Sportcampus Zuiderpark in Den Haag

Kompaktes Bauwerk mit geringem Energieverbrauch und spezieller Akustikplanung

Die sanft geschwungenen Ufer der Weiher im Zuiderpark sind von Baumgruppen gegliedert und von weiten Spielwiesen umgeben. Der unweit vom Zentrum Den Haags gelegene Naherholungsraum wurde ursprünglich von H.P. Berlage im Jahr 1908 geplant. Dessen Entwurf erfuhr zahlreiche Änderungen, und erst 1936 konnte die Grünanlage eröffnet werden. Mehrere Freizeitangebote südwestlich davon wurden 2017 durch den 50 Millionen Euro teuren Sportcampus Zuiderpark ergänzt. Bauherr ist die Stadtverwaltung des niederländischen Regierungssitzes, deren Abteilungen Bildung, Sport und Wissenschaft hier kooperierten, in Partnerschaft mit den Fachhochschulen Haagse Hogeschool und ROC Mondriaan.

Gallerie

FaulknerBrowns Architekten aus dem britischen Newcastle Upon Tyne schufen ein weit ausschwingendes, im Grundriss muschelförmiges Bauwerk, das sich gut einfügt. Auf knapp 33.000 Quadratmetern und zwei Ebenen sind mehrere multifunktionale Sporthallen sowie spezielle Hallen für Beachvolleyball, Gymnastik, Kampfsport und Tanz untergebracht. Herzstück des Gebäudes ist eine von Tribünen gefasste Arena, die beide Geschosse einnimmt. Weiterhin gibt es Hochschulräume für Lehrveranstaltungen. Das breite Angebot richtet sich an Freizeit-, Amateur- und Leistungssportler.

Durch eine zeichenhafte architektonische Geste erscheint der Übergang zwischen Grünraum und Sportcampus fließend: An der westlichen Eingangsseite ist das Obergeschoss aufgeständert und umschließt bogenförmig einen Hof, der übrige Baukörper tritt dazu gegenläufig zurück. Die Fassaden sind entlang des Eingangshofs verglast, im übrigen ist der Gebäudesockel zumeist mit Betonfertigteilen bekleidet. Prägnant ist der obere Gebäudeabschluss als farblich changierendes, metallisches Band: Dieses bekleidet den aufgeständerten Baukörper und ist im weiteren durch eine bandartige Verglasung abgesetzt. Es weitet, verengt und verdreht sich. Auf diese Weise wird eine dynamische Wirkung erzeugt, die Ansichten ändern sich im Vorübergehen. Das Farbenspiel der Bekleidung aus hochglanzpoliertem Edelstahl wandelt sich abhängig von den Lichtverhältnissen und Wolkenformationen.

Der Zuiderpark ist als nationales Denkmal eingestuft. Ihm gegenüber wird das enorme Volumen des Sportcampus dank der geschwungenen Form und den zurückweichenden Kanten optisch verringert. Die Konzeption des Gebäudes erfolgte auch mit Blick auf das von der Gemeinde Den Haag angestrebte Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein. Durch die gut gedämmte, kompakte Gestalt werden Energieverluste minimiert. Die begrünte Dachfläche ist mit Photovoltaik zur Stromerzeugung und Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung für die Duschen ausgestattet. Die dort erzeugte Energie wird ergänzt durch ein Grundwasserheiz- und -kühlsystem, das zwei unterschiedlich tiefe Brunnen nutzt. Über einen Wärmetauscher kann im Sommer das Grundwasser aus dem seichteren „kalten“ Brunnen zur Kühlung des Gebäudes eingesetzt werden. Das dadurch erwärmte Wasser wird in den tieferen „warmen“ Brunnen zurückgeführt. Im Winter wird das System umgekehrt, um dem Gebäude Wärme zuzuführen.

Bauphysik
Die mit der Bauphysik-, Akustik- und Brandschutzplanung beauftragten Ingenieure Van Zanten (ZRi) mussten nicht nur baurechtliche Anforderungen berücksichtigen, sondern auch die Regularien verschiedener Sportverbände (wie des Olympischen Kommitees der Niederlande) erfüllen. So galt es im städtebaulichen Maßstab unter anderem, negative Einflüsse des Bauprojektes auf die Frischluftversorgung und das Mikroklima zu verhindern. Anhand von Berechnungen und Simulationen ließ sich nachweisen, dass es angesichts der aerodynamischen Gebäudeform und der begrenzten Höhe keine störenden Einflüsse auf das städtische Mikroklima geben würde.

Im Bereich der Hochschulräume gelten besondere Vorschriften für Tageslicht: Es muss ausreichen, um günstige Lernbedingungen herzustellen und dazu beitragen, die Energiekosten für die Beleuchtung zu reduzieren. Durch das gläserne Band innerhalb der Fassade und eine Orientierung der Räume zur Eingangsseite im Westen ließen sich diese in Bezug auf Tageslicht, aber auch den sommerlichen Wärmeschutz optimieren. Die Lehrräume erhalten Tageslicht vom Innenhof über die zweigeschossige Halle.

Auch die Akustik spielte bei der Gestaltung des Sportcampus eine wichtige Rolle. Die gemeinsame Unterbringung von Lehrräumen und großen Sportstätten unter einem Dach machte eine wirksame Lärmreduktion erforderlich. Der Entwurf sieht eine klare Trennung zwischen Funktionen der Hochschule und Bereichen für hochrangige Sportveranstaltungen vor. Zwischen den stark frequentierten Sporthallen und Hörsälen sind Verkehrsflächen und andere Nebenfunktionen als eine akustische Pufferzone platziert. Die Trennwände unterscheiden sich konstruktiv je nach den akustischen und beispielsweise brandschutztechnischen Anforderungen.

In den Sporthallen, insbesondere der zentralen Arena für bis zu 3.500 Zuschauer, gelten hohe Anforderungen an die Raumakustik. Wegen der enormen Volumen und Höhe der Räume wurden spezielle Lösungen entwickelt. Um die Nachhallzeit zu mindern, sind die Oberflächen von Wänden und Decken mit schallabsorbierenden Materialien verkleidet. An den Wänden kommen hauptsächlich perforierte Holzplatten zum Einsatz, die eine gute Schlagzähigkeit aufweisen (Abb. 23). Durch die Schallabsorption an den Wänden wird auch verhindert, dass der Schall zwischen zwei parallelen Wänden „springt“. Zur Validierung wurden umfangreiche akustische Messungen durchgeführt (Abb. 24).

Bautafel

Architekten: FaulknerBrowns Architects, Newcastle Upon Tyne
Projektbeteiligte: ABT, Velp (Tragwerksplanung); ZRi, Den Haag (Bauphysik); Deerns, Amsterdam (Haustechnik); Alphaplan, Alphen aan den Rijn (Projektsteuerung); Ballast Nedam, Nieuwegein (Generalunternehmer)
Bauherr: Gemeinde Den Haag, Haagse Hogeschool, ROC Mondriaan
Fertigstellung: 2017
Standort: Meester P. Droogleever Fortuynweg 22, 2533 Den Haag, Niederlande
Bildnachweis: Scagliola Brakkee, Rotterdam; Hufton+Crow, Hertford; Arjen Schmitz, Maastricht; ZRi, Den Haag

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