Grundlagen Altbaudächer und Dachdeckungen

Dächer und Dachformen bei Altbauten weisen eine große Variationsbreite auf und sie unterscheiden sich meist gravierend von denen aus neuerer Zeit. Gerade der Barock zeichnet sich durch eine beinahe unbegrenzte Variationsbreite von Dachstühlen aus. Neben den verschiedenen Formen – z. B. Mansarddächer, Krüppelwalme, Zwiebeltürme etc. – unterliegen sie auch stark den regionalen Ausprägungen. Mit dem Einzug der Moderne, genauer gesagt durch die heutige globalisierte Nivellierung, verschwanden viele Formen und wurden nicht nur aus Geschmacksgründen, sondern auch aus wirtschaftlichen Überlegungen obsolet.

Insbesondere die konstruktive Ausführung älterer Dachstühle hat es in sich, da die traditionelle Zimmermannstechnik teilweise komplizierte Holzverbindungen notwendig machte, um eine statisch einwandfreie Lastabtragung in den Verbindungsknoten zu gewährleisten. Heutige Techniken, sogenannte ingenieurtechnische Verbindungen, beruhen auf Hilfsmitteln wie Stahlschuhen oder ähnlichem, um die arbeitsintensiven Knoten kostengünstiger zu erstellen. Gerade bei der denkmalgerechten Sanierung von Dachstühlen ist die Kenntnis dieser traditionellen Zimmermannstechniken unumgänglich, um das ursprüngliche Erscheinungsbild nicht unwiederbringlich zu zerstören – sofern die Dachkonstruktion sichtbar erhalten bleiben soll. Beschädigungen alter Dachstühle sind meist Folgeerscheinungen einer mangelhaften Pflege oder Sanierung der Dachdeckung.

Da ihre Flächen unmittelbar der Witterung ausgesetzt sind, beeinflusste die Häufigkeit von Niederschlägen, die Wahrscheinlichkeit von hohen Schneelasten oder eine extreme Sonneneinwirkung die Auswahl der verwendeten Baustoffe. Außerdem zeigen sich auch bei der Dachdeckung die regionale und gesellschaftliche Unterschiede mehr als deutlich: Handwerkerhäuser haben andere Dächer als Königsschlösser. Während in gebirgigen Regionen bis in die Neuzeit Holzschindeln oder Schiefer verwendet wurden, trifft man im Flachland noch heute Reetdächer an.

Die Haltbarkeit von gebrannten Ziegeln und die relativ flächendeckende Verbreitung von Ziegeleien verhalfen diesem Baustoff zu dem ab dem 20. Jahrhundert einsetzenden Siegeszug bei den Steildächern. Später kamen Teer-, Bitumen- und Kunsstoffprodukte zu günstigen Konditionen auf den Markt und ermöglichten die Ikone der Moderne: das Flachdach. Seither ist die Dachdeckungstechnik – auch bei Steildächern – ohne den Einsatz von Folien und Bahnen aller Art nicht mehr denkbar.

Gute Dachdeckungen sind das A und O einer Sanierung. Nicht in der Fläche, sondern an den Dachverschneidungen und an den Anschlüssen an andere Bauteile werden die größten Fehler gemacht. Zahlreiche Detaillösungen, passend zu den jeweiligen Deckungen, beweisen, dass hier einerseits ohne saubere Planung und andererseits ohne saubere handwerkliche Arbeit kein mängelfreies Werk zu haben ist. Da heute viele Dächer ausgebaut und gedämmt werden, ist nicht nur eine unter den Dachziegeln liegende regendichte Dampfdiffusionsbahn, sondern auch eine luftdichte innere Dampfsperre Pflicht. Bei komplizierten Altbauten können dabei schier unlösbare Punkte entstehen. Kurz gesagt: Altbaudächer sind nichts für Anfänger.

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