge Rückwand massiv betoniert ist, sind alle anderen strebenartig, offen ausgeführt. Die Streben weisen Höhen von 50 cm bis 3 m auf und haben einen Querschnitt von 25 x 30 cm. Der Zwischenraum zwischen den schrägen Streben beträgt 30 cm. Jeweils in den an den konisch nach oben zulaufenden Ecken befindet sich die Anschlussbewährung der auf den Eckpfeiler zulaufenden Streben.

Objektinformationen

Architekten: Esteban und Sebastián Suárez, Bunker Arquitectura (BNKR), Mexiko City/MEX
Projektbeteiligte: Juan Felipe Heredia & José Ignacio Báez, Mexiko City/MEX (Tragwerksplanung); Factor Eficiencia – Fermín Espinosa & Francisco Villeda, Acapulco/MEX (Bauunternehmen), Noriega Iluminadores,  Ricordo Noriega Serrano, Mexiko City/MEX (Lichttechnik)
Bauherr: privat
Standort: Capilla del Atardecer, Acapulco/MEX
Fertigstellung:
2011
Bildnachweis: Esteban Suárez, Mexiko City/MEX

Objektstandort


Acapulco Guerrero
Mexiko

Artikel zum Thema

Gestaltungsfugen an der rückseitigen Fassade des Auditoriums in Santa Cruz auf Teneriffa

Fugen

Fugenausbildung bei Sichtbeton

Bei Sichtbeton spielt das Fugenbild eine entscheidende Rolle. Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Fugenbild der...

Sichtbetonfassade der Schweizer Botschaft, Architekten: Diener & Diener, Basel

Oberflächen

Sichtbetonoberflächen

Die Qualität sichtbar bleibender Betonflächen wird durch vielfältige Faktoren bestimmt und bedarf deshalb grundlegender...

Stahlbetonstützen des Wissenschaftsmuseums Príncipe Felipe in Valencia, Architekten: Santiago Calatrava

Skelettbau

Stützen

Stützen können in unterschiedlichen Querschnitten hergestellt werden. Aus gestalterischen Gründen werden oft Rundstützen...

Beton

Schalungen

Zum Seitenanfang

Das Kreativwirtschaftszentrum setzt sich aus dem sechsgeschossigen Bürogebäude C-Hub und der zweigeschossigen Galerie Port 25 zusammen

Sonderbauten

Kreativwirtschaftszentrum in Mannheim

Zweiteiliges Gebäudeensemble mit roter, rau geschalter Sichtbetonfassade

Die ausgeglichenen Proportionen und das symmetrische Schalungsbild prägen die Erscheinung des Neubaus, hier die Südfassade

Sonderbauten

Feuerwehrhaus in Vierschach

Rot eingefärbter, mustergültig ausgeführter Leichtbetonbau

Ein feines Lochrelief in der Fassade lässt den Beton weich, fast samtig erscheinen

Sonderbauten

Pflegeheim in Dommartin-lès-Toul

Sichtbetonfassade mit Lochrelief

Das organisch wirkende Bauwerk setzt sich aus zwei Betonhalbschalen zusammen

Sonderbauten

Kobel auf dem Kobersberg bei Rimpar

Sandgestrahlte Betonschale als gebaute Topographie

Ansicht der Westfassade mit dem Berliner Hauptbahnhof im Hintergrund

Sonderbauten

Gleichrichterwerk 106 in Berlin

Zweischalige Sichtbetonkonstruktion mit Punktrelief

Links das Pumpenhaus und die Passage zum Fuß des Turms, im Vordergrund die Rampe auf das Dach des Sockelgeschosses

Sonderbauten

Wasserturm in Dudelange

Umbau einer historischen Stahlbetonkonstruktion zu einem Ausstellungsort

Der Zugang liegt zwischen zwei versetzt angeordneten, fensterlosen Betonbaukörpern

Sonderbauten

Atelier Aberto in São Paulo

Sichtbetonboxen in offenem Raumfluss

Der Saunaturm besteht aus Betonfertigteilen, die üblicherweise für den Schachtbau zum Einsatz kommen

Sonderbauten

One Man Sauna in Bochum

Kunstinstallation aus Betonfertigteilen

Im heterogenen Umfeld der Dresdener Südvorstadt schufen die Architekten einen markanten Baukörper mit hohem Wiedererkennungswert

Sonderbauten

Feuer- und Rettungswache in Dresden

Außen rot, innen feinster Sichtbeton

Straßenfassade des Presshauses mit Pyramidenkamin, umhüllter Dachterrasse und Lichtfuge

Sonderbauten

Presshaus Jöchl in Langenzersdorf

Sichtbeton: schalglatt, gestockt, sandgestrahlt, geschliffen

Wie von Außerirdischen auf der Erde vergessen

Sonderbauten

Museumotel L’Utopia in Raon L’Etape

Schlafen im Betonufo

Die Kapelle liegt auf einem Hügel hoch über der Bucht von Acapulco

Sonderbauten

Capilla del Atardecer in Acapulco/MEX

Betonfelsen: Dodekaeder aus Ortbeton

Zeitgemäße Umsetzung des traditionellen Weinberghauses

Sonderbauten

Weinberghaus bei Wörrstadt

Fertigteile aus nur 3 cm starkem Hochleistungsbeton

Der Pavillon befindet sich am südwestlichen Rand des Rollfeldes

Sonderbauten

Infopavillon der Initiative Plattenvereinigung in Berlin

Recycelte Betonplatten aus München, Berlin und Frankfurt/Oder

Der Wasserpavillon liegt direkt an einem See

Sonderbauten

Wasserpavillon in Siegen

Hellgrau schimmerndes Angler- und Privatparkhaus

Erschlossen wird das Gebäude vom nördlichen Vorplatz

Sonderbauten

Zentrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg

Faltwerk aus schräg geneigten Betonscheiben

Die Umfriedungsmauer ist von einem breiten Arkardendach überdeckt, das Weg entlang der Urnengräber vor Regen und Sonneneinstrahlung schützt

Sonderbauten

Friedhofserweiterung in Fußach

Eingefärbte und gestockte Betonoberfläche

Westfassade mit Zugang zu den Parkebenen

Sonderbauten

Parkhaus in Aarau/CH

Mit Wasserhochdruck geschliffener Sichtbeton

Paradeplatz

Sonderbauten

Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin

Beton im Bronzekleid

Das Hutznhaisl liegt fernab vom organisierten Skitourismus

Sonderbauten

Schutzhütte in Tellerhäuser am Fichtelberg

Rückbesinnung auf das Elementare

Bungalow aus Großplatten der Wohnungsbauserie 70

Sonderbauten

Plattenpalast in Berlin

WBS 70 und Fenster des Palasts der Republik recycelt

Die neue Wache liegt auf einem 9.000 m² großen Grundstück

Sonderbauten

Feuerwehr- und Rettungswache Langenfeld

Fassadenelemente aus Fotobeton

Giebelseite zum Dorfplatz

Sonderbauten

Ateliertheater Bardill in Scharans

Monolith aus rot eingefärbtem Beton

Pavillon aus Sandwichelementen

Sonderbauten

Jackbox in Detmold

Gebäudehülle aus Faserbeton

Der quaderförmige Block ist mit einer denkmalgeschützten Bestandsmauer verzahnt

Sonderbauten

Ateliergebäude in Berlin-Moabit

Sichtbetonquader mit horizontaler Brettschalungsstruktur

Südwest-Ansicht

Sonderbauten

Feuerwache in Heidelberg

Stahlbeton, Schleuderbeton und hochfester Beton

Gesamtansicht

Sonderbauten

Hochgarage Pressehaus in Bremen

Fassade aus Ziegel und Beton

Ansicht

Sonderbauten

Experimentalpavillon in Kaiserslautern

Ultrahochfester Stahlfaserbeton mit Schwindabsorbern

Scharfkantig begrenzter monolithischer Baukörper

Sonderbauten

Kiosk am Staufensee bei Dornbirn

Sandgestrahlter Beton

Außenansicht

Sonderbauten

Sporthotel in Savognin/CH

Stahlbetonskelettbau mit modularen Einbauten

Durchlöcherte Betonwandteile

Sonderbauten

Die perforierte Wand

Digitale Herstellung von Betonwandteilen

"Suiten" im Freien

Sonderbauten

Parkhotel in Ottensheim/A

Übernachten in Betonröhren

Glas-Stahlkonstruktion mit tragenden Betonseitenwänden

Sonderbauten

Talstation der Galzigbahn in St. Anton/A

Glas, Stahl und Beton

Außenansicht

Sonderbauten

Parkhaus in München-Riem

Beschwingte Fassade aus Betonfertigteilen

Auffahrt entlang der gekrümmten Betonwand

Sonderbauten

Burda-Parkhaus in Offenburg

Rundling mit filigraner Schale und hartem Kern

Außenansicht

Sonderbauten

Parkhaus in Münster

Schräges Betonskelett

Innenhof

Sonderbauten

Innenhof des Kruisherenhotels in Maastricht/NL

Großformatplatten und Sitzobjekte aus SV-Beton

Im Vordergrund der neu angelegte Eichenhain am linken Bildrand die Katzenhäuser

Sonderbauten

Tierheim in Berlin-Falkenberg

Sichtbeton für die Katz’

Ansicht

Sonderbauten

Konferenzpavillon in Weil am Rhein

Reduktion und Perfektion mit japanischer Proportion

Beton auf der BAU 2017

Ob innovativer 3-D-Druck mit Beton oder
Sichtbeton mit berührungssensitiven
Oberflächen – das InformationsZentrum
Beton zeigt die Vielfalt des Baustoff

Partner