Dokumentationszentrum in Nürnberg

Umnutzung eines Ruinen-Gebäudes

Zwanzig Hektar umfasst das Gelände, auf dem die Nationalsozialisten ihre fünf Reichsparteitage von 1933 bis 1939 inszenierten. Zentraler Kern und wichtigster Teil dieses megalomanischen "Volksfestes" sollte ein Versammlungsbau werden, der als "Volks-Arena" nichts anderes als das größte Gebäude der damals verherrlichten Antike, das Colosseum in Rom, mit seinen Dimensionen weit in den Schatten stellen sollte. Eine Architektencrew um Albert Speer kopierte nicht nur den Namen, sondern auch die steinerne Monumentalität, um dem Diktat des Führers nach würdigen Ruinen seines Tausendjährigen Reichs Folge zu leisten. Ironie der Geschichte: zum einen währte das besagte Reich gerade schreckliche 12 Jahre und wegen den an allen Ecken angefangenen Kriegsfronten musste bei den Baumaßnahmen an Geld und Personal gespart werden. Auch gab es weder eine gangbare Technik zur Realisierung des für damals unüberbrückbare Spannweiten ausgelegten Daches, noch konnten tausende Sträflinge in den Steinbrüchen die enormen Mengen an poliertem Granit herbeischaffen. So endete das Bauwerk lange vor dem Bombenhagel und dem Ende des Krieges als gigantische Bauruine. Verschiedene Ansätze gab es nach dem Krieg, mit diesem unrühmlichen Erbe umzugehen, bis sich die Stadt durchrang, ein Dokumentationszentrum des Nationalsozialismus in Angriff zu nehmen. Ein übernationaler Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den der österreichische Architekturprofessor Günther Domenig mit einem radikalen Entwurfsansatz für sich entscheiden konnte.

Gallerie

Sanierung/Umnutzung
Gegen die starre und rigide Materialität, die sich in zum Teil mehreren Meter dicken Beton- und Ziegelwänden ausdrückt, setzte der Architekt, den mancher gerne in die Rubrik Dekonstruktivismus steckt, eine unorthogonale, dreidimensional windschiefe Stahlstruktur. Diese Struktur dient dem Museum zugleich als Erschließungs- und Belichtungsachse. Der Architekt, als Kind selbst unter dem Nationalsozialismus leidend, beschreibt diese Zäsur als einen "Pfahl", den er in das Fleisch des Nazitums bohrt, diesem dadurch ebnenso bildhaft gesprochen, endgültig einen "Strich durch die Rechnung" macht. Der aus Stahlfachwerk gefertigte Pfahl durchstößt in einer leichten Neigung die Gebäudeecke, in dessen neu geschaffenen Schlitz sich der Eingang auftut, der von einem weit auskragenden Glaskörper überschattet wird. Über eine zweiläufige Treppe erreicht man das Foyer, von dem aus in mehreren Schleifen - immer wieder auf den Pfahl treffend - die zum Teil ruppig rau belassenen Ausstellungsräume die Diagonale des Baus durchwandert werden.
Dasselbe Gestaltungskonzept durchzieht den ganzen Bau. Die neuen Einbauten verweigern sich dem anrüchigen Altbestand der Ruine: Böden enden mit Fugen vor der Wand. Betoneinbauten zeigen gezielt Fugen und Stahl-Glasbauteile konterkarieren die massiven Ziegelflächen.

Bautafel

Architekt: Günter Domenig, Graz/A
Projektbeteiligte: Gerhard Wallner, Sandra Harrich (Mitarbeiter); Hochbauamt Stadt Nürnberg (Projektleitung); Rudolf Bromberger, Nürnberg (Bauleitung); Rieger + Brandt, Nürnberg (Tragwerksplanung)
Bauherr: Stadt Nürnberg
Fertigstellung: 2002
Standort: Reichsparteitagsgelände, Bayernstr. 10 in Nürnberg
Bildnachnachweis: Gerald Zugmann, Wien/A

Zum Seitenanfang

Blick von Süden über das zum Kulturzentrum umgebaute Kasernengebäude, mit dem Alt- und Neubau für Polizei und Gemeinderat im Hintergrund

Blick von Süden über das zum Kulturzentrum umgebaute Kasernengebäude, mit dem Alt- und Neubau für Polizei und Gemeinderat im Hintergrund

Kulturbauten

Kulturzentrum Daoíz y Velarde in Madrid

Revitalisierung eines alten Kasernengeländes aus dem 19. Jahrhundert

Das Filmtheater Weltspiegel im Zentrum von Cottbus nach der Sanierung

Das Filmtheater Weltspiegel im Zentrum von Cottbus nach der Sanierung

Kulturbauten

Filmtheater Weltspiegel in Cottbus

Sanierung und Erweiterung eines der ältesten Kinos Deutschlands

Das Museum wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugenstil errichtet

Das Museum wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugenstil errichtet

Kulturbauten

Städtisches Museum in Braunschweig

Modernisierung eines Ausstellungsgebäudes der Jugendstilepoche

Zugang zum Bestattungsforum von der Friedhofsseite (Ostansicht)

Zugang zum Bestattungsforum von der Friedhofsseite (Ostansicht)

Kulturbauten

Bestattungsforum in Hamburg-Ohlsdorf

Umbau und Erweiterung eines Krematoriums aus den 1930er Jahren

Der Gebäudekomplex am Nordostufer des Alpsees unterhalb von Schloss Neuschwanstein

Der Gebäudekomplex am Nordostufer des Alpsees unterhalb von Schloss Neuschwanstein

Kulturbauten

Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau

Umbau und Erweiterung eines ehemaligen Grandhotels

Die Südfassade mit reliefartigen Gestaltungselementen der Jahrhundertwende

Die Südfassade mit reliefartigen Gestaltungselementen der Jahrhundertwende

Kulturbauten

Kulturhaus Hainholz in Hannover

Grundsanierung und Umnutzung einer ehemaligen Volksschule

Ansicht des grasbewachsenen Hügels, unter dem sich die Museumserweiterung befindet

Ansicht des grasbewachsenen Hügels, unter dem sich die Museumserweiterung befindet

Kulturbauten

Städel Museum in Frankfurt a.M.

Unterirdische Erweiterung des Kunstmuseums

Anbau mit Stuctural-Glazing Fassade

Anbau mit Stuctural-Glazing Fassade

Kulturbauten

Bibliothek für Architektur, Kunst und Design in Münster

Gläserner Erweiterungsbau

Neobarocke Fassade des Altbaus

Neobarocke Fassade des Altbaus

Kulturbauten

Leopold-Hoesch-Museum in Düren

Sanierung und Erweiterung eines Kunstmuseums

Drei große Schaufenster auf der Straßenseite gewähren Einblicke in die dahinterliegenden Studios

Drei große Schaufenster auf der Straßenseite gewähren Einblicke in die dahinterliegenden Studios

Kulturbauten

Musikzentrum in Syracuse/USA

Revitalisierung eines Industriegebäudes aus dem 19. Jahrhundert

Kunsthalle Bremen mit den neuen Erweiterungsbauten

Kunsthalle Bremen mit den neuen Erweiterungsbauten

Kulturbauten

Kunsthalle Bremen

Modernisierung und Erweiterung eines Kunstmuseums

Ansicht Torre di Porta Nuova

Ansicht Torre di Porta Nuova

Kulturbauten

Kulturzentrum in Venedig/I

Umbau eines ehemaligen Kranturms

Ansicht Dortmunder U-Turm

Ansicht Dortmunder U-Turm

Kulturbauten

Dortmunder U - Zentrum für Kunst und Kreativität

Energetische Sanierung und Umbau des historischen Turmgebäudes

Im vorderen ehemaligen Wohnteil befindet sich das Heimatmuseum, im hinteren Wirtschaftstrakt das Kunstmuseum

Im vorderen ehemaligen Wohnteil befindet sich das Heimatmuseum, im hinteren Wirtschaftstrakt das Kunstmuseum

Kulturbauten

Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg/A

Umbau eines denkmalgeschützten Bauernhofes

Ansicht Synagoge

Ansicht Synagoge

Kulturbauten

Jüdisches Gemeindezentrum in Hannover

Umbau eines evangelischen Gotteshauses zu einer jüdischen Synagoge

Aluminium-Dachlandschaft mit Oberlichtern

Aluminium-Dachlandschaft mit Oberlichtern

Kulturbauten

Stiftung Moritzburg - Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt in Halle an der Saale

Mittelalterliche Burg mit auf Stahltragwerk gesetztes Aluminiumdach

Innenhof

Innenhof

Kulturbauten

Schloss Freudenstein in Freiberg

Sanierung und Umnutzung zum Sächsischen Bergarchiv

Madonnenkapelle

Madonnenkapelle

Kulturbauten

St. Klara in Nürnberg

Architektonisches Konzept ermöglicht "offene Kirche"

Neuer Vorplatz nach dem Umbau

Neuer Vorplatz nach dem Umbau

Kulturbauten

Festhalle in Plauen

Umbau, Sanierung und Erweiterung

Neuer Eingangshof

Neuer Eingangshof

Kulturbauten

Hochschule für Kunst und Design in Halle

Dreidimensionale Fassade

Die Geste des Portals: Sesam öffne dich

Die Geste des Portals: Sesam öffne dich

Kulturbauten

Staatstheater in Darmstadt

Portalbau komplettiert die alte Bausubstanz

Neu hinzugekommen: zwei Dachgeschosse mit Gussglaselementen

Neu hinzugekommen: zwei Dachgeschosse mit Gussglaselementen

Kulturbauten

Musikprobengebäude in Gelsenkirchen

Umnutzung einer Steinkohlenzeche

Treppenaufgang im Vestibül - die neuen Zutaten wie der Treppenbelag aus Multiplexplatten, die Glasausfachungen der Treppenbrüstungen oder die glatten Betonsäulen treten zurück

Treppenaufgang im Vestibül - die neuen Zutaten wie der Treppenbelag aus Multiplexplatten, die Glasausfachungen der Treppenbrüstungen oder die glatten Betonsäulen treten zurück

Kulturbauten

Ausstellungsgebäude in Dresden

Gelungene Ruinen-Revitalisierung

Frontansicht des Museums mit dem zwischen die beiden Flügel eingeschobenen Pavillon

Frontansicht des Museums mit dem zwischen die beiden Flügel eingeschobenen Pavillon

Kulturbauten

Max-Ernst-Museum in Brühl

Klassizistischer Altbau mit Glaspavillon

Das Sudhaus des Adambräu  - Der Schriftzug Adambräu blieb, die Nutzung änderte sich

Das Sudhaus des Adambräu - Der Schriftzug Adambräu blieb, die Nutzung änderte sich

Kulturbauten

Ausstellungsgebäude Adambräu in Innsbruck/A

Umnutzung einer Brauerei

Der restaurierte Kinosaal

Der restaurierte Kinosaal

Kulturbauten

Filmtheater Babylon in Berlin

Umbau und Sanierung eines denkmalgeschützten Kinos

Südfassade mit neu gestaltetem Eingang

Südfassade mit neu gestaltetem Eingang

Kulturbauten

Kirchenerweiterung St.Peter in Wenzenbach

Umbau und Sanierung einer Kirche

Das neue Treppenhaus an der westlichen Erschließungsspange.

Das neue Treppenhaus an der westlichen Erschließungsspange.

Kulturbauten

Museum moderner Kunst in Klagenfurt/A

Umbau einer Burg

Blick in den Burghof von der Außentreppe zum Bergfried: Rostige Stahlplatten umhüllen die neuen Einbauten zwischen den historischen Bruchsteinmauern.

Blick in den Burghof von der Außentreppe zum Bergfried: Rostige Stahlplatten umhüllen die neuen Einbauten zwischen den historischen Bruchsteinmauern.

Kulturbauten

Schloss Tirol bei Meran/I

Umnutzung zu einem Museum für Kultur- und Landesgeschichte

Blick in die langgestreckte Haupthalle: Unter der Decke hängen die neuen "Energie-Schienen"

Blick in die langgestreckte Haupthalle: Unter der Decke hängen die neuen "Energie-Schienen"

Kulturbauten

Museum Ca´Pesaro in Venedig/I

Revitalisierung eines Adelspalastes mit moderner Technik

Wie ein "Pfahl" durchschneidet der Neubau die massive, faschistoide Architektur des Kollosseums.

Wie ein "Pfahl" durchschneidet der Neubau die massive, faschistoide Architektur des Kollosseums.

Kulturbauten

Dokumentationszentrum in Nürnberg

Umnutzung eines Ruinen-Gebäudes

Quistorp-Bau nach der Sanierung

Quistorp-Bau nach der Sanierung

Kulturbauten

Gemäldegalerie in Greifswald

Umbau des ehemaligen Gymnasiums in ein Museum

Umnutzung des ehemaligen Getreidespeichers in ein Museum

Umnutzung des ehemaligen Getreidespeichers in ein Museum

Kulturbauten

Kulturspeicher in Würzburg

Umnutzung eines Hafengebäudes

Die profilierten Fassaden wurden gereinigt und ausgebessert. Der Glasaufbau oberhalb des schweren Dachgesimses tritt optisch in den Hintergrund.

Die profilierten Fassaden wurden gereinigt und ausgebessert. Der Glasaufbau oberhalb des schweren Dachgesimses tritt optisch in den Hintergrund.

Kulturbauten

Ständehaus in Düsseldorf

Komplettsanierung und neue Glaskuppel

Blick von unten auf die Eingangsfassade

Blick von unten auf die Eingangsfassade

Kulturbauten

Alte Nationalgalerie in Berlin

Ablesbare Lebensschichten

Ansicht der restaurierten Villa

Ansicht der restaurierten Villa

Kulturbauten

Villa Esche in Chemnitz

Sanierung, Umnutzung und Rekonstruktion