Filmtheater Babylon in Berlin

Umbau und Sanierung eines denkmalgeschützten Kinos

Das Kino "Babylon" wurde in den Jahren 1927 bis 1929 von Hans Poelzig im Stil der Neuen Sachlichkeit entworfen. Es entstand als Teil eines größtenteils noch heute erhaltenen Baublocks, der drei Seiten des Rosa-Luxemburg-Platzes einfasst und der auf der vierten Seite von der Volksbühne geschlossen wird. Das Babylon ist eines der letzten noch erhaltenen Berliner Großkinos und galt zu seiner Entstehungszeit mit 1200 Plätzen als das schönste und größte Rangkino Berlins. Ursprünglich fungierte es als Stummfilmkino mit einem Orchestergraben für die musikalische Begleitung. Bereits zwei Jahre nach der Eröffnung fand der Umbau zum Tonfilmtheater statt.

Gallerie

Im Krieg nur leicht beschädigt, wurde das Haus im Mai 1948 als Premierenkino für DEFA-Produktionen und Filme des sowjetischen Filmvertriebs Sovexport etabliert und dem damaligen Standard entsprechend erneut umgebaut. Bis in die 60er Jahre blieb es das repräsentativste Filmtheater in Ost-Berlin. In der weiteren Folge wurde das "Babylon" zum Programmkino und seit 1981 zusätzlich Spielstätte des Staatlichen Filmarchivs der DDR. Es war das einzige "Filmkunsthaus" in Ost-Berlin und avancierte im Laufe der Jahre zum Treffpunkt der Cineasten.

Nach der Wende war die Zukunft des Kinos zunächst ungewiss. Durch die ungeklärten Eigentumsverhältnisse drohte eine Schließung des Filmtheaters. Eine breite Öffentlichkeit - filminteressierte Zuschauer ebenso wie Filmemacher - setzte sich jedoch für den Erhalt des Kinos ein. Seit 1993 war der große Kinosaal wegen eines Risses in der Deckenkonstruktion gesperrt, woraufhin das Foyer des Hauses zu einem Studiokino umgebaut wurde, so dass der Spielbetrieb behelfsmäßig weitergeführt werden konnte.

1997 wurde das Bauwerk in das städtebauliche Denkmalprogramm der Bundesrepublik Deutschland und des Landes Berlin aufgenommen. Daraufhin standen erstmals Fördergelder zur Verfügung, um eine Rekonstruktion des Kinos denkmalgerecht durchzuführen.

Sanierung/Modernisierung
Primäres Ziel neben der Fassaden- und Dachsanierung war die Restaurierung des großen Saals, dessen Trägerkonstruktion bei Umbauarbeiten 1993 auf die abgehängte Rabitzdecke gestürzt war. Dabei musste nicht nur das alte Dachtragwerk durch neue Binder in Fischbauchform ersetzt werden, sondern auch eine neue Rabitzdecke an die erhalten gebliebenen Vouten angeglichen werden. Das Rippenstreckmetall der neuen Rabitzdecke wurde mit Bewehrungsstäben von den Dachträgern abgehängt. Zusätzlich musste auch eine erst 1948 nachträglich in die Deckenebene eingefügte Entrauchungsrosette wieder eingearbeitet werden.

Probleme bereitete die nach heutigen Brandschutzauflagen geringe Brandsperrwirkung der Decke, die letztlich nach mehreren Verhandlungen mit der Feuerwehr und der Bauaufsicht so gelöst wurde: die Rabitzdecke gilt als nicht brennbare Decke, die Fischbauchträger wurden mit einem F-30 Anstrich versehen und genügen in Kombination mit der gipskartonverschalten Dachdecke darüber den brandschutztechnischen Forderungen. Da oberhalb der Rabitzdecke ein durchgehender Luftraum feuerpolizeilich nicht zulässig war, konnten auch hier nur Sonderbestimmungen für die bestehenden Brandwände und Fluchtwege weiterhelfen und damit größere Umbauten am Bestand vermieden werden. Da die Bühne hinter der alten Leinwand nicht mehr gebraucht wurde, konnte dieses Raumvolumen im EG zu einem Studiokino, im OG zu einem Seminarraum umgenutzt werden. Diese Wand, die sowohl statisch als auch akustisch und brandschutztechnisch zahlreiche Auflagen hervorrief, wurde im Sinne der denkmalpflegerischen Reversibilität als Trockenbauwand mit einem aussteifendem Stahlrahmen und 4 Stahlstützen im Orchestergraben ausgeführt.

Die alte Leinwand blieb erhalten, davor wurde jedoch eine moderne Cinemascope-Leinwand ergänzt, die in einen Bodenschacht abgesenkt werden kann. So können weiterhin alte Stummfilme auf der Originalleinwand, aber auch ohne großen Aufwand Filme in moderner Filmtechnik gezeigt werden. Um die Schallentwicklung der alten, restaurierten Filmtheater-Orgel - übrigens das in Deutschland einzige an seinem Originalstandort verbliebene Exemplar - einzugrenzen, musste die Stahlsteindecke, auf der die schwere Orgel steht, durch gezielte Trennschnitte akustisch entkoppelt werden.

Eine wesentliche Veränderung erfuhr auch die Bestuhlung, die dem heutigen Kinostandard angepasst werden sollte. Dadurch entfielen etwa 300 der sehr engen Plätze auf dem Rang, wodurch ein Raumüberangebot entstand, das als zusätzliches "Rangfoyer" ausgebildet werden konnte. Auch hier wurde eine reversible Neufassung in Abstimmung mit den Denkmalpflegern gewählt: eine zerlegbare, auf Schienen fahrende Schiebewand, die durch Türzargen mittels wegklappender Blenden einfach durchgeschoben wird. Eine beinahe genial zu nennende Erfindung von Architekten, Tischlern und Stuckateuren.

Ein letztes Wort zum Farbkonzept: auch hier wurde mit den Denkmalpflegern die Originalfassung mit einem ockerfarbigen Grundton vor roten bzw. grünen Nebenfarbfassungen rekonstruiert.

Für die gelungene Zusammenarbeit wurde dem Trägerverein als Bauherren 2002 die "Silberne Halbkugel" vom Nationalkomitee für Denkmalschutz vergeben.

Bautafel

Architekten: Klaus Meyer-Rogge + Partner GbR, Berlin
Projektbeteiligte: Ingenieur Büro An der Lan GmbH, Berlin (Tragwerksplanung); Gerriets GmbH, Umkirch (Kino- und Bühnentechnik)
Bauherr: Eigentümergesellschaft Babylon-Block GbR
Fertigstellung: 2001
Standort: Rosa-Luxemburg-Str. 30; Berlin
Bildnachweis: Klaus Meyer-Rogge + Partner GbR, Berlin

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