Neue Aufgaben für den Brandschutz

Fachbeitrag im Deutschen Architektenblatt 11/18

Fassadensysteme für nachhaltige und umweltbewusste Bauweisen aus Holz und Holzwerkstoffen oder anderen natürlichen Baustoffen wie Hanf oder Schilf, begrünte Fassaden und solche mit integrierten Solarpaneelen werden immer weiter entwickelt und zunehmend häufig angewendet. Welche brandschutztechnischen Probleme und Fragestellungen damit einhergehen, erläutert der Architekt und Brandschutzplaner Reinhard Eberl-Pacan in seinem Fachbeitrag „Neue Aufgaben für den Brandschutz“, erschienen in der Ausgabe 11/18 des Deutschen Architektenblatts (DAB).

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Maßgeblich für eine brandschutztechnische Beurteilung von Fassaden bzw. Außenwänden sind zunächst die jeweiligen Landesbauordnungen. Diese orientieren sich an den Vorgaben der Musterbauordnung, die das Brandverhalten von Baustoffen in Zusammenhang mit der jeweiligen Gebäudeklasse (GK) festlegt. Während bei Gebäuden bis GK 3 noch „normal entflammbare“  Baustoffe zulässig sind, werden die Anforderungen über GK 4 und 5 bis zu den Sonderbauten immer weiter verschärft.

Nicht zuletzt durch die Medienpräsenz von Bränden an Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) ist die Brandausbreitung über die Fassade im Fokus von Brandschutzexperten und Bauaufsichten. Während z.B. beim WDVS das Brandverhalten der jeweiligen Dämmmaterialen ausgiebig geprüft und durch entsprechende Zulassungen dokumentiert ist, trifft dies auf neuartige Fassadenlösungen meist nicht zu und erschwert den planerischen und brandschutztechnischen Umgang damit. Alleine die Einordnung einer Fassadenbegrünung bereitet schon Schwierigkeiten: Analog zu einer Dachbegrünung als „harte Bedachung“ in die Kategorie B2 („normal entflammbar“) eingeordnet, könnte sich dies in ungepflegtem, ausgetrockneten Zustand durchaus zu einer Einstufung als „leicht entflammbar“ entwickeln.

Um an Fassaden dennoch Innovationen umsetzen zu können, und deren Weiterentwicklung und positiven Beitrag zum Mikroklima beispielsweise (begrünte Systeme) nicht zu behindern, sieht Eberl-Pacan die baurechtliche und baukonstruktive Möglichkeit von Kompensationsmaßnahmen. Was mittlerweile bei einem WDVS durch den Einsatz von Brandriegeln (z.B. aus Mineralwolle) Standard ist, ließe sich ebenso bei neuen Fassadenaufbauten umsetzen: mittels horizontaler Mineralwolle-, Holz-, Beton- oder Blechschürzen beispielsweise. Wichtig sei jedoch, diese Fassadensysteme frühzeitig – neben allen gestalterischen und nachhaltigen Aspekten – auch unter brandschutztechnischen Anforderungen zu beurteilen, zu entwickeln, zu planen und umzusetzen.

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